Bürgervereinigung kritisiert Tempo

„PV-Anlage ist doch kein Hexenwerk“

In der Marktgemeinde stehen einige  energetische Projekte an.    Die Peißenberger Bürgervereinigung kritisiert jedoch, dass ihre Umsetzung zu lange dauert. 

Peißenberg – Es ist ja nicht so, dass die Peißenberger Markträte keine Ideen entwickeln oder im Rathaus keine Konzepte in der Schublade liegen würden. Doch bei der Umsetzung hapert es mitunter. Bestes Beispiel ist der von der „Energiewende Oberland“ für Peißenberg entwickelte Energienutzungsplan. EWO-Geschäftsführer Andreas Scharli listet in dem knapp 90-seitigen und im Oktober 2016 vorgestellten Werk zahlreiche Handlungsfelder im Bereich der örtlichen Energiepolitik auf. Bislang ist der Nutzungsplan aber nur Theorie.

Den Auftrag für die Erstellung des Energiekonzepts hatte der Marktrat auf Initiative der „Bürgervereinigung“ (BV) bereits 2015 erteilt. Nach der Präsentation des Nutzungsplans stellte die BV Ende vergangenen Jahres einen Antrag auf Umsetzung von drei konkreten Maßnahmen: Demnach sollten dem EWO-Konzept folgend auf der Schulturnhalle von St. Johann eine 64-KW-Photovoltaikanlage und auf dem Dach des Rathauses 20-KW-PV-Module installiert werden. Zudem sprach sich die BV dafür aus, nach der Heizperiode 2016/2017 ein gebrauchtes Brennwertsystem im gemeindlichen Bauhof an der Forster Straße zu installieren. Im Kommunalhaushalt 2017 wurden für energetische Projekte auch 70 000 Euro eingestellt. Doch was den Zeitplan anbelangt, wurde die BV erst einmal vertröstet: Aufgrund der engen personellen Besetzung im Bauamt, so hieß, könnten die betreffenden Maßnahmen erst im Sommer von der Verwaltung geprüft werden.

In der jüngsten Marktratssitzung berichtete Bürgermeisterin Manuela Vanni nun über den Stand der Planungen. „Noch nichts veranlasst“ wurde demnach bezüglich der PV-Anlage auf der St-Johann-Turnhalle. Laut Vanni muss zunächst berechnet werden, „mit wie viel Strom aufgrund des sehr beschatteten Dachs überhaupt zu rechnen ist“. Etwas konkreter sehen die Planungen für die energetischen Maßnahmen am Rathaus aus. Das Verwaltungsgebäude verbraucht extrem viel Strom für Kühlung und Licht. Vor allem der Server-Raum im Keller, der dauerhaft mit zwei Klimaanlagen belüftet wird, ist eine Energieschleuder. Deshalb sollen die Server-Schränke nun ausgetauscht und durch Einfassungen mit „direkter Kühlung“ ersetzt werden. Dadurch soll sich im Vergleich zum bisherigen Verbrauch eine Stromeinsparung von circa 60 Prozent ergeben. Kein Thema mehr ist laut Vanni die vom EWO-Kompetenzzentrum vorgeschlagene Kraft-Wärme-(Kühl-)Kopplung. Nach Rücksprache mit Fachbüros stehe der schlechte Wirkungsgrad in keinem Verhältnis zu den Erwerbskosten. Auch der Brennwertkessel am Bauhof ist wohl keine Alternative. Wie es in der Ratssitzung hieß, sei dessen KW-Leistung offenbar zu gering. Angeschafft werden soll aber ein elektrobetriebenes Dienstfahrzeug für die Rathausverwaltung.

Und was ist mit der PV-Anlage auf dem Rathaus? Die Anbringung von Modulen ist laut Vanni statisch möglich, „wenn eine Verstärkung am unteren Rand des Daches erfolgt“. Allerdings: Das Bauamt verfüge derzeit über keine personellen Kapazitäten, um das Projekt fachlich zu betreuen und die Ausschreibung vorzubereiten. Deshalb müsse die Planung extern vergeben werden. „Aber es ist momentan ungeheuer schwer, ein freies Ingenieurbüro zu finden“, konstatierte Vanni. Deshalb könne sie auch nicht versprechen, dass die PV-Anlage heuer noch installiert werde: „Wir werden uns aber bemühen“, so Vanni. Der vage Zeitplan sorgte bei den Räten der BV allerdings für Stirnrunzeln. „Der Bau einer PV-Anlage ist doch kein Hexenwerk. Warum braucht es dazu eine Ausschreibung?“, entgegnete Matthias Reichhart Vannis Ausführungen. Ihre Antwort: „Das Ganze erfordert schon eine gewisse Planung – und wir müssen halt ausschreiben.“

Bernhard Jepsen

Rubriklistenbild: © DPA

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