Christian Achmüller, Verwaltungsleiter des Impfzentrums der Johanniter, nahm sich zwei Stunden Zeit, die Fragen unserer Leser zu beantworten.
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Christian Achmüller, Verwaltungsleiter des Impfzentrums der Johanniter, nahm sich zwei Stunden Zeit, die Fragen unserer Leser zu beantworten.

Verwaltungsleiter Christian Achmüller an der Leser-Hotline

Die Fragen unserer Leser: Der kurze Draht ins Impfzentrum

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Die Corona-Schutzimpfungen im ehemaligen Krankenhaus in Peißenberg laufen – zwar nicht auf Hochtouren, weil nach wie vor Impfstoff fehlt, aber doch mittlerweile sehr regelmäßig. Dennoch haben unsere Leser nach wie vor zahlreiche Fragen zum Thema, wie das Leserforum der Heimatzeitung mit dem Verwaltungsleiter des Peißenberger Impfzentrums, Christian Achmüller, bewiesen hat. Das Telefon klingelte ohne Unterlass.

Landkreis – Zwei Stunden lang hatten die Leser von „Weilheimer Tagblatt“, „Schongauer Nachrichten“ und „Penzberger Merkur“ die Gelegenheit, ihre Fragen an Christian Achmüller, der für die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Oberbayern als Verwaltungsleiter beim Impfzentrum arbeitet, zu stellen. Und unsere Leser machten reichlich Gebrauch von dem Angebot.Von 10.59 bis 13.04 Uhr war Achmüller ununterbrochen am Hörer, kam kaum dazu, mal am Wasser zu nippen. Dennoch kamen wahrscheinlich nicht alle durch – das tut uns sehr leid, wir bitten um Verständnis. Deswegen hat sich die Redaktion entschlossen, die gestellten Fragen und die Antworten darauf hier zu dokumentieren.

Wann bin ich endlich dran?

Achmüller: Derzeit sind wir dabei, die Menschen mit der höchsten Prioritätsstufe zu impfen. Das sind im Landkreis rund 12 000, etwa 3000 davon haben bislang ihre Erstimpfung erhalten. Es wird nach derzeitigen Schätzungen noch rund zwei Monate dauern, bis diese Personengruppe geimpft sind – das ist abhängig davon, wieviel Impfstoff geliefert wird. Danach beginnen die Schutzimpfungen für die Prioritätsstufe 2, also alle, die älter als 70 Jahre sind und verschiedene Vorerkrankungen haben. Wie lange es dauern wird, alle aus dieser Personengruppe zu impfen, die dies wünschen, lässt sich momentan nicht absehen. Wann genau wir mit der Gruppe 2 starten können, auch nicht. Wir sind auf die Verfügbarkeit von Impfstoffen angewiesen.

Ich habe den Brief der Landrätin erhalten und gehöre zur Gruppe 1, weil ich älter als 80 Jahre alt bin. Seitdem warte ich auf eine schriftliche oder telefonische Mitteilung, dass ich zur Impfung kommen soll, doch nichts passiert. Was ist da los?

Achmüller: Wer geimpft werden möchte, muss selbst aktiv werden und sich registrieren, ansonsten passiert gar nichts, weil dann angenommen wird, dass Sie sich nicht impfen lassen möchte – die Corona-Schutzimpfung ist freiwillig. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten: Seit einigen Tagen ist es möglich, sich telefonisch direkt beim Impfzentrum in Peißenberg unter Telefon 08803/4929700 zu registrieren. Dort werden Ihre Daten aufgenommen. Wenn Sie dann an der Reihe sind, bekommen Sie einen Anruf und können einen Termin vereinbaren.
Die zweite Variante ist die Online-Registrierung. Diese ist unter https://impfzentren.bayern/citizen/ möglich. Sollten Sie die Registrierung nicht selbst vornehmen können, sondern Verwandte um Hilfe bitten: Neuerdings ist es möglich, bis zu fünf Personen mit einer E-Mail-Adresse zu registrieren. Wenn Sie online registriert wurden, bekommen Sie eine E-Mail, sobald Sie an der Reihe sind und können dann einen Termin vereinbaren.

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Was ist, wenn ich an dem mir zugeteilten Termin keine Zeit habe?

Achmüller: Wir schreiben Ihnen keinen Termin vor. Wenn Sie einen Anruf oder eine Mail bekommen, dass Sie an der Reihe sind, können Sie sich einen Termin aussuchen, der Ihnen passt – mehrere stehen zur Auswahl.

Wer entscheidet eigentlich, wer wann geimpft wird? Geht das nach Alphabet oder Wohnort? Können Sie mich nicht ein bisschen vorziehen?

Achmüller: Wir beim Impfzentrum in Peißenberg haben keinen Einfluss darauf, wer wann an der Reihe ist. Alle, die sich registriert haben, stehen in einer Datenbank – egal, ob sie sich telefonisch oder über das Internet registriert haben. Innerhalb dieser Datenbank wird automatisch die Impfreihenfolge festgelegt. Dabei geht es streng nach Priorität. Selbst innerhalb der Gruppe 1 mit der höchsten Priorität gibt es verschiedene Abstufungen. So kann es durchaus sein, dass ein kerngesunder 85-Jähriger später eine Einladung bekommt als eine 81-Jährige mit mehreren schweren Vorerkrankungen.

Eine Leserin aus Peiting fragt: Mein Mann hat schwere Vorerkrankungen und gehört zur Gruppe 1. Dennoch ist er noch nicht geimpft. Wir haben lange in Herzogsägmühle gearbeitet – unsere jüngeren ehemaligen Kollegen dort sind bereits geimpft. Ist das korrekt so?

Achmüller: Die Impfreihenfolge legt die Bundesregierung in Absprache mit dem Ethikrat fest. Dort wurde beschlossen, dass Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sowie Behinderteneinrichtungen höchste Priorität haben. Daher ist das schon korrekt gelaufen. Ich hoffe, dass wir Ihnen und Ihrem Mann in den kommenden Wochen ein Impfangebot machen können.

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Eine Leserin aus Polling fragt: Meine Mutter gehört zur Gruppe 1, hat aber noch keinen Impftermin. Nun braucht sie eine neue Herzklappe, im Klinikum außerhalb des Landkreises sagte man uns aber, dass sie nur operiert werden kann, wenn sie geimpft ist...

Achmüller: Sollte das so sein, verhält sich das Krankenhaus nicht korrekt. Die Impfung ist freiwillig. Wenn der Eingriff sofort medizinisch nötig ist, dann muss er durchgeführt werden – egal, ob Ihre Mutter geimpft ist oder nicht. Ich würde daher trotzdem einen OP-Termin vereinbaren und jeden Tag in die Mails schauen, ob es unter Umständen doch noch vor dem Eingriff mit der Erstimpfung klappt.

Eine Leserin aus Birkland fragt: Mein Mann (88) hat bereits eine Einladung zur Impfung erhalten, mag aber nicht alleine gehen, wenn ich (79) nicht gleich mitgeimpft werde – weil ich im Gegensatz zu ihm schwere Vorerkrankungen habe. Besteht die Möglichkeit, dass wir gleich beide geimpft werden?

Achmüller: Derzeit leider nicht, da Sie nicht zur Gruppe 1 gehören. Ihr Mann kann natürlich warten, bis Sie an der Reihe sind. Dann können Sie versuchen, einen gemeinsamen Impftermin zu vereinbaren. Das können wir aber leider nicht garantieren.

Ein Leser aus Peißenberg fragt: Was passiert, wenn mich die Hotline anruft und ich gerade nicht zu Hause bin?

Achmüller: Gehen Sie spazieren, wenn Sie mögen, oder einkaufen, wenn Sie etwas brauchen. Wir rufen, falls wir Sie nicht erreichen, mehrfach an. Bitte nicht wundern, wenn die Nummer, die angezeigt wird, mit „03“ beginnt – unsere Hotline sitzt in Magdeburg, ist aber in unserem Auftrag im Einsatz.

Ein Leser aus Schongau fragt: Wir sind nicht mobil. Die Landrätin schrieb in ihrem Brief, dass Außenstellen des Impfzentrums in Schongau und Penzberg eingerichtet werden sollen. Gibt es die schon? Wie kann man dort einen Termin vereinbaren?

Achmüller: Die Räumlichkeiten in Schongau und Penzberg stehen bereit. Allerdings bieten wir derzeit dort noch keine Impfungen an, weil wir schlichtweg nicht einmal genug Impfstoff haben, um das Impfzentrum in Peißenberg auszulasten. Sollten genügend Dosen bereit stehen, werden wir auch in Schongau und Penzberg Termine anbieten. Wann das der Fall ist, kann ich nicht abschätzen. Wenn es los geht, informiert die Heimatzeitung.

Ein Leser aus Schongau fragt: Meine Frau ist Allergikerin. Kann Sie geimpft werden? Wenn ja, was muss Sie mitbringen?

Achmüller: Zum Impftermin sollte sie unbedingt ihren Allergiepass mitbringen und den Arzt im Beratungsgespräch vor der Impfung auf ihre Allergien hinweisen. Wir haben Notfallmedikamente im Impfzentrum vorrätig, falls sie benötigt werden. Bei den 3000 Impfungen bislang haben wir sie aber noch nie benötigt.

Ein Leser aus Burggen wollte wissen: Welcher Impfstoff ist eigentlich am besten verträglich?

Achmüller: Bislang arbeiten wir im Impfzentrum in Peißenberg und bei den mobilen Impfteams vor allem mit Biontech-Pfizer. Bei Menschen, die zur Gruppe 1 gehören und jünger als 65 Jahre sind, kommt auch der Impfstoff von AstraZeneca zum Einsatz. Die Erfahrungen, die wir bis jetzt sammeln konnten, sind durchweg positiv. Natürlich gibt es immer mal wieder Impfreaktionen: Schmerzen an der Einstichstelle, leichte Schwellungen, im Einzelfall auch ein bis zwei Tage leichtes Fieber nach der Impfung. Das ist aber ganz normal – und bei der normalen Grippe-Impfung nicht anders. Zum „Moderna“-Impfstoff kann ich noch nichts sagen, da uns dieser bislang noch nicht geliefert wurde.

Ein Leser aus Weilheim: Wann ist am wenigsten los an der Hotline?

Achmüller: Die Hotline ist den ganzen Tag über aktiv, da kann man eigentlich immer anrufen. Vielleicht nicht alle gleich um zehn Uhr morgens.

Eine Leserin aus Pähl: Ich war am 3. Februar zur Impfung in Peißenberg. Wir haben keinen Parkplatz gefunden, vor der Tür warteten mehr als ein Dutzend Leute, es gab keine Sitzgelegenheiten. Am Ende hat das Ganze zweieinhalb Stunden gedauert. Wie kann ich sichergehen, dass bei meinem Termin zur Zweitimpfung nicht so viel los ist?

Achmüller: Da hatten Sie wirklich Pech, normalerweise herrscht am Impfzentrum nicht so ein Andrang. Ausgerechnet an dem Tag, an dem Sie Ihren Termin hatten, war aber wirklich viel los bei uns, weil wir zahlreiche Nachholtermine hatten, die wegen fehlenden Impfstoffs abgesagt worden waren.
Wir haben nach dem 3. Februar reagiert und dafür gesorgt, dass nun auch vor dem Eingang Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen. Allerdings ist das Ziel, dass niemand vor der Tür warten muss. Das gelingt uns auch meistens. In der Regel verbringen die Besucher bei uns deutlich unter einer Stunde bei der Erstimpfung. Bei der Zweitimpfung geht es noch schneller.
Die Parkplätze am Impfzentrum sind knapp. Nur zwölf stehen zur Verfügung und sind oft belegt. Dann können die Besucher aber auch auf der anderen Seite der Straße an der Bräuwastlhalle parken und das kurze Stück durch die Unterführung zum Impfzentrum laufen. Wer sicher gehen will, vereinbart einfach einen Termin am Nachmittag – da ist erfahrungsgemäß etwas weniger los.

Eine Leserin aus dem Landkreis: Mein Mann und ich sind Pflegepersonen meiner Mutter. Nach der neuen Impfordnung dürfen wir auch geimpft werden. Was ist dabei zu beachten?

Achmüller: Sie brauchen eine schriftliche Bestätigung der Pflegekasse, dass sie eingetragene Pflegepersonen sind. Diese bringen Sie bitte mit ins Impfzentrum, wenn Sie Ihren Termin haben.

Mehrere Leser fragen: Müssen Blutverdünner vor der Impfung abgesetzt werden?

Achmüller: Nein, bitte nicht absetzen, Sie brauchen diese Medikamente. Es muss nur im Anschluss an die Impfung darauf geachtet werden, dass es an der Einstichstelle nicht zu Nachblutungen kommt. Bitte dem Impfarzt im Vorgespräch Bescheid sagen, wir schauen dann auch während der zehnminütigen Überwachung nach der Impfung noch einmal nach.

Eine Leserin aus dem Landkreis: Gehöre ich als ehemalige Krebspatientin auch dann zur Gruppe 2, wenn meine Erkrankung lange zurückliegt?

Achmüller: Nach meinem derzeitigem Kenntnisstand gilt der Grundsatz: „Einmal Krebspatient, immer Krebspatient“. Daher ist es für die Einstufung in die Prioritätsgruppe 2 unerheblich, wie lange Ihre akute Erkrankung zurückliegt.

Ein Leser aus dem Landkreis: Ich hatte am 18. Januar meine Erstimpfung. Eine Woche später wurde ich wegen einer Corona-Infektion stationär aufgenommen. Kann ich mir dennoch die Zweitimpfung geben lassen?

Achmüller: Das ist ein Spezialfall, der gerade noch geprüft wird. Nach derzeitigem Stand besteht die Möglichkeit, die Zweitimpfung zwei Monate nach der Gesundung des Patienten zu setzen. Wie die Betroffenen dann benachrichtigt werden, wird gerade erarbeitet. Sobald es eine Regelung gibt, werden wir sie über die Heimatzeitung kommunizieren.

Eine Leserin aus dem Landkreis: Meine Mutter wird zu Hause gepflegt und ist nicht transportfähig. Wann wird sie geimpft?

Achmüller: Sobald es einen geeigneten Impfstoff gibt. Die derzeit verfügbaren Präparate – Biontech-Pfizer, Moderna und AstraZeneca – sind nicht für den Transport geeignet oder dürfen nicht an Menschen verabreicht werden, die älter als 65 sind. Sobald ein Serum vorliegt, das von mobilen Impfteams oder den Hausärzten zu Hause bei den Patienten verabreicht werden kann, werden diese informiert und schnellstmöglich geimpft. Im Einzelfall kann man auch prüfen, ob ein Krankentransport ins Impfzentrum möglich ist.

Eine Leserin aus Huglfing fragt: Ich wohne im Landkreis Weilheim-Schongau. Mein Lebensgefährte ist im Landkreis Landsberg gemeldet, aber meistens bei mir. Besteht die Möglichkeit, dass wir uns in Peißenberg impfen lassen?

Achmüller: Leider nicht. Da gilt die Postleitzahl des Hauptwohnsitzes. Sie können sich in Peißenberg impfen lassen, ihr Lebensgefährte müsste sich im Landsberger Impfzentrum in Penzing impfen lassen.

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