Abstand halten, lautete das Gebot bei der Sitzung des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau im Gasthof „Zur Post“.
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Abstand halten, lautete das Gebot bei der Sitzung des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau im Gasthof „Zur Post“.

IHK-Regionalausschuss

Corona: Firmen im Landkreis Weilheim-Schongau fühlen sich allein gelassen

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Einheitliche und in der Praxis umsetzbare Pandemie-Regelungen: Das forderten einige Mitglieder des IHK-Regionalausschusses „Weilheim-Schongau“ bei ihrer jüngsten Sitzung in Peißenberg.

Peißenberg – Die angespannte Pandemielage mit steigenden Infektionszahlen dämpft die Stimmungslage in der Wirtschaft. Auch bei den heimischen Betrieben ist die Verunsicherung groß: „Die Eischläge kommen immer näher“, konstatierte Vorsitzender Klaus Bauer im Rahmen der jüngsten Sitzung des IHK-Regionalausschusses. Bei „Motoren Bauer“ habe man bereits als Vorkehrung wieder getrennte Arbeitsgruppen gebildet.

Auch die IHK-Geschäftsstelle Weilheim selbst ist vorsichtig geworden. Die Lokalität für die Ausschusssitzung wurde kurzfristig noch einmal geändert und in den Gasthof „Zur Post“ verlegt. Dort konnten die Gremiumsmitglieder in gebührendem Abstand voneinander tagen. Die Angst vor Infektionen ist in den Betrieben groß. „Was passiert mit der Firma ‘Biomichl‘, wenn der Fall eintritt, dass sich ein Mitarbeiter ansteckt? Kann ich dann zusperren?“, fragte Bio-Supermarktbetreiber Michael Sendl. „Nirgendwo“ sei zum Beispiel dokumentiert, wer im Worst-Case-Szenario alles in Quarantäne gehen müsse, der gesamte Betrieb oder nur einzelne Kontaktpersonen. Auch würden die Testungen viel zu lange dauern.

IHK: Corona hat Auswirkungen auf Zahl der Auszubildenden - „Das ist dramatisch“

Ins gleiche Horn stießen „Kaufhaus-Rid“-Chef Florian Lipp („Es braucht pragmatische Lösungen“) und Felix Schaumberg – wobei vor allem letzterer die Handelskammer in die Pflicht nahm: „Ich fühle mich von der IHK in Bezug auf Corona alleine gelassen“, kritisierte der Bremicker-Geschäftsführer. Die Forderung der Gremiumsmitglieder war unmissverständlich: Die IHK solle einen Leitfaden herausgeben und sich für einheitliche Regelungen in Bayern einsetzen. Kritik wurde auch am Gesundheitsamt Weilheim geübt: Die Kommunikation mit der Behörde, so hieß es, sei äußerst schwierig. Das Amt verfüge zum Beispiel über keine Wochenendpräsenz.

Das Problem: Die Abarbeitung der Corona-Fälle ist in Bayern dezentral über die Gesundheitsämter organisiert. Bei ihnen liegt die Entscheidungsbefugnis. „Ein allgemeiner Leitfaden würde Ihnen individuell nicht helfen“, ließ Peter Kammerer von der IHK für München und Oberbayern die Ausschussmitglieder wissen – und: „Wir sind keine Gesundheitsexperten und machen nicht die Regeln.“ Kammerer monierte aber, dass selbige für die Unternehmen nicht händelbar seien. Das werde von der IHK gegenüber der Politik auch deutlich kommuniziert. Kammerers Wunsch: „Wir brauchen Schnelltests.“ Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern analysierte, dass die Konjunkturlinie nach dem Lockdown im Frühjahr „keinen V-förmigen Verlauf“ genommen habe. „Die Krise ist noch nicht vorbei. Wir werden erst wieder 2022 annähernd auf dem Niveau von 2019 sein.“ Es sei dringend notwendig, die Corona-Fallzahlen auf einem niedrigen Niveau zu halten. Auch müsse die Wirtschaft wieder in eine Wettbewerbssituation eintreten und die Zuwendungspolitik zurückgefahren werden. Corona, so berichtete Kammerer, habe neben der demografischen Entwicklung als Hauptfaktor auch Auswirkungen auf die Zahl der Auszubildenden. Berufsorientierungsveranstaltungen hätten aufgrund der Pandemie nicht stattfinden können. Viele Mittelschul- und Realschulabgänger hätten sich für den Besuch einer weitergehenden Schule entschieden. Auch würde man einen allgemeinen Trend in Richtung regionaler Handwerksberufe verzeichnen. Felix Schaumberg berichtete in Bezug auf Bremicker von 80 Prozent weniger Bewerbungen. „Das ist dramatisch“, so der Geschäftsführer in der Sitzung des IHK-Regionalausschusses.

Corona-Maßnahmen: Keine Diskussionen in China

Neben der allgemeinen „Diskussion und Meinungsbildung“ stand der Vortrag von Hong Gui-Hinsel auf der Tagesordnung im IHK-Regionalausschuss. Die in Shanghai geborene und inzwischen in Landsberg beheimatete „Fitness-Trainerin für den chinesischen Markt“ referierte zur Fragestellung „China – Profiteur der Corona-Krise?“. Gui-Hinsels eindeutig zweideutige Antwort: „Ja, aber……“ Chinas Wirtschaft habe sich nach dem Corona-Crash inzwischen wieder erholt.

Das Reich der Mitte wolle im „Hightech“-Bereich weltweit führend werden – und das werde auch gelingen, wenn sich die Handelsbeziehungen zu den USA entspannen würden. Komme es jedoch zu einem „kalten Handelskrieg“ zwischen den beiden Mächten, dann würden „alle verlieren“. In Bezug auf die Corona-Politik Chinas kam Gui-Hinsel zu folgender Einschätzung: „Wenn es um Corona-Maßnahmen geht, dann kennt die chinesische Regierung keine langwierigen Diskussionen.“ Die von der „Fitnesstrainerin“ in den Raum gestellten niedrigen Infektionszahlen in China stießen im Ausschuss jedoch auf arge Zweifel: „Das kann nicht stimmen“, meinte Hans Medele (Weilheim).

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