1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Peißenberg

Familienvater wundert sich: „In meinem Umfeld stecken sich nur die Geimpften an“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Boris Forstner

Kommentare

Eine Frau erhält eine Corona-Impfung
Dass die Impfung als Allheilmittel gelte, ärgert Leonhard Reßler (47) aus Forst. (Symbolbild) © Sven Hoppe/DPA

Leonhard Reßler (47) aus Forst musste schon das zweite Mal in Quarantäne, weil in seinem Umfeld Geimpfte an Corona erkrankt waren. Der Familienvater wundert sich.

Forst/Peiting – Wenn’s in einem Gespräch ums Thema Impfen geht, fällt bei Ungeimpften oft gleich zu Beginn der Satz „ich bin kein Impfgegner“. So auch bei Leonhard Reßler aus Forst. Erst sei es ihm wichtig gewesen, dass seine Eltern die Immunisierung bekommen, „aber mir ist das mit der Entwicklung etwas schnell gegangen“, gibt er zu. „Und je mehr ich mitbekommen habe, desto komischer wurde es.“

Der 47-Jährige schließe nicht aus, sich noch impfen zu lassen, „aber nach den jetzigen Erfahrungen kann man schon ins Grübeln kommen“, sagt er.

Los ging es Ende August. Reßler, der als Gärtnereiausbilder in Herzogsägmühle arbeitet, verabschiedete sich zwei Wochen in Urlaub und machte mit der Familie gleich zu Beginn einen Salzburg-Ausflug. Bei der Rückkehr hatte er plötzlich ganz viele Nachrichten von seinem Arbeitgeber auf dem Handy: Ein Praktikant, mit dem Reßler an seinem letzten Arbeitstag vor dem Urlaub noch Kontakt hatte, sei positiv auf Corona getestet worden. Dass er erst nach einer knappen Woche informiert wurde, „ist eben so, da mache ich dem Gesundheitsamt keinen Vorwurf“, sagt Reßler. Für ihn war anschließend eine Woche Quarantäne angesagt, er selbst hatte sich nicht angesteckt. „Danach habe ich den Praktikanten nochmal getroffen und erfahren, dass er geimpft war“, sagt Reßler. Den jungen Mann habe es durch Corona heftiger erwischt, er sei zwei Wochen krankgeschrieben gewesen und habe zwei weitere Wochen keinen Sport machen dürfen.

Auch die Tochter erkrankte trotz Impfung an Corona

Dass die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz bietet, weiß der 47-Jährige. Doch als jetzt seine Tochter, die schon seit dem Frühjahr bisher als einzige in der sechsköpfigen Familie geimpft ist, daheim eher aus Spaß einen Selbsttest machte und der positiv ausfiel, kann Reßler nur noch den Kopf schütteln. „Wir haben gleich nochmal einen Test gemacht, weil wir es gar nicht glauben konnten“, sagte Reßler.

Doch auch der nächste Selbsttest und der folgende PCR-Test bestätigten die Erkrankung. Auch seine Tochter hat es heftiger erwischt, mit starken Erkältungssymptomen liegt sie derzeit daheim. „So krank war ich noch nie“, meinte sie. Vergangene Woche wollte sie noch in eine Murnauer Disco, kam aber wegen Überfüllung nicht rein. „Ich will gar nicht wissen, wie es dort mit der Kontaktverfolgung gelaufen wäre“, sagt Reßler.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Schongau-Newsletter. Und in unserem Weilheim-Penzberg-Newsletter.

Corona/Bayern - Familienvater ärgert, dass die Impfung als Allheilmittel dargestellt wird

Für ihn, seine Frau und die anderen drei Kinder stand gestern Mittag ebenfalls der nächste PCR-Test an, das Ergebnis sollte erst abends nach Redaktionsschluss kommen. „Ich hoffe, dass wir alle negativ sind“, sagt er. Ihn ärgert, dass die Impfung als Allheilmittel dargestellt wird, obwohl offenbar trotzdem viele erkranken. „Und das weiß ich nicht aus Erzählungen, sondern weil ich es erlebt habe“, sagt Reßler.

Zumal er mit Impfung wieder in die Arbeit dürfte, ohne aber erneut in Quarantäne und sich Gedanken um die Lohnfortzahlung machen muss – obwohl er auch als Geimpfter krank sein kann, wie er überdeutlich erfahren hat. „Tatsächlich kenne ich mittlerweile mehr Leute, die mit Impfung an Corona erkrankt sind als ohne“, sagt Reßler. Sein Wunsch: Dass die vielen harten Diskussionen ums Thema impfen aufhören. „Es sollte die Entscheidung eines jeden einzelnen sein, und man sollte das auch akzeptieren.“

Corona: Mediziner spricht eindeutige Impf-Empfehlung aus

Eine klare Empfehlung für die Corona-Impfung hatte hingegen zuletzt in einem Merkur-Interview der Kreisklinik-Chef Dr. Peter Kreissl aus Ebersberg ausgesprochen. Darin betonte der Mediziner: „Die Krankenhauszahlen ergeben sich vor allem aus den Älteren, 50 plus. Alle unsere derzeitigen Patienten sind nicht geimpft.“ Gerade auf der Intensivstation käme oft die Reue zu spät, dass man sich nicht habe impfen lassen, berichtet Kreissl. Er stellte klar: „Natürlich können sich vereinzelt auch Geimpfte infizieren und das Virus übertragen, aber sie entwickeln keine schweren Symptome. Bei uns ist noch keiner auf der Intensivstation gelandet.“

Noch mehr Nachrichten aus der Region Weilheim lesen Sie hier.

Auch interessant

Kommentare