+

 CSU/Parteilose zur „Rigi-Rutsch‘n“

„Wir ziehen im Hintergrund die Fäden“

Bei der Sondersitzung zur„Rigi-Rutsch‘n“ hielt sich die Fraktion  CSU/Parteilose mit Wortmeldungen stark zurück. Die Stillhaltetaktik war vorher abgesprochen.

Peißenberg –  Die Sondersitzung sei „letztlich nur eine Info-Veranstaltung“ gewesen, in der der Schweizer Bäderexperte, Stefan Studer, mit der neuen Grundkonzeption „Tatsachen“ vorgestellt habe: „Es war zur Sitzung eigentlich bereits alles klar“, sagt Fraktionschef Walter Wurzinger im Rückblick – und Vize-Bürgermeisterin Sandra Rößle ergänzt: „Mit unserer Entscheidung für das neue Konzept haben wir im Verwaltungsrat der Gemeindewerke sämtliche Vorgaben des Marktrats erfüllt.“ Weiteren Gesprächsbedarf habe die Fraktionsspitze in der Sondersitzung deshalb nicht gesehen. Die vom Marktrat geforderten Rahmenbedingungen (Familienfreibad mit Defizitdeckelung auf 500 000 Euro) sind die wesentlichen Eckpfeiler in der Neukonzeption. In der Fraktion von CSU/Parteilose bestand durchaus die Sorge, dass die Vorgaben nicht realisierbar sind und der Bäderexperte den Daumen senkt: „Wir hatten Angst, dass als Vorschlag kommt, dass wir das Freibad schließen sollen“, gibt Rößle zu.

Doch es kam anders. Der Verwaltungsrat der Gemeindewerke verständigte sich mit 8:1-Stimmen auf das neue Konzept mit Fokussierung auf den Freibadbetrieb. Mit Wurzinger, Rößle und Georg Hutter jun. stellt die Fraktion von CSU/Parteilose drei Vertreter im Verwaltungsrat. Sie hat damit bei Entscheidungen ein gewichtiges Wort mitzureden. Hinzu kommt, dass man über gute Kontakte zum Führungspersonal der Gemeindewerke verfügt.

Der Vorstand des Kommunalunternehmens (KU), Günther Forster, und Chef-Betriebswirtin sowie Bäderpark-Spartenleiterin, Ingrid Haberl, kandidierten bei der Kommunalwahl 2008 auf der Liste von CSU/Parteilose. Man kennt sich also und schätzt sich: „In der letzten Zeit bin ich wegen der ‘Rigi-Rutsch´n‘ jede Woche mindestens einmal im Büro von Herrn Forster gesessen“, erzählt Rößle. CSU/Parteilose sind also in die Planungen voll involviert: „Wir ziehen im Hintergrund die Fäden“, betont Wurzinger: „Wir arbeiten mit Fakten – und wir haben dafür gesorgt, dass die Angelegenheit nicht eskaliert.“

Ein „Fakt“ ist für CSU/Parteilose, dass man von Seiten der Kommunalpolitik schon viel früher in den hochdefizitären Bäderpark hätte eingreifen müssen. „Die ‘Rigi-Rutsch´n‘ galt aber immer als Goldenes Kalb, das keiner anfassen wollte“, kritisiert Rößle. Aber nach dem Großbrand vor einem Jahr sei klar gewesen: „Entweder man greift jetzt ein oder es gibt einen schleichenden Prozess bis zum bitteren Ende.“ Auch Wurzinger ist der Meinung, dass der Bäderpark in seinem bisherigen Bestand reiner „Luxus“ für die Marktgemeinde gewesen ist. Das Ganze sei dem Bürger zwar „schwer vermittelbar“, aber Peißenberg sei eben eine finanzschwache Kommune, deren Schuldenstand sich in nächsten Jahren deutlich nach oben schrauben werde.

„Wir müssen schauen, dass wir die öffentliche Seite aufrechterhalten können“, warnt Wurzinger – wobei er die Vorgängergenerationen in Peißenbergs Kommunalpolitik scharf kritisiert: „Den Investitionsstau, der seit Langem geherrscht hat, den baden wir jetzt mit voller Breite aus.“ In puncto Hochwasserschutz sei zum Beispiel jahrelang ebenso wenig geschehen wie bei der Instandhaltung öffentlicher Bauten: „Die jetzt sanierte Dreifachturnhalle hat man einfach vergammeln lassen“, beklagt Wurzinger.

Es sei versäumt worden, neue Gewerbeflächen auszuweisen: „Was ist denn nach der Bergwerksschließung in Peißenberg an Nachhaltigkeit schon groß gemacht worden? Nichts. Man hat die Bergleute zwar in neuangesiedelten Unternehmen untergebracht, aber was ist mit den Firmen passiert?“ Wurzinger betrachtet die „Rigi-Rutsch´n“ in diesem Gesamtkontext. Es sei in Anbetracht der begrenzten Möglichkeiten unabdingbar, ein Betriebskonzept zu entwickeln, das die Gemeinde und die Gemeindewerke finanziell auch tatsächlich stemmen können. Nun gehe es darum, Schritt für Schritt vorzugehen: „Das ist wie ein Puzzlespiel. Es muss jetzt unser Ziel sein, etwas Vernünftiges aufzubauen – und wir müssen eine vernünftige Lösung für die Sauna finden.“

Bernhard Jepsen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Penzberg führt Tempo 30 auf mehreren Ortsstraßen ein
In einer chaotisch verlaufenden Sitzung am Dienstagabend hat der Stadtrat in Penzberg Tempo 30 auf mehreren Ortsstraßen beschlossen. Es war eine Kampfabstimmung.
Penzberg führt Tempo 30 auf mehreren Ortsstraßen ein
Von Geburtshilfe-Schließung kalt erwischt
Die vorübergehende Schließung der Geburtshilfe im Weilheimer Krankenhaus vom 1. Oktober bis 31. Dezember hat Frauen kalt erwischt.  Weilheims Bürgermeister Markus Loth …
Von Geburtshilfe-Schließung kalt erwischt
„Golddorf“ sagt Unkraut den Kampf an
Eine Goldmedaille hat Bernried beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – unser Dorf soll schöner werden“ gewonnen. Momentan sieht es aber nicht in allen Ecken …
„Golddorf“ sagt Unkraut den Kampf an
„Frauen sind einfach schöner“
Lebensgroße Tonfiguren sind im „ausstellwerk“ am Bahnhof Huglfing zu sehen. Geschaffen wurden sie von Hilde Würtheim.
„Frauen sind einfach schöner“

Kommentare