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Der Kohlenmeiler in Peißenberg ist entzündet

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Von: Bernhard Jepsen

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Da muss die Lunte hinein: Johann Mayr half Bürgermeister Frank Zellner (kniend) beim Anzünden des Kohlenmeilers. Franz Josef Fischer (im Hintergrund) hielt den Moment bildlich fest.
Da muss die Lunte hinein: Johann Mayr half Bürgermeister Frank Zellner (kniend) beim Anzünden des Kohlenmeilers. Franz Josef Fischer (im Hintergrund) hielt den Moment bildlich fest. © Jepsen

Im ehemaligen Bergbauort Peißenberg gibt es bald wieder Kohle: Seit Samstag brennt auf dem Festplatz an der Moosleite im Rahmen der sechsten Auflage der Peißenberger Köhlertage ein mit 20 Ster Holz gefüllter Rundmeiler. Ende der Woche sollen rund 1,4 Tonnen Holzkohle verkauft werden.

Peißenberg – „Es steigt weißer Rauch auf. Wir haben einen neuen Bürgermeister. Habemus Bürgermeister“, scherzte Frank Zellner in Anlehnung an die Papst-Wahlen in Rom, als am Samstag-Vormittag um 10:30 Uhr weißer Qualm aus dem am Festplatz aufgetürmten Kohlenmeiler stieg. Peißenbergs Bürgermeister heißt natürlich weiterhin Frank Zellner. Dem Rathauschef wurde die Ehre zuteil, den Meiler in Brand zu setzen und damit die Köhlertage offiziell zu eröffnen.

Eigentlich sollte der Startschuss schon am Freitagabend fallen. Doch das schlechte Wetter machte dem veranstalten Verein „Bier & Tradition“ einen Strich durch die Rechnung. In den Stunden nach dem Anzünden muss über das Kaminloch immer wieder Holz nachgefüllt werden. Bei Dunkelheit und Regen ein schwieriges Unterfangen, weshalb man sich entschloss, das Anzünden auf den Samstag-Vormittag zu verschieben. Beim zweiten Anlauf klappte es dann – auch wenn Alexander Dobrindt, der sich unter die rund 40 Besucher mischte, zunächst noch skeptisch war. „Ich frag mich, ob der Meiler durch den Regen nicht durgeweicht ist“, sagte der Bundestagsabgeordnete und CSU-Landesgruppenchef schmunzelnd. „Aber das werden wir ja gleich sehen.“

Doch unter der Regie von „Oberköhler“ Ludwig Hutter konnte nichts schief gehen. „Wasser auf dem Meiler ist Gold, Wasser im Meiler ist Gift“, erklärte der Experte aus Bad Kohlgrub – und am Peißenberger Rundmeiler sammelte sich das Regenwasser auf der Oberfläche.

Mit dem Aufbau hatten die Mitglieder des Vereins „Bier & Tradition“ bereits am Dienstag begonnen. Schwierigkeiten bereitete das Dämmmaterial. Statt wie üblich fertige Lösche verwendete man frische Erde, die erst nach dem Verkohlungsprozess zu Lösche respektive Kohlenstaub wird. „Lösche gibt es halt nicht im Baumarkt zu kaufen“, erklärte Johann Mayr, der zweite Vereinsvorsitzende: „Und wir wollten unsere eigene Lösche produzieren.“

Beim Aufbau des Meilers packten viele fleißige Helfer mit an. Dafür gab’s von Vereinschef Franz Josef Fischer in der Eröffnungsrede ein dickes Lob – vor allem an die ältere Generation: „Es war viel Arbeit. Aber für Euch ist der Meiler wie ein Jungbrunnen. Wenn wir Euch nicht gehabt hätten, wäre es schwierig geworden. Unsere jungen Mitglieder allein sind noch nicht soweit.“

Die warmen Worte gebührten unter anderem Alfred Welscher. Der 83-Jährige war früher im Bergbau tätig. Bei den Köhlertagen ist er seit der ersten Auflage im Jahr 2009 dabei: „Ich bin früher 17 Jahre lang in die Grube eingefahren“, erzählte Welscher: „Mit Pechkohle habe ich mein Geld verdient – und das mit der Holzkohle mache ich aus Spaß.“ Und: „Wir geben halt etwas auf Tradition. Wir wollen, dass sie weitergeht – Ende, Aus, Amen.“ Beim nächsten Mal allerdings will Welscher kürzertreten: „Dann bin ich 85 Jahre alt. Dann müssen wirklich Jüngere ran.“

Die Köhlertage sollen ganz bewusst im ruhigen Rahmen ablaufen – schon allein im Hinblick auf das weltpolitische Geschehen und den Ukraine-Krieg. Mit dem Auftritt der Böllerschützen beim offiziellen Anzünden war Franz Josef Fischer deshalb auch nicht ganz glücklich: „Eigentlich passt es momentan nicht in die Zeit.“ Nachdem die Salven abgefeuert waren, konnte schließlich der gemütliche Teil beginnen. Daran änderte auch der kurzfristige Stromausfall nichts: „Der Strom ist wieder da. Das Bier läuft“, gab Fischer Entwarnung. „Alles ist gut.“

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