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Gut verteilt haben sich die Besucher der Maiandacht in der Kirche St. Johann in Peißenberg. 

Desinfektionsmittel statt Weihwasser in St. Johann in Peißenberg

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Seit Anfang Mai dürfen in Bayern wieder Gottesdienste gefeiert werden – allerdings mit vielen Auflagen. Wie läuft es nun nach ein paar Wochen? Ein Besuch in einer Maiandacht in der katholischen Kirsche St. Johann in Peißenberg.

Peißenberg – Es ist ein schöner Abend Ende Mai in Peißenberg. Die Glocken von St. Johann läuten zur Maiandacht, die in wenigen Minuten beginnen wird. Die Hauptstraße befindet sich schon im Feierabendmodus. Nur wenig Straßenlärm mischt sich in den Glockenklang. Die große Holztüre steht weit auf.

Im Eingangsbereich, wo noch vor ein paar Wochen Kirchenbesucher ihre Finger mit Weihwasser benetzen und sich bekreuzigen konnten, steht nun ein Plastikbehälter mit Desinfektionsmittel. Er ist so platziert, dass er nicht übersehen werden kann. Daneben wurde eine Holztafel aufgestellt, an der die „Besonderheiten“, die in Corona-Zeiten in den Kirchen gelten, zu lesen sind.

In der Kirche macht eine große Holztafel mit darauf aufmerksam, dass der Sicherheitsabstand von zwei Metern einzuhalten ist. Im Kollektenkörbchen, das noch vor ein paar Wochen dazu diente, Geldspenden einzusammeln, liegen nun Mund-Nasen-Schutzmasken – falls ein Gottesdienstbesucher vergessen hat, seine mitzubringen. Die Kollekte ist derzeit nicht erlaubt.

Wo sind die Gesangbücher, die immer im Eingangsbereich lagen? Manche der Besucher dieser Maiandacht schauen suchend in die Runde, als sie den Innenraum der Kirche betreten. Die Gesangbücher mussten weggeräumt werden. Inzwischen muss jeder, der mitsingen will, sein eigenes „Gotteslob“ mitbringen. So soll die Infektionsgefahr verringert werden.

Wer die Kirche betritt, muss einen Mundschutz tragen und darf ihn auch während des Gottesdienstes nicht ablegen. Am Eingang im Innenbereich empfängt Monika Böhm heute die Besucher der Andacht, die nach und nach eintrudeln. Sie hält eine Liste in der einen Hand, in der anderen einen Stift, erkundigt sich nach den jeweiligen Namen und setzt einen Haken auf der Liste. „Die Leute haben sich vorher angemeldet“, erklärt sie. Mit diesem Prozedere solle vermieden werden, dass der Andrang zu groß wird.

Bei dieser Maiandacht hält sich die Besucherzahl noch in Grenzen, deswegen habe sie noch Platz auf der Liste für nicht angemeldete Gäste. „Schauen Sie, hier ist noch frei“, sagt Monika Böhm und geleitet eine Frau zu einem Platz in einer der hinteren Bänke. Jede zweite Sitzbank wurde mit einem weißen Band abgesperrt und vor jeder Bank kleben kleine, gelbe Zettel, die die Sitzplätze markieren. „Schön, dass Sie heute gekommen sind! Gott segne Ihr Mitfeiern in diesem Gottesdienst“, steht auf ihnen. Vier Sitzplätze pro Bank gibt es.

Monika Böhm ist Pfarrgemeinderätin und übernimmt derzeit regelmäßig Dienste als Gottesdienst-Helferin. „Wir wechseln uns ab, je nachdem, wer gerade Zeit hat“, sagt sie und wendet sich dem nächsten Andachtsbesucher zu. Die Helfer sorgen dafür, dass alles reibungslos läuft und dass die neuen Regeln eingehalten werden. 15 Christen haben sich zur Maiandacht eingefunden. Sie sitzen über den ganzen Kirchen-Innenraum verteilt.

Kerzen erhellen den Altarraum. Die Flamme der größten Kerze flackert, als Diakon Bernd Skuras den Raum betritt. Auch er trägt einen Mundschutz. Die Orgel ertönt. Sie klingt nach Normalität, nach einem Gottesdienst, wie er vor Corona war und irgendwie tröstlich. Liednummer 865 wird an die Wand geworfen. Nur wenige greifen zum Gotteslob, die meisten haben kein Gesangbuch dabei. Trotzdem und trotz des Mundschutzes ist die Kirche von Musik und Stimmen erfüllt, vielleicht weil alle so gut verteilt sitzen. Doch bald verklingt der letzte Ton. Wegen der Ansteckungsgefahr soll nicht so lange gesungen werden.

Bernd Skuras nimmt seinen Mundschutz ab und tritt ans Pult. Er wendet sich an die Gemeinde: Die Umstände des Jahres hätten es nicht zugelassen, dass in Peißenberg so viele Maiandachten wie gewohnt gefeiert werden könnten. Heuer gebe es lediglich drei Maiandachten in der Pfarreiengemeinschaft Peißenberg-Forst. Das sei der aktuellen Situation geschuldet. Dennoch: „Dass wir hier zusammenkommen und beten können, ist ein Geschenk Gottes“, sagt er. Der Lesungstext erzählt davon, wie der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria verkündet, dass sie Gottes Sohn gebären wird. „Fürchte Dich nicht“, sagt der Engel und es ist, als ob dies auch die Botschaft an alle in der Kirche St. Johann ist. Auf die Lesung folgt erneut ein Lied, und Bernd Skuras legt den Mundschutz wieder an.

Wenig später wird es sehr feierlich: Der Messdiener, der ebenfalls Mundschutz trägt, legt dem Diakon einen goldenen Umhang um. Das ist ein Zeichen der Ehrfurcht, denn er wird gleich das Allerheiligste „aussetzen“, wie es in der katholischen Kirche genannt wird. Damit soll vergegenwärtigt werden, dass Jesus da ist. Der Diakon trägt die Monstranz zum Altar. Die Andachtsbesucher beten ein Vaterunser. Es klingt, als ob viele Menschen sprächen, dabei sind es nur 15. In den Gebeten wird Jesus nun direkt angesprochen. Die Gottesdienstbesucher knien in den Bänken. Die Monstranz wird wieder weggebracht, der Messdiener nimmt den Umhang von den Schultern des Diakons.

Nach dem Segen verlassen die Besucher die Bänke und gehen mit großem Abstand Richtung Ausgang. An einer Seitenwand hängt zwischen zwei Kerzenleuchtern eine Schnur, an der Postkarten mit Sprüchen aufgereiht sind und ein Schild: „Zuspruch Gottes in schwierigen Zeiten“, steht darauf.

Zum Schluss sind nur noch der Diakon und die Gottesdienst-Helferin in der Kirche. „Ich muss noch schnell die Liste wegbringen“, sagt Monika Böhm und eilt Richtung Altar. Bernd Skuras verlässt die Kirche: „Es ist eine große Erleichterung darüber zu spüren, dass wieder Gottesdienste gefeiert werden können“, sagt er. Als Notnagel sei im Internet gestreamt worden, „aber es ist schöner, wenn es in der Kirche ist“.

Monika Böhm tritt mit einem großen Schritt ins Freie. Im selben Moment nimmt sie schnell ihren Mundschutz ab und atmet tief ein. „Schön war’s“, sagt sie. „Es tut gut, dass wir wieder hier feiern können.“

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