Lisa Hogger engagiert sich im Unterstützerkreis „Asyl“ in Peißenberg.
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Lisa Hogger engagiert sich im Unterstützerkreis „Asyl“ in Peißenberg.

INTERVIEW

Lisa Hogger vom Unterstützerkreis „Asyl“: „Die Arbeit wird definitiv nicht weniger werden“

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Die Asylbewerber- und Flüchtlingsunterkunft in Hohenpeißenberg wird zum Monatsende aufgelöst. Der Helferkreis beendet seine Tätigkeit. Doch wie sieht‘s in Peißenberg aus? Lisa Hogger berichtet.

Peißenberg - In Hohenpeißenberg wird der Unterstützerkreis „Asyl“ vorerst nicht mehr gebraucht. Doch wie sieht es ein paar Kilometer weiter in Peißenberg aus? Lisa Hogger vom dortigen Unterstützerkreis berichtet davon im Interview.

In Hohenpeißenberg beendet der Helferkreis seine Tätigkeit, wie sieht die Situation in Peißenberg aus?

In letzter Zeit sind fast nur Familien zu uns nach Peißenberg gekommen. Das bedeutet für uns einen erhöhten Betreuungsaufwand. Wenn ich allein an die Hürden denke, die derzeit beim Schulunterricht bestehen. Distanzunterricht ist ja für viele Einheimische schon eine Herausforderung und für unsere Flüchtlinge ist das natürlich noch schwieriger.

In Peißenberg wird der Unterstützerkreis seine Tätigkeit also nicht so schnell beenden können?

Dass unsere Arbeit nicht mehr nötig ist, ist bei uns noch nicht absehbar. Zwei der Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Hohenpeißenberg ziehen nun in eine der Wohnungen nach Peißenberg und ich weiß von einer Familie, die demnächst hierher kommt. Wir haben hier ja keine zentrale Unterkunft, sondern 17 verschiedene Wohnungen und ein kleines Haus über den ganzen Ort verteilt. Viele der Flüchtlinge sind inzwischen anerkannt, die betreuen wir auch weiter. Anschließend gibt es immer noch viel zu tun. Die Arbeit wird definitiv nicht weniger werden.

Hat sich Ihre Tätigkeit durch die Corona-Pandemie verändert?

Ja, sehr. Wir hatten seit einem Jahr kein Gruppentreffen, der „Deutschtreff“ kann nicht stattfinden, es gibt kein „Frauenfrühstück“ mehr. Eigentlich hätten wir im Herbst wieder ein interkulturelles Fest in Peißenberg gefeiert. Das Gemeinsame und der Austausch untereinander fallen weg und das fällt Flüchtlingen und Helfern schwer. Und es erschwert das Einleben hier. Wenn die Flüchtlinge nur unter sich sind, wie sollen sie hier Kontakte knüpfen, wie sollen sie sich integrieren? Unser ursprüngliches Ziel, die Integration der Menschen, hat Corona ausgehebelt.

Wie viele Helfer arbeiten derzeit im Unterstützerkreis mit?

Es sind 14 Personen, die auch trotz der Corona-Maßnahmen weiter aktiv sind. Wir hätten noch mehr Helfer, die zum Beispiel beim „Deutschtreff“ mitarbeiten würden, der aber im Moment wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann.

Was meinen Sie, wie viele Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge leben in Peißenberg?

Eine genaue Zahl kann ich nicht nennen, aber ich denke, dass es an die 200 Menschen sind. Nicht alle brauchen unsere Hilfe. Manche treffen wir sporadisch, um andere müssen wir uns mehr kümmern. Inzwischen ist über die Hälfte der Personen, die wir betreuen, anerkannt. Die wenigsten sind noch im Asylverfahren. Viele sind inzwischen gut integriert. Es müssen aber auch welche nach Hause zurückkehren.

Wie sieht Ihre Tätigkeit derzeit aus?

Wir betreuen die Familien und Asylbewerber und anerkannten Flüchtlinge, unterstützen sie zum Beispiel bei Anträgen, Schriftverkehr mit Behörden, bei der Kommunikation mit Schulen und Kindergärten, helfen bei der Wohnungssuche und bei vielem mehr. Einer unserer Helfer kennt sich mit Computern aus und sorgt zum Beispiel dafür, dass die Laptops für die Schulkinder eingerichtet sind und funktionieren. Dafür und für jede Unterstützung sind wir sehr, sehr dankbar.

Wie hat sich die Arbeit im Unterstützerkreis im Laufe der Zeit verändert?

Am Anfang waren sehr viel mehr Spontanhilfen gefragt. Zum Beispiel Menschen, die im Winter in kurzen Hosen hier ankamen, mit Kleidung zu versorgen, oder eine leere Wohnung mit den nötigsten Möbeln zu füllen. Solches gilt es heute schon auch noch zu erledigen, aber nicht mehr so oft. Grundsätzlich hat sich alles viel mehr eingespielt.

Wissen Sie, ob und wie es mit dem „iku“ im ehemaligen Peißenberger Krakenhaus weitergeht?

Ja, das ist eine gute Entwicklung. Am Anfang haben wir gebangt, wie lange wir den „iku“ haben, weil wir nie wussten, was aus dem ehemaligen Krankenhaus wird, können wir auch unseren „Interkulturellen Treffpunkt“ noch eine Weile nutzen – wenn er im Moment auch weder kulturell noch Treffpunkt ist. Auch in Coronazeiten ist das ein wichtiger Anlaufpunkt und eine tolle Sache. Eigentlich wollten wir heuer zum 1. Mai das fünfjährige Bestehen des „iku“ feiern, doch das Fest muss leider verschoben werden. Wir hoffen, dass wir diese Feier im Sommer nachholen können.

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