Wolfgang Ramadan ist Veranstalter, Musiker und Künstler und oft auch in Peißenberg aktiv.  Foto: ARCHIV
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Wolfgang Ramadan ist Veranstalter, Musiker und Künstler und oft auch in Peißenberg aktiv.

Die Kulturbranche in der Krise

Konzertveranstalter spricht Klartext: „Die Corona-Hilfe vom Staat hat knapp einen Monat gereicht“

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Nachdem das Kultur-Abonnement für die Peißenberger Tiefstollenhalle ein Jahr erfolgreich gelaufen war, kam im zweiten Jahr die Corona-Pandemie und beendete das Abo-Programm, bevor es angefangen hatte. Wolfgang Ramadan, der die Agentur „BrotZeit & Spiele“ betreibt, musste die schon geplanten Veranstaltungen wegen Corona und der verschiedenen Auflagen so oft verschieben, dass er inzwischen alle Konzerte für heuer endgültig abgesagt hat.

  • Die Kulturbranche leidet ganz besonders unter den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie.
  • Nachdem er immer wieder Veranstaltungen verschieben musste, hat der Veranstalter, Musiker und Künstler Wolfgang Ramadan nun alle Termine für heuer abgesagt.
  • Im Gespräch mit der Heimatzeitung erzählt er nun, wie es seiner Agentur und ihm heuer erging und wie es mit dem Aboprogramm in Peißenberg im kommenden Jahr weitergehen soll.

Normalerweise hätte der Aboverkauf für das kommende Jahr schon gestartet. Wie geht es mit dem Abo nun weiter?

Ramadan: Leider kann ich darüber nichts sagen. Wenn ich etwas sagen würde, könnte es schon nach dem nächsten Telefonanruf komplett überholt sein. Ich sage immer diesen einen Satz, der es meiner Ansicht nach ganz gut trifft: In Zeiten ohne Planungssicherheit kann man mit Sicherheit nur sagen, dass man nichts planen kann. Es ist nicht so, dass wir unvorbereitet wären oder die vergangenen Monate tatenlos abgewartet hätten. Wir sind Profis. Es ist alles wasserdicht für das kommende Jahr: Die Termine mit Künstlern und für die Auftrittsorte sind vereinbart, das Personal steht – allein ich weiß nicht, ob die Veranstaltungen stattfinden können. Wir arbeiten an neuen Konzepten um Künstlern, Technikern und Partnern eine Perspektive bieten.

Aber theoretisch könnten Sie wieder und immer noch Kulturveranstaltungen stattfinden lassen...

Das schon. Im Moment ist es aber leider so, dass wir wegen der Corona-Abstandsregeln und -beschränkungen so wenige Karten verkaufen könnten, dass es sich für uns überhaupt nicht lohnt, eine Veranstaltung durchzuführen. Kultur ist im Moment ein Draufzahlgeschäft. Es können nur diejenigen Kultur veranstalten, die das ehrenamtlich oder als Hobby machen, die subventioniert werden oder Wirte, die sich die Kultur wegen ihrer Gastronomie leisten können. Wir gehören nicht zu dieser Sorte von Veranstaltern und würden bei jedem Konzert, bei jedem Kabarett-Abend kräftig draufzahlen. Zudem besteht immer das Risiko, dass alle Planungen umsonst waren, weil in letzter Sekunde alles platzt...

Haben Sie deswegen alle Veranstaltungen für heuer abgesagt?

Ja, nachdem wir die Termine verschoben und verschoben hatten, haben wir uns schließlich entschlossen, alles für heuer abzusagen. Das geht ja seit März so, dass Sie keine Veranstaltungen haben und somit auch nichts verdienen.

Wie können Sie das durchhalten?

Die Unterstützung, die wir vom Staat und vom Freistaat bekommen haben, hat uns genau einen Monat über Wasser gehalten. Dass wir noch existieren, haben wir nur unseren Abonnenten zu verdanken. Viele von ihnen haben auf Rückerstattung des Betrags verzichtet, den sie für das Abo bereits gezahlt hatten. Viele haben gesagt, ich schenke es euch. Die Solidarität der Abonnenten und Kartenkäufer hat uns bislang gerettet.

Wenn man so beobachtet, wie andere Branchen unterstützt wurden, fühlen Sie sich von der Politik im Stich gelassen?

Ja, wir wurden und werden komplett ver...äppelt. Die Kulturbranche ist wirtschaftlich gesehen die drittstärkste in Deutschland. „BrotZeit & Spiele“ ist ein gesundes Unternehmen, sonst hätten wir auch nicht so lange durchgehalten. Wenn man so will, müssen unsere Flugzeuge seit März am Boden bleiben. Für uns werden aber keine Rettungsschirme gespannt.

Wieso ist es Ihrer Ansicht nach wichtig, dass es weiter Kultur gibt?

Mit Kunst und Kultur bekommt das Leben eine ganz andere Qualität. Sich dafür zu interessieren, heißt, mehr aus seinem Leben machen zu wollen.

Wie wird es weitergehen für Ihren Betrieb?

Derzeit arbeiten wir rund um die Uhr daran, noch mehr staatliche Unterstützung zu erhalten, was wirklich kompliziert ist. Gleichzeitig entwickeln wir mit Hochdruck Modelle, die auch funktionieren, wenn die Corona-Auflagen noch eine Weile bleiben.

Wie sehen diese Konzepte aus?

Weil es in geschlossenen Räumen mit großen Veranstaltungen in nächster Zeit schlecht aussieht, lautet unser Motto jetzt: „mehr Open Air“. Wie unsere Ideen und Pläne dazu konkret aussehen, das kann ich allerdings noch nicht verraten. Es ist auch alles noch nicht in trockenen Tüchern.

Betreffen Ihre Pläne für die Zukunft auch Peißenberg?

Ich gehe davon aus, dass wir auch in Zukunft in Peißenberg Kulturveranstaltungen anbieten werden. Am besten in Kooperation mit dem Kulturverein.

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