Diskussion im Bauausschuss  

Wie schnell soll Peißenberg wachsen?

Peißenberg – Eigentlich hatte der Bauausschuss seine jüngsten Beratungen schon beendet. Bürgermeisterin Manuela Vanni wollte die Sitzung schon schließen, da meldete sich doch noch ein Gremiumsmitglied zu Wort: „In letzter Zeit haben wir einige Beschlüsse gefasst, die mir nicht gefallen“, ließ Jürgen Forstner seine Ausschusskollegen aufhorchen. Der Gemeinderat der Bürgervereinigung ist bekanntlich ein starker Befürworter, wenn es um die Schaffung neuer Wohnbauflächen geht. Die ablehnende Haltung des Marktrats gegen die Genehmigung weiterer Wohneinheiten rund um den ehemaligen BHS-Turm stieß ihm entsprechend sauer auf: „Es herrscht in unserer Region Wohnungsnot“, erklärte Forster im Ausschuss – verbunden mit einer klaren Ansage: „Die anderen Kommunen geben da alle Gas. Wenn wir das nicht tun, stehen wir hinten an.“ Peißenberg vermittle in seiner Außendarstellung den Eindruck, dass man keinen Zuzug wolle. „Die Leute gehen dann woanders hin und zahlen dort ihre Steuern“, so Forster – und: „Ich will nicht immer das Schlusslicht im Landkreis sein.“

Wachstum bei Gewerbe- und Wohnbauflächen verspricht höhere Steuereinnahmen und damit finanziellen Wohlstand: An dieses Prinzip glauben viele Kommunalpolitiker. Aber ist die Rechnung wirklich so einfach? Offizielle Studien, die belegen, dass sich Wachstum für Kommunen unterm Strich auszahlt, gibt es nicht – auch nicht beim Städte- und Gemeindetag: „Wir bekommen da keine Schemata oder Handlungsempfehlungen“, bestätigt Michael Liedl auf Nachfrage der Heimatzeitung. Der Marktkämmerer spricht bezüglich der Wachstumsfrage von einem „zweischneidigen Schwert“: Mehr Einwohner würden zwar zusätzliche Steuern bringen und die Kaufkraft am Ort stärken, aber die Gemeinde müsste parallel dazu die Infrastruktur ausbauen. Auf dieses Problem wies auch Bürgermeisterin Manuela Vanni bei der Diskussion im Ausschuss hin. „Wir müssen uns fragen, was wir wollen. Nur reinen Wohnraum zu schaffen, ohne das Andere im Hinterkopf zu haben, das wird nicht funktionieren.“ Mit „das Andere“ meinte die Rathauschefin unter anderem den Ausbau von Straßen, Schulen und Kindergärten. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Gemeinde einen neuen Kindergarten bauen muss: „Die bestehenden Einrichtungen sind zu 70 Prozent mit Kleinkindern belegt. Die Eltern melden ihre Kinder einfach früher an“, erklärte Vanni – und: „Der Neubau für eine Kindergruppe kostet zwischen 750 000 und einer Million Euro.“ Mehr Einwohner würden zwar die Steuereinnahmen erhöhen, allerdings müsse man sich die Frage stellen, ob man zu einer „Schlafstadt für Pendler“ werden wolle. „Was bei uns fehlt, das ist das Vorhalten von Arbeitsplätzen“, so Vanni.

Nach Meinung der Bürgermeisterin wird in Peißenberg auch „nicht zu wenig gebaut“. Die Einwohnerzahlen (Stichtag 1.9.2016: 12 565) hätten sich in den letzten Jahren stetig nach oben entwickelt. Im ehemaligen BHS-Turm, auf dem MTP-Gelände und an der äußeren Schongauer Straße würden in den nächsten Jahren bis zu 150 neue Wohnungen entstehen: „Wir wachsen, die Frage ist nur, wie schnell wir es wollen“, sagte Vanni im Ausschuss. Bernhard Schregle schlug in die gleiche Kerbe: „Wir sollten keine Schnellschüsse machen und eine gesunde Ortsentwicklung nicht aus dem Auge verlieren“, betonte der Bauamtsmitarbeiter. Das Wachstum gelange irgendwann ohnehin an seine natürlichen Grenzen: „Man kann mit der Bebauung nicht immer weiter in die Außenbereiche gehen.“ Schregle verwies in dem Zusammenhang auf ein grundsätzliches Problem in Peißenberg. In den Wohngebieten an der Ludwig-Thoma-Straße oder der Bürgermeister-Leibold-Straße gebe es demnach zwar jede Menge freier Flächen – allerdings: „Die Grundstücke sind da, sie werden nur nicht verkauft oder genutzt“, so Schregle.

Bernhard Jepsen

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