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Django Asül begeisterte das Peißenberger Publikum einmal mehr mit seinem Jahresrückblick. 

Django Asül wagt in Peißenberg pointierten Blick zurück

„Bewahren Sie sich Ihren Zweckoptimismus“, wünschte der Kabarettist Django Asül seinem Publikum am Ende eines Auftritts in der Tiefstollenhalle in Peißenberg, kurz vor dem Weihnachtsfest. Und das war kein schlechter Wunsch.

VON HERIBERT RIESENHUBER

Peißenberg – Rund zwei Stunden lang hatte Asül in seinem Jahresrückblick viele große und kleine Skandale, Ungerechtigkeiten und Dummheiten in Erinnerung gerufen. Und mancher Zuschauer wird sich überrascht gefragt haben, ob all das wirklich in einem einzigen Jahr stattgefunden hat.

Die meisten Themen 2019 hatte er natürlich in der Politik gefunden. Es gab allerdings auch ein paar andere Ereignisse, an die zu erinnern es sich lohnte. Beispielsweise der Fall eines Achtjährigen, der das Auto der Eltern nahm und nachts damit spazieren fuhr. Als er erwischt wurde zeigte er sich einsichtig, nur um in der nächsten Nacht wieder loszufahren. Das demonstrierte eine Geisteshaltung, die auch manchem Politiker eigen ist.

Aus der Welt des Sports war 2019 eigentlich nur eine Nachricht von Bedeutung. Nicht der Rückzug von DFB- Boss Reinhard Grindel aus einem „hochlukrativen Ehrenamt“, sondern der Abschied von Uli Höneß aus dem Vorstand des FC Bayern München.

Django Asül erinnerte noch einmal an erstaunliche Leistungen seiner Karriere: an einen Elfmeter, den Höneß, bei der EM 1976, über das Tor hinaus aus dem Stadion schoss und an sein einziges Eigentor, im Spiel gegen das Finanzamt.

Die Große Koalition in Berlin verglich der Kabarettist mit einer gescheiterten Ehe, bei der man dennoch zusammenbleibt, weil man weiß, „dass sich nachher keiner eine eigene Wohnung leisten kann.“ Und auch die Europäische Kommission war ein ergiebiges Thema. Für Asül eine „Resterampe,“ bei der „schräge Paradiesögel wie der Oettinger“ Unterschlupf finden.

Nach dem Rückblick ist vor dem Rückblick

Viel Aufmerksamkeit hatte im ablaufenden Jahr auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg. Django Asül erinnerte daran, dass sie in den USA Barack Obama, Leonardo di Caprio und Arnold Schwarzenegger traf und damit drei notorische Vielflieger einen Tag lang davon abhielt, in ein Flugzeug zu steigen. Aber es gab an diesem Abend auch Positives zu berichten. Beispielsweise die Ergebnisse der neuesten Pisastudie, die allerdings zunächst auch wie eine Schockmeldung klangen. Ein Fünftel der 15-Jährigen in Deutschland sei kaum in der Lage den Sinn eines Textes zu erfassen. Aber das könne, so Django Asül, auch ein Vorteil sein. Beispielsweise, wenn es um die Twitternachrichten des amerikanischen Präsidenten geht.

Wenn man diesen ganz besonderen Jahresrückblick erlebte hat, in dem vielleicht manches überspitzt, aber erschreckend wenig falsch dargestellt wurde, könnte man Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Politik bekommen. Inkompetenz und Selbstüberschätzung scheinen für eine Karriere geradezu unverzichtbar zu sein.

Auf jeden Fall wurde deutlich, warum vieles oft nicht so funktioniert. Aber letztendlich bleibt die Politik auch menschlich, und es war gut, dass nicht nur den Politikern, sondern auch den Wählern an diesem Abend ein Spiegel vorgehalten wurde.

Das Publikum in der Tiefstollenhalle fühlte sich jedenfalls gut unterhalten, und hatte auch nichts dagegen, manchmal mitdenken zu müssen. Und Django Asül freut sich auf alle Fälle schon auf den nächsten Jahresrückblick im kommenden Jahr, „wenn die Amerikaner ihren nächsten Präsidenten gewählt haben werden, obwohl Trump sagte, er mache weiter, und wenn in Berlin der neue Flughafen vielleicht doch noch eröffnet wurde“.

Heribert Riesenhuber

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