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Sich nahe zu sein ohne sich zu nah zu kommen, das gelingt (v.l.) Christiane Kleinert, Ramona, Marie und Manuela Heider insbesondere auf der Terrasse ganz gut. 

Einsame Großeltern in Corona-Zeiten

Enge Familienbande auf Abstand

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Christiane Kleinert aus Peißenberg pflegt seit jeher eine enge Beziehung zu ihrer Tochter und ihren Enkelkindern. In Zeiten der strengen Abstandsregeln gestaltet sich diese nun anders. Dass das nicht immer einfach ist, zeigte sich am Gründonnerstag.

Peißenberg – „Eigentlich komme ich mit der Situation gut zurecht“, sagt Christiane Kleinert aus Peißenberg über ihr Leben in Zeiten der Corona-Krise. Als 80-Jährige gehört sie zur Risikogruppe, die noch mehr Einschränkungen hat als jüngere Menschen. Der Alltag der Peißenbergerin hat sich durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gehörig verändert.

Um beweglich zu bleiben, hat sie zuvor fast jeden Tag im Schwimmbecken eines Peißenberger Fitness-Studios zu Fuß ihre Runden gedreht, Wassergymnastik gemacht und war auch ansonsten ziemlich viel unterwegs, hat unter anderem ihre Tochter, ihren Schwiegersohn und ihre beiden Enkelinnen regelmäßig getroffen. „Die Bewegung fehlt mir“, sagt Christiane Kleinert, deswegen ist sie, nachdem das Fitness-Studio geschlossen hatte, auf den Hometrainer umgestiegen.

Jeden Morgen nach dem Aufstehen fährt sie nun im Haus Rad, liest anschließend ausführlich die Zeitung und erledigt dann die Dinge in ihrem Haushalt, die es zu erledigen gilt. Ab und zu arbeitet die 80-Jährige immer noch als Bilanzbuchhalterin. „Das hält den Geist fit“, sagt Christiane Kleinert, deren Wiener Dialekt auch nach den vielen Jahren in Oberbayern noch gut herauszuhören ist. Die Nachbarn und ihre Tochter versorgen sie mit dem, was sie braucht und um den Kontakt zu ihrer Tochter und den Enkelinnen zu halten, telefoniert die Peißenbergerin regelmäßig mit ihnen.

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Bis zum Gründonnerstag dachte Christiane Kleinert auch, dass sie sich gut im Corona-Alltag eingerichtet hätte. An diesem Tag hatte ihre Tochter Manuela Heider Geburtstag. Um diesen regelkonform ein wenig feiern zu können, haben sich Oma, Tochter und die beiden Enkelinnen Marie (14) und Ramona (6) zu einem Terrassentreffen mit Abstand bei Christiane Kleinert in Peißenberg verabredet.

In dem Moment, als sich die Vier auf der Terrasse gegenüberstanden, war die Wiedersehensfreude so groß, dass die kleine Ramona auf ihre Oma zustürmen wollte, um ihr – wie sonst auch immer – in die Arme zu fallen. Ramonas Mutter reagierte schnell und hielt ihre Tochter zurück, der dann auch sofort wieder einfiel, dass Abstandhalten geboten ist. In diesem Augenblick ist Christiane Kleinert schmerzlich bewusst geworden, wie einschneidend die Veränderungen doch sind: „Das hat mich so berührt, dass ich ein bissl geweint habe“, erzählt sie.

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Es wurde dann noch ein schönes Familientreffen – wenn auch auf Abstand: Die Oma hatte Eis selbst gemacht. Das haben sie gemeinsam gegessen und das Zusammensein genossen. Bevor die Tochter und die Enkelkinder wieder nach Penzberg fuhren, wurden noch Ostergeschenke ausgetauscht. In der Tüte, die Christiane Kleinert von ihrer Enkelin Ramona, die Erstklässlerin ist, bekommen hat, lag ein Brief, den sie erst gelesen hat, nachdem sie wieder alleine war. Dieser Brief hat sie erneut zu Tränen gerührt: „Liebe Oma, ich Weis wegen Corona können wir uns nicht um-Amen, nicht Hende geben und nicht busi geben. Aber du weist, dass Wir dich Alle lieb Haben, deine Ramona.“

Dass ihre sechsjährige Enkelin den Kontakt mit ihrer Oma so sehr vermisst, bewegt sie noch immer.

Dennoch lässt Christiane Kleinert den Kopf nicht hängen. „Wenn ich jammern würde, wäre das Jammern auf hohem Niveau“, sagt sie, denn im Grunde gehe es ihr sehr gut. „Ich bin zufrieden und dankbar, dass meine Familie, nähere Bekannte und Freunde alle gesund sind und hoffe, dass das auch so bleibt.“ Nun warten alle darauf, dass die Einschränkungen bald gelockert werden können, und sie ihre Tochter und ihre Enkelkinder wieder in den Arm nehmen kann.

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