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Was passiert beim Blackout in Peißenberg?

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Von: Bernhard Jepsen

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Die Maria-Aich-Kirche wird trotz der Energieeinsparverordnung beleuchtet. Die Strahler dienen auch der Verkehrssicherheit auf der Aich-Straße. Stromaggregat für Rathaus
Die Maria-Aich-Kirche wird trotz der Energieeinsparverordnung beleuchtet. Die Strahler dienen auch der Verkehrssicherheit auf der Aich-Straße. Stromaggregat für Rathaus © jepsen

Im Zuge des Ukraine-Kriegs wird immer wieder vor Gasmangel und Blackouts gewarnt. Der Markt Peißenberg will für den Ernstfall gewappnet sein und hat deshalb einen internen Arbeitskreis ins Leben gerufen. Auch das Thema „Energiesparen“ spielt dabei eine Rolle.

Peißenberg – Dem ein oder anderen wird es beim Abendspaziergang schon aufgefallen sein: Die St.-Johann-Kirche ist nachts nicht mehr beleuchtet. Die Strahler bleiben aus – ebenso wie die Leuchten an der Tiefstollenhalle und an der Knappengedächtniskapelle. Die Marktverwaltung hat damit auf die Energieeinsparverordnung der Bundesregierung reagiert. Auch im Rathaus selbst sind die neuen Vorschriften bereits umgesetzt worden. Auf den Fluren ist die Heizung auf null gedrosselt worden, in den Büroräumen auf 19 Grad – so wie in allen kommunal-öffentlichen Gebäuden. Ausgenommen davon sind lediglich die Schulen und Kindergärten. Auch in den Sanitärräumen der Bauhofmitarbeiter wird weiter warmes Wasser vorgehalten: „Das halte ich auch für angemessen – allein schon wegen der Hygiene nach den Einsätzen“, erklärt Bürgermeister Frank Zellner. Das Thema „Energiesparen“ steht auf der Agenda eines internen Arbeitskreises, der im Juni aus der Taufe gehoben wurde – aber nicht nur: Der Teilnehmerkreis aus Rathausmitarbeitern (Hauptamt, Gebäudemanagement und Ordnungsamt) sowie Vertretern von Bauhof, Feuerwehr und Gemeindewerken beschäftigt sich ebenso mit den Themen „Gasmangellage“ und „Blackout“. „Wir bereiten uns auf etwas vor, was hoffentlich nicht kommt“, konstatiert Zellner, „aber Nichtstun wäre keine Option.“ Einen Blackout, also einen mehrtägigen Ausfall der Stromversorgung, halten die Fachleute bei den Gemeindewerken, wie Ordnungsamtsmitarbeiter Andreas Fischer mitteilt, zwar für „eher unwahrscheinlich“. Aber die Gemeinde will dennoch für den „Worst-Case“ gerüstet sein.

Für den „Worst-Case“ gerüstet sein

Die jeweiligen Szenarien werden im Arbeitskreis durchgespielt, wobei der Schutz der Bevölkerung im Fokus steht – vor allem jener der älteren Generation. Nicht umsonst ist auch die Sozialstation bei den Arbeitskreistreffen regelmäßig anwesend. Sie verfügt über Kontaktdaten von Menschen, die auf strombetriebene Medizingeräte wie zum Beispiel Sauerstoff-Kompressoren angewiesen sind.

Weniger problematisch wäre bei einem Blackout die Trinkwasserversorgung. Vom Hochbehälter beim „Schweiber“ fließt das Wasser über ein natürliches Gefälle nach Peißenberg hinunter. Das Leitungssystem wird dadurch laut Fischer zu 80 Prozent allein durch den Druck gefüllt: „Wir sind da in einer guten Lage.“ Zudem verfügen die Gemeindewerke über dieselbetriebene Stromaggregate. „Und die Tanks sind voll. Sie reichen bis zu zehn Tage.“, betont Zellner. Die Kläranlage läuft ohnehin schon mehr oder weniger energieautark. Auch im Rathaus würde der Betrieb bei einem Stromausfall nicht zusammenbrechen. Dafür wurde ein eigenes Stromaggregat angeschafft. Die Kommunikationstechnik und die Server bleiben damit selbst im Notfall funktionstüchtig. Im Rathaus wäre auch der Krisenstab eingerichtet. Nur bei ausbleibenden Gaslieferungen würde es ungemütlich werden: „Dann sitzen wir mit Jacken in den Büros“, erklärt Zellner.

Wärmeinseln für die Bevölkerung

Für die Bevölkerung würde man „Wärmeinseln“ schaffen – zum Beispiel in der mit Hackschnitzelheizung ausgerüsteten Tiefstollenhalle oder der mit Wärmepumpe betriebenen Glückauf-Turnhalle. Die Nahrungsmittelversorgung steht hingegen in der Eigenverantwortung der Bevölkerung: „Wir können keine 13 000 Leute mit Essen versorgen“, sagt Zellner. Im Rathaus liegt eine Ratgeber-Broschüre aus, die Tipps zur Selbstvorsorge liefert. Der Arbeitskreis steht im Austausch mit den Fachbehörden des Landratsamts, das grundsätzlich für den Katastrophenschutz zuständig ist.

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