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„Klotzen und in großen Maßstäben denken“: Die Energiegenossenschaft Peißenberg hat große Pläne

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Sie führen die Energiegenossenschaft: (v.l.) Stefan Sendl, Werner Schilcher, Eugen Trautmann, Susanne Seeling, Hans Arpke, Ingrid Haberl, Alexander Rossner, Bernd Michael Habermeier und Michael Sendl.
Sie führen die Energiegenossenschaft: (v.l.) Stefan Sendl, Werner Schilcher, Eugen Trautmann, Susanne Seeling, Hans Arpke, Ingrid Haberl, Alexander Rossner, Bernd Michael Habermeier und Michael Sendl. © Ralf Ruder

„Energie in Bürgerhand“: Unter diesem Motto stand die heurige Mitgliederversammlung der „Energiegenossenschaft Peißenberg“. Bei den Neuwahlen wurde die etablierte Führungsspitze bestätigt und erweitert. Die Genossenschaft will sich weiter professionalisieren und weitere Großprojekte anpacken.

Peißenberg – Die Anfangsjahre der 2013 gegründeten „Energiegenossenschaft Peißenberg“ waren eher schwierig. Als die Umsetzung von Projekten stockte, war der Elan schnell dahin. Die Genossenschaft konnte sich gerade einmal die Bankgebühren und die Genossenschaftsabgabe leisten – mehr nicht. Entsprechend mau war auch die Stimmung bei den jährlichen Mitgliederversammlungen: „Es gab ja nix zu berichten“, erinnert sich Alexander Rossner, der Aufsichtsratsvorsitzende. Doch bei der jüngsten Mitgliederzusammenkunft war alles ganz anders. Rossner spricht in der Rückschau von einer „heiteren Stimmung“ – denn: „Ökonomisch ist es inzwischen nicht ganz uninteressant, Genosse zu sein.“

Hauptgrund für den Wandel ist die im Sommer eingeweihte Solarwiese am Dornbichlweg. Die 2349-kWp-Anlage hat in den ersten knapp vier Monaten bereits Energie von einer Million Kilowattstunden erzeugt. „Das ist ein sehr guter Wert“, konstatiert Genossenschaftsvorsitzender Stefan Sendl: „Die Wirtschaftlichkeit ist absolut gegeben. Die anvisierten 2,5 Millionen kWh pro Jahr schaffen wir mit der Anlage.“

Der Solarpark am Dornbichlweg: Ökologisch sinnvoll und ökonomisch lukrativ

Die Energiemenge entspricht dem Strombedarf von etwa 800 Haushalten oder umgerechnet 6,2 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Peißenberg. Die regenerative Energieerzeugung macht inzwischen aber nicht nur ökologisch Sinn, sondern sie ist auch ökonomisch lukrativ. Für die „Solarwiese Dornbichl“ wurde eine auf 20 Jahre festgelegte EEG-Vergütung von mindestens 5,3 Cent je kWh ausgehandelt. Der Marktpreis an den Strombörsen liegt momentan aber doppelt so hoch. Das lässt die Kassen der Genossenschaft und die ihrer Mitglieder klingeln. „Unsere Ertragssituation hat sich entspannt. Es ist die bestmögliche Entwicklung eingetreten“, erklärt Rossner. Interessant: Die Genossenschaft hat bereits Angebote von Ökostrom-Anbietern und Wasserstoffherstellern erhalten, die die komplette Energiemenge der Solarwiese abkaufen wollten.

Wegen Solarwiese: Genossenschaft verzeichnet Mitgliederzuwachs

Der Solarpark, der Mitte November im Rahmen einer Pflanzaktion ökologisch aufgewertet werden soll, hat auch die Mitgliederzahlen ordentlich nach oben getrieben – von rund 80 auf aktuell 141 Genossen. Und die Genossenschaft will weiter am Drücker bleiben. Es sollen weitere Freiflächenphotovoltaikanlagen errichtet werden. Dafür ist man auf der Suche nach geeigneten Grundstücken. Für Wind oder Wasserkraft sehen die Verantwortlichen in Peißenberg kein Potenzial: „Es geht um die Energiewende und nicht um kleine, lustige Anlagen“, bringt es Rossner salopp auf den Punkt: „Es geht darum, zu klotzen und in großen Maßstäben zu denken.“

Eine Sammelbestellung für PV-Anlagen soll Anreize für Privatpersonen schaffen

Der Anteil der regenerativ erzeugten Energie am Gesamtstromverbrauch in Peißenberg beträgt gerade einmal 31 Prozent: „Das ist zu wenig“, konstatiert Rossner. Zehn bis zwölf Solarwiesen bräuchte es um die hundert Prozent zu erreichen. Wenn man das Potenzial an freien Dachflächen einrechnet, wären es nur sechs Solarparks, die man zusätzlich bräuchte. Mit einer Sammelbestellung für PV-Anlagen will die Energiegenossenschaft deshalb auch im privaten Bereich Anreize schaffen: „Es wäre schön, wenn Dächer nicht nur als Regenschutz dienen würden“, sagt Rossner. Er und Sendl sehen eine „unglaubliche Dynamik“ in der regenerativen Energieerzeugung. Es sei nur die Frage, wer die Anlagen bauen würde. Große Konzerne oder regionale Institutionen, die vor Ort Wertschöpfung generieren und die Bürger beteiligen.

Um die Aufgaben noch professioneller anzugehen, hat sich die Energiegenossenschaft in der Führungsspitze fachlich breiter aufgestellt. Im Aufsichtsrat werden künftig neben Rossner, Werner Schilcher und Bernd-Michael Habermeyer auch Öko-Landwirt Michael Sendl und Sparkassen-Bankdirektor Eugen Trautmann sitzen. Im Vorstand verstärkt künftig Susanne Seeling (Schwerpunkt „Öffentlichkeitsarbeit“) das Gremium um Sendl, Hans Arpke und Ingrid Haberl. „Wir sind ein richtig cooles Team“, so Sendl. Bernhard Jepsen

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