Peißenberger Ortsdurchfahrt

Entschleunigen, aber nicht aufhalten

Der Peißenberger Bauausschuss debattierte über eine Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt. Dabei liegen zwei Bereiche im Fokus.

Peißenberg – Trotz der Umgehung ist die Ortsdurchfahrt von Peißenberg nach wie vor eine viel befahrene Verkehrsader. Im Bereich des Rigi-Centers liegt die tägliche Belastung bei knapp 15.000 Kraftfahrzeugen. Einige Anwohner fordern schon seit längerem bauliche Eingriffe, die den Verkehrsfluss hemmen und die Aufenthaltsqualität an der Schongauer- und Hauptstraße erhöhen. Doch das Ganze ist eine schwierige Gratwanderung – zumal die von der Verkehrsüberwachung registrierte Tempoverstoßquote auf der Ortsdurchfahrt bei etwa drei bis vier Prozent und damit eigentlich im unauffälligen Bereich liegt.

Rathausmitarbeiter Thomas Schamper referierte in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses unter anderem über provisorische Maßnahmen wie Beruhigungsinseln und über mobile Leitbordelemente respektive Randsteine. Überzeugt klang er bei seinem Vortrag aber nicht. Vor allem die Beruhigungselemente sieht Schamper kritisch: „Mit denen verursacht man einen Stop-and-go-Verkehr.“ Und dann wären da noch die Kosten: Genaue Zahlen will Schamper zwar erst in der heutigen Marktratssitzung (18:30 Uhr im Rathaus) präsentieren. Bei mobilen Bordelementen, wie sie zum Beispiel in der Wörther Straße auf Höhe des Ammerhaus-Kindergartens eingebaut sind, sei man aber schnell bei ein paar tausend Euro: „Das ist ein Haufen Geld“, so Schamper: „Man könnte den Verkehr verlangsamen, aber er sollte auch flüssig bleiben. Natürlich kann es auch radikal gemacht werden. Da sind Sie in Ihrer Entscheidung frei.“

Auch im Gremium reagierte die Mehrheit eher skeptisch. „Wir müssen den Verkehr entschleunigen, aber wir sollten ihn nicht aufhalten“, erklärte Jürgen Forstner (Bürgervereinigung). Er sei „frustriert“ darüber, dass an der westlichen Schongauer Straße derzeit nicht einmal provisorische Maßnahmen möglich sind. Grund dafür sind die Fahrradschutzstreifen, an denen wegen der zu geringen Fahrbahnbreite ein Einbau von Beruhigungselementen nicht machbar ist. Erst müssten die Schutzstreifen verschwinden, bevor eine Neugestaltung verkehrsrechtlich überhaupt möglich wäre.

Auch Peter Guffanti sprach sich für „behutsame Eingriffe“ in die Ortsdurchfahrt aus. Alles andere würde seiner Einschätzung nach „Proteste“ verursachen: „Es sind sehr viele Leute dagegen“, konstatierte Guffanti – und: „Wenn draußen an der Umgehung etwas passiert und umgeleitet werden muss, dann haben wir im Ort ein Chaos.“ Guffantis Vorschlag: „Eine Beschränkung auf Tempo 30 von der Sonnenstraße bis zum Kaufland. Das bringt mehr als irgendwelche Einbauten.“ Werner Haseidl (CSU/Parteilose) plädierte wiederum dafür, sich eine Teilstrecke an den Verkehrsknotenpunkten herauszunehmen und provisorische Elemente zu testen. Auch Jutta Geldsetzer warb für die Einbauten. „Ich habe mich gewundert, warum Sie so negativ über den Stop-and-go-Verkehr gesprochen haben“, erwiderte die SPD-Rätin auf Schampers Vortrag: „Das ist doch genau das, was wir wollen. Wir müssen die Autofahrer davon überzeugen, die Umgehung zu benutzen.“ Widerspruch kam diesbezüglich von Bürgermeisterin Manuela Vanni: „Ich weiß nicht, ob die Bevölkerung von Stop-and-go begeistert wäre. Das gibt mehr Dreck und Lärm.“

Der Ausschuss gab in seinem Beschlussvorschlag für den Marktrat eine Empfehlung ab, wonach 2017 auf der Ortsdurchfahrt an zwei Stellen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen erfolgen sollen, nämlich an der Schongauer Straße zwischen Bücherei und Kaufland sowie an der Einmündung Landesweg/ Untere Hauptstraße. Zwischen Bücherei und Kaufland soll unter anderem ein kombinierter Fuß- und Radweg entlang einer verengten Fahrbahn verlaufen sowie eine Querungshilfe samt Fahrbahnverschwenkung auf Höhe des Bahnhofswegerls entstehen. Im Einmündungsbereich Landesweg/Untere Hauptstraße soll die Untere Hauptstraße in einem etwa 70-Grad-Winkel auf die Hauptstraße geführt werden. Dazu wird ein Teil des Grünstreifens entfernt. An der Hauptstraße wird seitlich auf Höhe des ehemaligen Gasthauses „Blüte“ eine Pflanzinsel errichtet. Die beiden Maßnahmen wurden von Schamper im Ausschuss als „sinnvoll“ eingestuft. Sie wären dauerhafte Eingriffe.

Bernhard Jepsen

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