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Unter Tage: Alfred Schmidthammer (l.), früher selber Bergmann, führte beim Museumstag viele Gruppen durchs Museum.

Internationaler Museumstag

„Erlebnisbergwerk“: Bald mit der App durchs Museum?

Das Bergbaumuseum in Peißenberg hat rund 150 Besucher am internationalen Museumstag angelockt. Dort wird über Neuerungen nachgedacht.

Peißenberg– Wie alt wird das Bergbaumuseum am Tiefstollen dieses Jahr? Welche Kohlenart wurde in Peißenberg einst abgebaut? Und wie heißt die bekannteste Bergmannssiedlung in der Marktgemeinde? Das waren einige der Fragen, die es am Sonntag bei der Kinder-Schnitzeljagd rund um das Peißenberger Bergbaumuseum am Tiefstollen zu beantworten galt. Das „Erlebnisbergwerk“ offerierte aus Anlass des internationalen Museumstags halbe Eintrittspreise – und die Resonanz war durchaus rege.

Schon zu Beginn des Aktionstags um 10 Uhr morgens standen die ersten Eltern mit ihren Kindern vor der Museumspforte. Insgesamt waren es über den ganzen Tag rund 150 Besucher. Durchschnittlich kommen an normalen Sonntagen sonst „nur“ zwischen 30 und 40.

Auch Anja und Volker Halbmeyer schauten mit ihren Söhnen Felix und Moritz nach einer Wanderung auf den Hohen Peißenberg am Tiefstollen vorbei. Die Peißenberger Familie war schon einmal im Museum, aber die Einfahrt mit der Bockerlbahn in den Stollen, das ist immer wieder eine Attraktion. „Wir sind fasziniert von dem Museum. Man geht täglich vorbei und weiß gar nicht, was sich da Tolles drin verbirgt“, schwärmte Mama Anja.

Im Jahr registriert das Museum rund 5000 Besucher. Der Ausbau zum Erlebnisbergwerk hat den Zuspruch noch einmal angekurbelt. „Das hat sich auf alle Fälle rentiert“, bestätigt Alex Ehle, der Vorsitzende der Bergbaumuseumsfreunde. Die rund 100 Meter lange Einfahrt zum „Alten Mann“ und die simulierten Sprengungen würden bei den Besuchern „richtig gut ankommen“.

Dennoch: Um den Museumsbetrieb langfristig zu sichern, braucht es Neuerungen. Nachwuchs für die derzeit sechs ehrenamtlichen Museumsführer ist schwer zu finden, und die Audio-Guides sind auch nicht mehr das modernste Kommunikationsmittel. Über eine externe Fachfirma wird derzeit ein neues Museumskonzept entwickelt. „Das soll in den nächsten Monaten präsentiert werden“, kündigt Ehle an – wobei er noch keine Details verraten will. Nur so viel: Im Zeitalter von Smartphones könnten spezielle Apps den Museumsrundgang informativ begleiten. „Es geht darum, die Technik anzupassen“, sagt Ehle – allerdings: „Das kostet natürlich Geld, um es vorsichtig auszudrücken.“ Träger des Museums ist die Marktgemeinde. Im laufenden Kommunalaushalt wurden für den Museumsbetrieb knapp 79 000 Euro eingestellt. Das entspricht im Vergleich zu 2017 einer Budgetsteigerung von rund 50 Prozent. Der Grund für die höheren Kosten ist die Anstellung einer Teilzeitkraft. Seit Oktober 2017 ist Andrea Kohler für die Koordinationsaufgaben rund um das Museum zuständig. Der gebürtigen Mittenwalderin macht die Arbeit „sehr viel Spaß“: „In meinem Heimatort hatte ich auch immer mit Touristen zu tun“, erzählt Kohler – und die Bergbaugeschichte hat es ihr angetan: „Ich bin schon arg dahinter, dass man die Tradition fördert. Viel Kulturelles hat Peißenberg ja sonst nicht. Es wäre schade, wenn man das sang- und klanglos untergehen lassen würde.“ Das Museum brauche aber immer wieder Neuerungen. „Ich sehe es aus der Sicht einer Mama. Das Museum sollte zwar kein Abenteuerspielplatz, aber für die Kinder erlebbar sein“, erklärt sie.

Ach ja, die Fragen für die Schnitzeljagd am Sonntag müssen auch noch beantwortet werden: Das Bergbaumuseum wurde vor 30 Jahren eröffnet, in Peißenberg wurde bis 1971 Pechkohle abgebaut und die bekannteste ehemalige Bergarbeitersiedlung heißt „Barbarahof“.

Text: Bernhard Jepsen

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