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Die Generalsanierung der Josef-Zerhoch-Mittelschule in Peißenberg wurde vor dreieinhalb Jahren beendet. Jetzt gibt es ein Raumproblem. 

Josef-Zerhoch-Mittelschule Peißenberg

Erst saniert, jetzt zu klein

Sie gilt technisch als eine der modernsten Schulen in Bayern, und das Lehrerkollegium genießt einen ausgezeichneten Ruf. Doch die Josef-Zerhoch-Mittelschule hat ein Problem: Sie ist aufgrund der gestiegenen Schülerzahlen zu klein. Dabei wurde vor dreieinhalb Jahren erst eine teure Generalsanierung mit aufwändigen Umbauarbeiten abgeschlossen.

Peißenberg– Die Generalsanierung der Josef-Zerhoch-Schule, die 2013 begonnen und Ende 2014 abgeschlossen wurde, war ein Mega-Projekt. Der ganze Schulbetrieb musste während der Bauphase in eine provisorische Containerschule ausgelagert werden. Die Gesamtkosten für die Sanierung betrugen satte zwölf Millionen Euro. Die neue Schule wurde räumlich auf 15 Klassen mit jeweils 21 Schülern ausgerichtet. Doch wie sich aus heutiger Sicht zeigt, war das eine krasse Fehlplanung. Die sechs Jahre alten Hochrechnungen der damaligen Schulleitung gingen für das derzeit laufende Schuljahr von 270 Schülern aus. Tatsächlich sind es aber 365. Auch die räumliche „Obergrenze“ von 315 ist damit weit überschritten.

„Ein knappes Drittel aller Grundschüler kommt mittlerweile zu uns auf die Mittelschule“, sagt Rektorin Susanne Coldwell: „Es wird eng. Ein Jahr können wir zur Not noch überbrücken.“ Dafür sollen unter anderem Fachräume zu Klassenzimmern umfunktioniert werden. Aber Coldwell spricht in dem Zusammenhang eben lediglich von einer „Überbrückungsphase“. Schon jetzt sind zwei Klassen an die St.-Johann-Grundschule ausgelagert, doch damit soll zumindest nach Wunsch der Grundschule bald Schluss sein. In St. Johann wird demnächst ein Ganztagsschulbetrieb starten – und von der Schulleitung wurde dafür entsprechender Raumbedarf angemeldet. In absehbarer Zeit braucht die Mittelschule laut Coldwell drei bis vier Klassenzimmer mehr.

Die Rektorin könnte sich einen Anbau zwischen Mittelschule und Realschule vorstellen – und zwar dort, wo früher der Verbindungstrakt stand: „Da hätte man Platz, und man würde der Zerhoch-Grundschule nicht in die Quere kommen“, meint Coldwell.

Wie kam es zu derFehlprognose?

Aber warum hat man sich bei der Prognose der Schülerzahlen und damit bei der Kapazitätsplanung für den Umbau derart vertan? Immerhin waren die Kinder, die heute die Josef-Zerhoch-Mittelschule besuchen, bei der damaligen Planung schon geboren. „Dieser Trend war so nicht vorhersehbar“, erklärt Coldwell: „Als die Hochrechnung erstellt wurde, sind die Schülerzahlen stetig geschrumpft.“ Die von der Schule erhobenen Daten stimmten tatsächlich mit dem Trend der Schülerbedarfsplanung der Regierung von Oberbayern und einem vom Landkreis bei einem Augsburger Sozialplanungsbüro in Auftrag gegebenen Gutachten überein. Auch wurde die schulaufsichtliche Genehmigung für das Umbauprojekt von der Regierung erteilt.

Das Schulamt Weilheim hingegen betont, nicht in die Planung für den Mittelschul-umbau eingebunden gewesen zu sein. Wie es auf Nachfrage der Heimatzeitung von der Behörde hieß, sei dafür allein der Sachaufwandsträger, also die Marktgemeinde zuständig. Und die Rathausverwaltung vertraute auf die Daten der Schulleitung. Coldwell verweist darauf, dass bei der Planung noch nicht absehbar gewesen sei, dass Peißenberg wachsen würde. Auch die Flüchtlingskrise habe sich erst bei Baubeginn abgezeichnet. Allerdings: Derzeit besuchen die Josef-Zerhoch-Mittelschule „nur“ 30 Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen. An größeren, neuen Wohnbauflächen kamen in Peißenberg in den vergangenen Jahren zudem lediglich der umgebaute, ehemalige BHS-Turm und das Einheimischenmodell am Mühlpointfeld II hinzu. Ob die beiden Wohnbauprojekte wirklich ein Grund für die Fehlprognose der Schülerzahlen sind, ist wohl eher fraglich.

Rathaus-Hauptamtsleiter Johannes Pfleger hat eine andere Erklärung: „Die Mittelschule hat einen super Ruf und ist modern ausgestattet. Vielleicht geht der ein oder andere Wackelkandidat dann eben nicht auf die Real-, sondern lieber auf die Mittelschule.“

Bernhard Jepsen

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