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Seit dem Brand am 11. Februar vergangenen Jahres wurde einzig das beschädigte Dach erneuert.

Kritik von Projektgruppen

„Es ist 3 vor 12“ bei der „Rigi-Rutsch’n“

Peißenberg - Was ist mit der „Rigi-Rutsch‘n“? Projektgruppen kritisieren, dass seit Abgabe des Konzepts am 31. Juli nichts mehr vorwärts geht.

Die Freude bei allen Freibad-Freunden müsste eigentlich groß sein: Laut Bürgermeisterin Manuela Vanni öffnet das Freibad „Rigi-Rutsch’n“ heuer „definitiv“. Acht ehemalige Mitglieder der Projektgruppen hören das ebenfalls gern, nur glauben können sie das nicht so recht – immerhin hat sich in dem Freibad bisher nichts getan. Seit dem Brand am 11. Februar vergangenen Jahres wurde kein Cent in einen Umbau investiert. Einzig das beschädigte Dach wurde erneuert, ein Brandschaden damit behoben. Ansonsten herrscht Stillstand, es fließen weder Wasser noch Geld – nicht einmal Informationen. Das ärgert die Gruppe.

Sie fühlt sich schlecht informiert. Die Acht gehörten zu den rund 60 Ehrenamtlichen, die in vier Arbeitsgruppen ein Konzept für die „Rigi-Rutsch’n“ ausgearbeitet haben. Das war am 31. Juli fertig und wurde Günther Forster, Vorstand der Gemeindewerke, übergeben. „Seitdem ist keine Information mehr an die Öffentlichkeit gedrungen, was mit dem Konzept passiert, ob davon etwas umgesetzt wird“, sagt die frühere SPD-Gemeinderätin Claudia Bösch.

Sie ist wie ihre Mitstreiter überzeugt davon, dass das Ergebnis der Gruppen zur Rettung des Bads beitragen kann. „In den Gruppen waren Top-Leute dabei“, sagt Tom Herbst, der Sprecher der Projektgruppe „Bau“ war. „Unser Konzept stellt dar, dass die ,Rigi-Rutsch‘n‘ mit einem Minus von 500 000 Euro betrieben werden kann.“ Damit wäre die Vorgabe, das Defizit deutlich zu senken, erfüllt.

Das Ergebnis der Projektgruppen aber sei von den Gemeindewerken in der Öffentlichkeit bisher gar nicht richtig dargestellt worden. Die Zusammenfassung des Konzepts, die auf der Homepage des Kommunalunternehmens einsehbar ist, bezeichnet Herbst vorsichtig als „nicht sehr schön dargestellt“. Helmut Guggenmos, Chef aller Projektgruppen, hat laut Herbst nämlich den zentralsten Punkt weggelassen: Für das Freibad soll ein Extra-Gebäude geschaffen werden, um es von der Sauna tatsächlich trennen zu können. „Da reicht ein sommerlicher Bau, eine Holzhütte“, sagt Herbst, der im Staatlichen Bauamt Weilheim angestellt ist. Darin könnten Umkleiden, Spinde und Sanitäranlagen untergebracht werden. „Damit wäre das Freibad nicht mehr auf den Gebäudekomplex angewiesen.“ Das hätte mehrere Vorteile: An den Becken hat das Feuer keinen Schaden angerichtet, also könnte der Badebetrieb im Sommer starten – egal, was mit dem beschädigten Gebäude passiert. Und auch die Kosten von Sauna und Freibad wären klar trennbar.

Das Problem ist nur: Auch ein einfacher Sommerbau muss eben geplant, genehmigt und gebaut werden. Das werde schon jetzt knapp, sagt Herbst: „Es ist nicht 5 vor 12, es ist 3 vor 12.“

Dieser Zeitplan spielt natürlich nur eine Rolle, wenn Forster überhaupt die Vorschläge der Gruppe umsetzen möchte. Dazu bezog er bisher weder öffentlich noch im direkten Gespräch mit der Gruppe detailliert Stellung. Klar ist, dass Forster externe Bäderexperten als Ratgeber hinzugezogen hat. Das Ergebnis davon ist bisher ebenfalls unklar – da soll die öffentliche Gemeinderatssitzung am kommenden Montag, 6. Februar, Licht ins Dunkel bringen. Dabei wird sich ein Bäderexperte in der Tiefstollenhalle zur möglichen Zukunft des Bades äußern.

Dass das Ganze im Rahmen einer Gemeinderatssitzung abläuft, ist der Gruppe um Bösch und Herbst suspekt. Zu ihr gehört mit Alexander Rossner auch ein Jurist. Für ihn ist völlig unklar, warum das Gremium immer wieder in die Entscheidungen einbezogen wird. Der Marktrat habe nur beim Budget mitzureden, „nicht aber beim Konzept. Da ist die Rechtslage klar“. Dass die „Rigi-Rutsch’n“ in dem Gremium trotzdem immer wieder Thema ist, sieht Rossner mit „großer Sorge, weil da Entscheidungen von Gemeinderäten getroffen werden, die gar kein Mitspracherecht haben“. Obendrein sitze mit Peter Guffanti sowohl im Marktrat als auch im für die „Rigi-Rutsch’n“ zuständigen Verwaltungsrat jemand, der ein Konkurrenzunternehmen betreibt. In seinem Sportstudio gibt es ein Schwimmbecken und eine Sauna. Wenn er mit abstimme, „sind die Beschlüsse rechtswidrig, weil er im Interessenskonflikt ist“.

Rossner nennt das ganze Hin und Her ein „Zuständigkeits-Wirr-Warr“. Die Gruppe möchte von Forster als Vorstand des Kommunalunternehmens klare Aussagen und eigene Entscheidungen. „Wir wollen ihm gegenüber nicht auf Contra gehen, wir sind nicht gegen ihn“, betont Herbst. „Wir wollen einfach, dass das Bad öffnet. Wir wollen ein Miteinander.“

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