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Feuerwehrkommandant Schleich wirft hin

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Von: Bernhard Jepsen

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Vor rund zwei Jahren war noch alles in Ordnung: Noch-Kommandant Michael Schleich an seinem Einsatzfahrzeug. © Ruder

Paukenschlag bei der Peißenberger Feuerwehr: Kommandant Michael Schleich hat mit Wirkung zum 1. Oktober seinen Rücktritt erklärt – nicht nur aus privaten Gründen, sondern auch wegen interner Querelen. Schleich spricht auf Nachfrage der Heimatzeitung von „eingefahrenen Strukturen“ bei den örtlichen Feuerwehrlern.

Peißenberg – Vor knapp neun Jahren hat Schleich das Kommandantenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr Peißenberg übernommen. Seine zweite Amtsperiode (volle sechs Jahre) wäre noch bis 2022 gelaufen – doch nun machte der Forstbetriebsinhaber vorzeitig Schluss: „Mich treibt´s schon länger um. Es haben letztlich mehrere Faktoren eine Rolle gespielt“, begründet Schleich seinen Rücktritt. Da ist zum einen die berufliche Inanspruchnahme und die fehlende Zeit für die Familie.

Zum anderen hat es feuerwehrintern schon seit längerem gekriselt. Schleich wollte, wie er selbst sagt, „eingefahrene Strukturen aufbrechen“, doch damit schaffte er sich offenbar nicht nur Freunde in der rund 90 Mann starken Feuerwehrtruppe: „Man wird nur kritisiert. Der Rückhalt war schon länger nicht mehr da“, bedauert Schleich: „Irgendwann fragt man sich dann, ‘warum soll ich mir das Ganze noch länger antun?‘.“

Ob er der Feuerwehr als Aktiver erhalten bleibt, weiß Schleich noch nicht: „Jetzt lassen wir erstmal Gras über die Sache wachsen.“ Kein Grund für den Rücktritt, das betont er ausdrücklich, sei die Debatte um den innerörtlichen Hochwasserschutz gewesen. Hinter vorgehaltener Hand wurde Schleich mitunter vorgeworfen, als Anlieger der gefährdeten Hochwasserzone „Im Winkel“ Eigeninteressen zu verfolgen und die Unterlieger am Wörthersbach bei Einsätzen zu bevorzugen. Schleich wehrt sich vehement gegen derartige Behauptungen: „Das kann ich klar dementieren. Es ist mir als Feuerwehrkommandant immer nur um die Interessen aller betroffenen Anlieger gegangen.“

„Nicht sonderlich überrascht“ hat Schleichs Rücktritt Bürgermeisterin Manuela Vanni zur Kenntnis genommen: „Ich weiß es schon etwas länger. Letzten Donnerstag war Herr Schleich bei mir im Büro und hat mich persönlich informiert.“ Vanni bedauert die Entscheidung des Feuerwehkommandanten: „Ich finde es sehr schade. Ich bin mit ihm immer sehr gut ausgekommen. Wir hatten einen kurzen Draht. Vor allem wenn es um Anschaffungen ging, konnte man mit ihm gut und sachlich reden.“

Generell werde es in der heutigen Zeit für Funktionsträger immer schwieriger, in der Öffentlichkeit zu stehen. Die Aufwandsentschädigungen, so Vanni, würden den ehrenamtlichen Einsatz bei Weitem nicht aufwiegen. Und was sagt die Rathauschefin zu den internen Querelen bei der Feuerwehr? Neben Schleich haben immerhin auch zwei Zugführer ihren Rücktritt erklärt. Über die Gründe möchte Vanni öffentlich nicht spekulieren – nur so viel: „Es ist schade, wenn eine Institution, die gute Arbeit macht, zu bröckeln anfängt.“

Philipp Reichhart, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, gibt diesbezüglich jedoch Entwarnung: „Wir sind nach wie vor eine gute, schlagkräftige Truppe. Da muss man sich überhaupt keine Sorgen machen.“ Schleichs Rücktritt will Reichhart öffentlich nicht weiter kommentieren, „das ist seine freie Entscheidung“, allerdings: „Für die Feuerwehr ist das bedauerlich, weil er ein extrem hohes Fachwissen hat. Da kann man sagen was man will.“ Wie bei jedem anderen Verein oder Unternehmen gebe es natürlich auch bei der Feuerwehr das ein oder andere Problem. Allerdings dürfe man das nicht überbewerten: „Wenn 100 Leute zusammentreffen“, erklärt Reichhart, „dann menschelt es halt auch mal.“

Und wie geht es mit der Peißenberger Feuerwehr nun personell weiter? Zum ersten Oktober wird der bisherige stellvertretende Kommandant, Stephan Seebauer, das vakante Führungsamt kommissarisch übernehmen. Im Januar soll dann auf der regulären Hauptversammlung des Feuerwehrvereins ein neuer Kommandant bestimmt werden. Einen Kandidaten gibt es offenbar bereits. Den Namen wollen aber weder Vanni noch Reichhart öffentlich preisgeben.

Bernhard Jepsen

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