Menschen stehen an einer Bude an, um FFP2-Masken abzuholen
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So wie bei der Ausgabe der FFP2-Masken bei einer Weilheimer Apotheke (Archivbild) sah es in vielen Apotheken im Landkreis aus.

Ärger in Peißenberg

FFP2-Masken nur mit Kundenkarte?

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Angehörige von Corona-Risikogruppen haben seit einer Woche einen Anspruch, auf kostenlose FFP2-Masken – theoretisch. Praktisch sieht es manchmal anders aus, wie ein Beispiel aus Peißenberg zeigt.

Peißenberg – Seit einer Woche besteht für Menschen, die zur Corona-Risikogruppe gehören, der Anspruch, sich in einer Apotheke ihrer Wahl, für den Monat Dezember drei FFP2-Masken abzuholen. Apotheken müssen diese Masken kostenlos an alle abgeben, die entweder bestimmte Vorerkrankungen oder andere Risikofaktoren haben oder älter als 60 Jahre sind. Das sieht die „Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung“ des Bundes vor, um die in der Gesellschaft besonders von der Pandemie Betroffenen besser zu schützen.

Davon, dass sie als 77-Jährige einen Anspruch auf die kostenlosen FFP2-Masken hat, hatte auch Diana Hergöths Mutter erfahren und ist vergangene Woche zur „Sonnen-Apotheke“ in ihrem Wohnviertel in Peißenberg gegangen, um sich die Masken abzuholen. Doch erfolglos, wie Diana Hergöth gegenüber dieser Zeitung berichtet: „Meine Mutter hat mir erzählt, dass man ihr in der Apotheke keine Masken gegeben hat, weil sie keine Kundenkarte besitzt.“ FFP2-Masken würden nur an Stammkunden mit Kundenkarte herausgegeben, habe es geheißen.

Erfolgloser Versuch, eine FFP2-Maske zu bekommen

Ihre Mutter habe dann gesagt, dass sie doch regelmäßig in der Apotheke einkaufe, aber eben keine Kundenkarte besitze. Doch auch das habe nichts genützt. Ihre Mutter habe die Apotheke ohne FFP2-Masken wieder verlassen, erzählt Diana Hergöth.

Daraufhin habe ihre Mutter sie angerufen und um Hilfe gebeten. Diana Hergöth war davon überzeugt, dass ihre Mutter etwas falsch verstanden hat, dass die Masken vielleicht gerade vergriffen waren oder es keine dort gar keine gibt. Sie habe in der Apotheke angerufen und erfahren, dass zu der Zeit FFP2-Masken tatsächlich nur an Kunden mit Kundenkarte ausgegeben wurden.

„Ich finde das eine Frechheit“, sagt Diana Hergöth: „Ich war so wütend, als ich das gehört habe.“ Ihrer Ansicht nach gehe es bei der „Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung“ darum, die Risikogruppen zu schützen und nicht darum, die Stammkunden mit Kundenkarte zu bevorzugen. Um publik zu machen, dass es offensichtlich nicht überall klappt mit den kostenlosen FFP2-Masken, hat sie sich an die Heimatzeitung gewendet.

Nachfrage nach FFP2-Masken war zuletzt sehr groß

Auf Nachfrage in der „Sonnen-Apotheke“ bestätigt Apotheker Wolfgang Kuhn, dass es in der vergangenen Woche Zeiten gab, in denen die Nachfrage nach den FFP2-Masken so groß war, dass sie in seiner Apotheke nicht mehr an jeden Berechtigten ausgegeben werden konnten. Der große Ansturm auf die Masken habe bereits am Dienstag in der Früh begonnen. In den ersten paar Tagen, nachdem die Verordnung in Kraft getreten sei, habe er bereits an die 2000 FFP2-Masken verteilt gehabt und zusätzlich einem Kollegen im Landkreis ausgeholfen, dem die Masken ausgegangen waren. Deswegen habe er in seiner Apotheke das Gefühl gehabt, die Ausgabe ein wenig drosseln zu müssen. „Ich hatte Sorge, dass ich Stammkunden, von denen ich weiß, dass sie berechtigt und wirklich bedürftig sind, nicht versorgen kann.“

Aus diesem Grund habe er zeitweise nicht an alle Berechtigten verteilt. Inzwischen sei das wieder anders. Er bitte um Nachsicht, wenn nicht immer alles perfekt laufe, nachdem in den Apotheken sehr kurzfristig Masken in großen Mengen vorrätig sein mussten und die Arbeitsbelastung riesig sei. „Wir tun wirklich, was wir können und verteilen weiter FFP2-Masken“, sagt Kuhn. In den Apotheken werde an der Grenze der Belastbarkeit gearbeitet.

Philipp Kircher, der die „St. Ulrich-Apotheke“ in Peißenberg führt und Apotheker-Sprecher im Landkreis ist, bittet in diesen turbulenten Zeiten um Verständnis für seine Zunft: „Ich muss meine Kollegen in Schutz nehmen, weil die Zeit wahnsinnig knapp war“, sagt er. Dennoch habe er in seiner Apotheke in Peißenberg bislang jedem Berechtigten eine FFP2-Maske aushändigen können.

Dort war dann auch Diana Hergöth erfolgreich, als sie mit dem Ausweis ihrer Mutter nach FFP2-Masken gefragt hat. „Meine Mutter hat ihre Schutz-Masken jetzt“, sagt sie.

Aber Hallo: Wenn Sie sich über etwas gefreut oder geärgert haben, das Sie berichtenswert finden, melden Sie sich bitte bei uns unter der Telefonnummer 0881/189-26.

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