Abheben für die Kitzrettung: Vorgeführt wurde die Drohe von (v.l.) Hans Schuster, Christian Schuster, Michael Jungwirth und Michael Loeber. Die vier Männer haben sich zu Drohnen-Piloten ausbilden lassen.
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Abheben für die Kitzrettung: Vorgeführt wurde die Drohe von (v.l.) Hans Schuster, Christian Schuster, Michael Jungwirth und Michael Loeber. Die vier Männer haben sich zu Drohnen-Piloten ausbilden lassen.

Andere Drohnen bereits erfolgreich im Einsatz

Fliegender Helfer bei der Kitzrettung

Die Peißenberger Landwirte haben nun einen fliegenden Helfer für die Rettung von Rehkitzen. Die örtliche Jagdgenossenschaft kaufte eine Drohne mit Wärmebildkamera, mit der vor dem Mähen Flächen abgesucht werden können.

Peißenberg – Das Problem ist seit längerem bekannt: Bei Gefahr ducken sich Rehkitze tief ins Gras und verharren regungslos, um von Fressfeinden unbemerkt zu bleiben. Leider verstecken sie sich damit auch vor den Landwirten, die mit schwerem Gerät anrücken, um die Felder abzuernten. Nachdem die Rettung der Kitze lange davon abhing, ob es Tierschützer gab, die sich des Problems annahmen, ist der Landwirt seit letztem Jahr verpflichtet, seine Felder vor der Mahd nach versteckten Tieren abzusuchen. Das braucht Zeit – und die Hilfe etlicher Mitstreiter. Anders, wenn die neueste Technik zum Einsatz kommt: eine Drohne mit Wärmebildkamera.

An zwei Wochenenden Ausbildung zum Drohnen-Piloten

„Kathrin Städele von der Rehkitz-Rettung Polling hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass solche Drohnen in Nantesbuch erfolgreich eingesetzt worden sind“, erzählt Hans Schuster, Landwirt und Vorstand der Jagdgenossenschaft Peißenberg. Daraufhin stattete er der Stiftung „Kunst und Natur“ auf Gut Nantesbuch, die sich unter anderem dem Erhalt selten gewordener Tier- und Pflanzenarten verschrieben hat, einen Besuch ab und ließ sich von den Vorzügen der Drohne überzeugen. Dank seines Votums beschloss die Jagdgenossenschaft, ein solches Gerät zu erwerben.

Doch mit dem Kauf war es noch nicht getan: Es mussten schließlich die Fertigkeiten zum Einsatz der neuen Technik erworben werden. An zwei Wochenenden ließen sich Schuster, sein Sohn Christian sowie Michael Loeber und Michael Jungwirth zum Drohnen-Piloten ausbilden. Privat hatte zuvor nämlich lediglich Jungwirth Erfahrung mit dieser Technik gemacht.

Die Drohne mit Wärmebildkamera macht auf Kitze aufmerksam, die sich in Gebieten befinden, welche gemäht werden sollen.

Auf einer Wiese am Waldrand zwischen Peißenberg und Polling führen die vier Landwirte ihre neueste Errungenschaft vor. Loeber hat das Steuerungsgerät in den Händen, Schuster platziert die Drohne passgenau zum Start. Auf Knopfdruck erhebt sie sich lautlos in die Luft.

„Kurz nach Sonnenaufgang, wenn also die Wiesen noch kalt sind, ist die beste Zeit zum Suchen“, erläutert Loeber. Zwei Männer werden jeweils im Einsatz sein. Auf dem Bildschirm des Steuerungscomputers können sie den Flug der Drohne verfolgen. Ein warmer Körper wird darauf als Fleck sichtbar. Die Drohne stoppt darauf und bleibt in der Luft stehen. Mit ihr als Orientierungspunkt kann dann die verdächtige Stelle aufgesucht werden. Finden die Männer tatsächlich ein Rehkitz, betten sie es mit Grasbüscheln in einen Korb. Anfassen dürfen sie das Jungtier dabei nicht, denn der fremde Geruch würde das Muttertier veranlassen, das Kitz zu verstoßen. Der Korb wird dann am Feldrand abgestellt, bis die Mahd vorüber ist und die Kitze in die Freiheit entlassen werden.

Einsatz auf ungefähr 40 Flächen gefragt

In diesem Frühjahr kommt die Drohne nun erstmals zum Einsatz. Der Ablauf ist wie folgt geplant: Die Landwirte des Gemeindegebiets Peißenberg, die in Wiesen und an Waldrändern, wo Rehe ihre Kitze bevorzugt ablegen, mähen wollen, melden sich vorab bei der Jagdgenossenschaft, um den Einsatz der Drohne anzufordern. „Ungefähr vierzig Flächen dürften betroffen sein“, mutmaßt Hans Schuster. Jeweils zwei der vier Piloten rücken dann zum Einsatz aus. Der betroffene Zeitraum reicht vom 1. Mai bis zum 20. Juni.

Wie viele Kitze die Helfer finden werden, im Umkehrschluss also wie viele früher unentdeckt blieben und verletzt wurden oder sogar starben, vermag Hans Schuster nicht abzuschätzen. Er und seine drei Mitstreiter sehen ihrem Einsatz zur Rettung der Tiere jedenfalls mit Spannung entgegen.

Die Jagdgenossenschaft

bittet alle Landwirte mit den in Frage kommenden Grundstücken, sich während des genannten Zeitraums einen Tag vor der Mahd unter Tel. 0160/93458293 anzumelden. Auch die Uhrzeit der Mahd sollte dabei angegeben werden.

VON SABINE NÄHER

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