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Daumen hoch: Frank Zellner liebt das Segelfliegen.

Frank Zellner aus Peißenberg im Porträt

Der CSU-Ortschef hebt gern vom Boden ab 

Frank Zellner ist 39 Jahre alt und neuer Ortsvorsitzender der CSU in Peißenberg. In seiner Freizeit geht der Familienvater gern zum Segelfliegen. 

Peißenberg – Er ist in Peißenberg geboren und dort auch aufgewachsen, er hat bei den Kommunalwahlen 2014 auf der Liste von CSU/Parteilose für den Marktrat kandidiert, und vor ein paar Monaten erst wurde er zum neuen CSU-Ortsverbandsvorsitzenden gekürt. Gleichwohl: Der Name „Frank Zellner“ ist vielen in Peißenberg noch nicht so geläufig.

Das mag unter anderem darin liegen, dass der 39-Jährige während seines Jura-Studiums für längere Zeit in München gewohnt hat. Da verlieren sich natürlich soziale Kontakte. Doch auch als Kind und Jugendlicher war Zellner irgendwie weniger in, sondern mehr über Peißenberg unterwegs. „Über“ Peißenberg? Ganz genau. Zellner ist leidenschaftlicher Segelflieger, das „Fliegervirus“ wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Seine Eltern arbeiteten beide in der Luftfahrtbranche – und auch in der Freizeit standen bei Familie Zellner Flugzeuge im Mittelpunkt: „Ich bin mehr oder weniger am Segelflugplatz in Fendt aufgewachsen“, erzählt Zellner. „Ich war nicht beim TSV und bin auch nicht ins Freibad gegangen, sondern habe meine Jugend beim Fliegen verbracht. Vielleicht bin ich auch deswegen im Ort noch etwas weniger bekannt.“

Ein weiterer Grund dafür könnte sein, dass Zellner nicht als Lautsprecher auftritt. Beim CSU-Wahlkampfabend vor ein paar Wochen im Gasthof „Zur Post“ absolvierte der neue CSU-Ortschef seinen ersten öffentlichen Termin. Zellner beschränkte sich am Rednerpult auf Dankesworte und überließ die Show den Politgranden Alexander Dobrindt und Joachim Herrmann. Auch im persönlichen Gespräch wirkt Zellner in Sprache und Gestik ruhig, überlegt und ausgeglichen. Er lässt sich bei der Beantwortung von Fragen Zeit und wägt seine Worte ab. „Ich neige nicht zu extremen Ausbrüchen. Ich bin in der Entscheidungsfindung analytisch – dann aber auch zielstrebig“, sagt Zellner über sich selbst. Ob es irgendetwas gibt, was ihn so richtig auf die Palme bringt? Zellner überlegt lange: „Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit, ja das nervt mich – und wenn schlechtes Flugwetter ist“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Das „Analytische“ kommt Zellner natürlich in seinem Beruf als Jurist entgegen. Nach dem Abitur und der Bundeswehrzeit bei der Luftwaffe in Kaufbeuren war die Richtung mehr oder weniger klar: „Für handwerkliche Themen bin ich nicht so geschickt. Da boten sich BWL oder Jura an“, erzählt Zellner. Die Wahl fiel auf die Rechtswissenschaften, „weil ich nicht so sehr der kalte Controller, sondern mehr der Unterstützer sein wollte“.

Zellner ist zwar als Rechtsanwalt zugelassen, doch nach dem Studium hat er dann doch nicht die klassische Advokatenkarriere eingeschlagen, sondern 2005 bei der Bundesagentur für Arbeit angefangen. Zunächst war er als Prozessvertreter in Sozialrechtsangelegenheiten tätig, seit 2010 fungiert er für die Agentur in München als interner Personalberater. Der Job macht Zellner Spaß, weil er „interessant und vielfältig“ ist. Dafür nimmt er auch die Pendelei nach München in Kauf. Zellners Ehefrau Kathrin ist als Realschullehrerin in Schongau tätig, auch darum zog man 2005 wieder zurück aufs Land. „Privat ist Peißenberg das Zentrum – und das wird es auch bleiben“, sagt Zellner, während seine beiden kleinen Töchter Clara (5 Jahre) und Anna (2 Jahre) quietschvergnügt durch den Garten des neuen Einfamilienhauses auf der Leite tollen. „Die Familie mit den beiden Mädels – das ist das Wichtigste.“

Da muss auch Zellners Leidenschaft ein wenig zurückstecken. „Wenn man sich entscheidet, zum Fliegen zu gehen“, sagt Zellner, „dann gilt das halt für den ganzen Tag – zum Leidwesen meiner Frau.“ Zellner ist beim Luftsportverein Weilheim-Peißenberg als Vereinsratsvorsitzender und Fluglehrer engagiert. Was ihn an der Fliegerei so fasziniert? „Es ist toll, da oben über den Dingen zu schweben. Die Einsamkeit und die sportliche Herausforderung, sich im Segelflieger nur mit dem Wetter am Himmel zu halten“, schwärmt Zellner. Natürlich kann man auch die Gedanken schweifen lassen: „Man ist ungestört. Es ist eine Zeit, in der kein Telefon klingelt oder jemand dringend sein Sandkastenspielzeug sucht.“

Ob der Entschluss, CSU-Ortsvorsitzender zu werden, im Cockpit gefallen ist? „Nein, das wurde am Boden entschieden – nachdem ich mich mit meiner Frau beraten habe“, erzählt Zellner schmunzelnd. Das Engagement bei der CSU kommt nicht ganz zufällig. Die „Zuschauertribüne“, wie es Zellner formuliert, wäre ihm im kommunalpolitischen Geschehen „zu wenig“. Er möchte seinen Heimatort aktiv mitgestalten. Seit 2015 besitzt Zellner das Parteibuch. Für ihn verkörpert die CSU den Fortschrittsgedanken, ohne die Tradition zu vernachlässigen. „Veränderung ist wichtig, weil Stillstand Rückschritt bedeutet – aber man muss nicht jeder Mode hinterherlaufen“, sagt er.

Und wie sehen die persönlichen Ambitionen zum Beispiel auf das Bürgermeisteramt aus? „Wir haben viele geeignete Kandidaten in der Fraktion und im Ortsverband“, blockt Zellner ab – allerdings: „Ich kann es in meiner Funktion als Ortsvorsitzender natürlich nicht ausschließen, dass ich kandidiere.“ Möglich also, dass man von Zellner in der Öffentlichkeit künftig mehr hören wird – auch wenn es vermutlich keine lauten, sondern überlegte Worte sein werden.

Bernhard Jepsen

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