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Maria im Mittelpunkt: Beim Frauentragen dreht sich alles um die Gottesmutter und Schutzheilige Bayerns.
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Wer klopfet an? Beim Ankommen bittet Katharina Hänel (re.) bei Viktoria Huber (auf ihrem Arm Enkel Julian) um Herberge für Maria.
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Schorsch Hubers Zitherspiel gehört bei der Andacht im Hause Huber dazu. Viktoria Huber (vo.li.) Katharina Hänel, Monika Regending, Ursula Erhard und Angelika May lauschen andächtig. 

Frauentragen in Peißenberg

Mit Maria von Haus zu Haus

Beim Frauenbund St. Johann  wird im Advent  der christliche Brauch des Frauentragens gepflegt.  Die Heimatzeitung ist mitgegangen.

Peißenberg – Katharina Hänel greift nach der Laterne im Fußraum ihres VW-Busses. Sie zückt ein Feuerzeug und zündet das Teelicht in der Laterne an. Ein kleiner Lichtschein erhellt diese dunkle, sternlose Peißenberger Dezembernacht. Vorsichtig bugsiert sie den Weidenkorb aus der offenen Autotür und schließt diese mit ihrem Rücken. „Früher haben die Frauen die Maria zu Fuß von Haus zu Haus getragen“, erzählt sie. Heute werde Maria in der Regel mit dem Auto transportiert. Aber einmal habe sie kein Auto gehabt und sich deswegen zu Fuß auf den Weg gemacht. Mit der Laterne in der einen und dem Korb in der anderen Hand sei sie in tiefem Schnee durch Peißenberg gestapft. „Das war noch mal ein anderes Erlebnis“, sagt Katharina Hänel.

Die Vorsitzende des Peißenberger Frauenbundes St. Johann ist viel unterwegs im Advent, denn der Frauenbund pflegt jedes Jahr vor Weihnachten den alten christlichen Brauch des „Frauentragens“, der in erster Linie in Bayern und in Österreich verbreitet ist: Dabei wird eine Marienstatue von Haus zu Haus getragen.

Damit soll die Herbergssuche vor Jesu Geburt nachempfunden werden Die Marienfigur, die in Peißenberg auf Herbergssuche geht, wurde 1998 extra für diesen Zweck angeschafft. Heuer hat das Frauentragen mit dem Segen bei der Adventsfeier am 2. Dezember begonnen, morgen endet es mit einer Abschlussfeier.

„Meist bleibt die Maria eine Nacht, manchmal auch zwei“, sagt Katharina Hänel, die den Plan erstellt, wann die Figur wohin getragen wird. Meist seien es immer etwa so viele, die sich in Peißenberg über den Besuch der Maria freuen, wie es Tage im Advent gibt. „Das geht in der Regel ganz gut auf“, sagt Hänel. Wie das Ankommen der Maria gestaltet werde, sei völlig verschieden. Je nachdem, wie die Bedürfnisse und Wünsche der einzelnen Herbergseltern seien. „Manche nehmen nur die Figur in Empfang, andere machen eine Andacht und laden Gäste dazu ein“, sagt die Vorsitzende.

Katharina Hänel steuert auf den Hauseingang zu, holt ein kleines Heft aus dem Weidenkorb und klingelt. Sie wird schon erwartet. Viktoria Huber öffnet ihr, sie trägt ihren Enkel Julian auf dem Arm. „Wir kommen und klopfen an Euer Tor. Wie Maria und Josef stehen wir davor. Unsere liebe Frau geht von Haus zu Haus: Tut auf uns, weiset sie nicht hinaus“, sagt Katharina Hänel. Viktoria Huber antwortet: „Seid gegrüßt o Jungfrau rein. Mit Freuden lad ich dich in meine Wohnung ein.“

Katharina Hänel folgt der Hausherrin in die Stube. Dort sitzen die Nachbarinnen Monika Regending, Ursula Erhard, Angelika May und der Hausherr Schorsch Huber um den Tisch. Katharina Hänel stellt die Laterne dort ab und schlägt behutsam das weiße Tuch auf, in das die Marienfigur für den Transport eingewickelt war. Vorsichtig nimmt sie sie in die Hand und übergibt sie an Viktoria Huber. Diese stellt die Figur auf den Tisch, zur Zither und dem Adventsgesteck. Im Ofen prasselt ein Feuer, mehrere Kerzen tauchen den Raum in warmes Licht. Kein Zweifel, Maria hat bei der Familie Huber in Peißenberg ein gutes Quartier gefunden.

Die Zither erklingt, Schorsch Huber spielt das Stück „Dahoam“. Mit jedem Ton rückt die vorweihnachtliche Hektik ein Stück weiter weg und die Güte, Wärme und Ruhe, die diese kleine Figur auf dem Esstisch ausstrahlt, in den Vordergrund. Die Maria, die die Frauen vom Frauenbund in einer Schnitzerei in Tirol erstanden haben, hat ein feines Gesicht, sie hält den Kopf ein wenig zur Seite geneigt und die Hände vor die Brust. Sie sieht irgendwie rein aus.

Dabei hat sie schon einiges erlebt, seit sie in Peißenberg herumgetragen wird: Im Puppenbett habe sie schon geschlafen und zwischen Stofftieren, sei in tiefe Trauer geraten, wenn es Schicksalsschläge in Familien gab und in die quirlige Lebendigkeit von Kindergeburtstagen. Dennoch ist sie nahezu unversehrt nach all den Jahren. Nur ein Mal ist sie heruntergefallen und eine kleine Ecke ist weggebrochen.

Als der letzte Ton der Zither verklungen ist, herrscht kurz andächtige Stille im Raum. Dann beginnt Viktoria Huber einen Text aus dem kleinen Heft zu lesen, gemeinsam sprechen die Frauen anschließend das „Gegrüßet seist Du Maria“. Es folgt eine Meditation zur Marienfigur, die sich damit auseinandersetzt, was Maria alles bewältigen musste in der Zeit um Jesu Geburt, was ihr alles zugemutet wurde. In Stille tragen die Frauen ihre persönlichen Anliegen an Maria heran. Zwischendurch spielt Schorsch Huber auf seiner Zither. Alle hier um den Tisch sind ernst und andächtig. Nach dem Segensgebet spielt der Hauherr noch ein letztes Stück auf der Zither und als der letzte Ton ausklingt, ist auch die Andacht beendet. Maria ist würdig im Hause Huber aufgenommen. Viktoria Huber stellt einen Teller mit selbst gebackenen Platzerln auf den Tisch und schöpft Fruchtpunsch in die Tassen.

Hubers beteiligen sich jedes Jahr am Frauentragen und es ist inzwischen schon Tradition, dass es jedesmal eine kleine Andacht gibt, wenn Maria ankommt. Dazu sind auch immer die Nachbarinnen eingeladen. Sie freuen sich auf diesen Termin im Advent, an dem sie ein bissl zur Ruhe kommen und sich treffen können. „Für mich ist das eine richtig schöne Vorbereitung auf Weihnachten“, sagt Angelika May. Sie lasse sich dabei besonders oft durch den Kopf gehen, wie das damals mit Maria und der Herbergssuche war. „Viele freuen sich, wenn sie Besuch bekommen“, sagt Katharina Hänel und: „Die Maria im Haus zu haben ist irgendwie ein gutes Gefühl.“

Kathrin Hauser

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