Die Demo im November vergangenen Jahres zeigte Erfolg. Das Juze kann Kulturtreff werden.
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Die Demo im November vergangenen Jahres zeigte Erfolg. Das Juze kann Kulturtreff werden.

Unerwartete Wendung in Peißenberg

„Freie Künstler“ bekommen Juze

  • Bernhard Jepsen
    VonBernhard Jepsen
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Über die Nachnutzung des alten Jugendzentrums wurde lange diskutiert, nun ist es fix: Die „Freien Künstler Peißenberg“ erhalten die Chance, aus dem baufälligen Gebäude einen Kulturtreff für Nachwuchskünstler zu machen. 14 von 25 Markträten votierten für Moritz Hummig und sein Team – darunter Rathauschef Frank Zellner.

Peißenberg – Der Beschluss über die Vergabe des alten Jugendzentrums war die erste große Bewährungsprobe für den neuen Marktrat. Hinter den Kulissen wurde bis zuletzt heftig gerungen – und das, obwohl nach dem Absprung des Faschingsvereins „Frohsinn 2000“ mit den „Freien Künstlern Peißenberg“ nur noch ein Bewerber für das sanierungsbedürftige Gebäude am St. Georgenweg auf der Matte stand.

Die Debatte war festgefahren, doch nun stand im Marktrat das „Endspiel um den Jugendzentrumscup“ an, wie Stefan Rießenberger (Bürgervereinigung) in einem launigen Statement vor der Abstimmung in der „Tiefstollenarena“ verkündete – und zwar unter Beteiligung von „24 Unparteiischen und einem Video-Schiedsrichter“.

Mit letzterem war Frank Zellner gemeint. Der CSU-Bürgermeister gab vor der Beschlussfassung ebenfalls eine Erklärung ab. Zellner gewährte Einblick in seinen „persönlichen Abwägungsprozess“ und warb für die von der Rathausverwaltung im Beschlussvorschlag ausgearbeitete Variante: Die sah eine von Zellner titulierte „Testphase“ in Form eines fünf Jahre laufenden Pachtvertrags, aber mit anschließender Kaufoption zugunsten der „Freien Künstler“ vor.

Der Rathauschef räumte ein, dass der Markt bisher keine Grundstücke an Vereine verkauft, sondern immer nur reine Erbpachtkonditionen ausgehandelt hat. Aber das alte Juze mit seiner baurechtlich eingeschränkten Nutzung und seiner Lage im planerischen Außenbereich würde „besondere Umstände“ bieten, die auch eine differenzierte Handhabung rechtfertigen würden. Es gehe darum, „Peißenberg ein Stück weit zu gestalten“. Und die rechtlichen Unterschiede der Vertragsvarianten seien letztlich nicht so groß.

Zellners politische Basis, die Fraktion von „CSU/Parteilose“, sah das ebenso wie die „Peißenberger Liste“ (PL) anders. Sprecherin Patricia Punzet verlas eine detailliert vorformulierte Stellungnahme. Demnach seien „keine Gründe erkennbar“, warum von der bisherigen Vergabe-Praxis bezüglich kommunaler Liegenschaften und der „Gleichbehandlung“ abgewichen werden sollte. Punzet betonte, dass es „CSU/Parteilose“ nicht darum gehen würde, den Zuschlag für die „Freien Künstler“ zu verhindern. Das „einmalige Projekt“ wäre eine „Bereicherung für Peißenberg“. Aber der noch junge Verein würde durch eine Pacht – respektive Erbbauvariante – viel mehr „Planungssicherheit“ erhalten. Die finanziellen Mittel müssten zudem nicht für den Kaufpreis gespart werden, sondern könnten sofort in die Gebäudesanierung fließen. Dem Verein solle nochmals Gelegenheit gegeben werden, sich rechtlich beraten zu lassen. Wenn keine Vereinbarung zustande kommen würden, dann, so Punzet, solle der Abrissbeschluss dennoch ausgesetzt und nach anderen Nutzungsvarianten für das Gebäude gesucht werden.

Die Sachlage war indes lange vor der Abstimmung klar: Hummig und die „Freien Künstler“ erklärten von Anfang an, dass für sie nur ein Kauf des Gebäudes und eben kein Erbbaurecht in Frage kommt. Die „Pacht-Testphase“ plus Kaufoption war bereits ein Kompromissvorschlag der „Freien Künstler“ – und genau der stand zur Abstimmung.

Am Ende holte sich das „Team Hummig“ den „Jugendzentrumscup“. Der andere Endspielteilnehmer, so skizzierte Rießenberger in seinem Vergleichsbild aus dem Fußball, sei nicht angetreten. Nur die „jungen Wilden“ hätten den Platz betreten. Der Rasen gleiche einer „Kraterlandschaft“ und sei wegen der defekten Heizung kaum bespielbar. Das Flutlicht brenne nur an einem Ende und die Tribünen seien einsturzgefährdet. „Doch all das schreckt diese Mannschaft nicht ab. Sie wollen spielen“, erklärte „Linienrichter“ Rießenberger. Sein Fazit: „Diese Mannschaft hat den Pokal verdient.“ Das sah auch die Mehrheit des Marktrats so. Detail am Rande: „CSU/Parteilose“ und PL verlangten namentliche Erwähnung ihres Abstimmungsverhaltens im Protokoll.

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