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„Freie Künstler Peißenberg“ stehen in den Startlöchern: Neues Leben fürs alte Jugendzentrum

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Von: Bernhard Jepsen

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Im Sommer pinselten die „Freien Künstler“ bereits an einem alten VW-Käfer. Er soll zur gemütlichen Sitzbank umfunktioniert werden und künftig im neuen Kulturtreff seinen Platz haben.
Im Sommer pinselten die „Freien Künstler“ bereits an einem alten VW-Käfer. Er soll zur gemütlichen Sitzbank umfunktioniert werden und künftig im neuen Kulturtreff seinen Platz haben. © privat

Anfang des Jahres wurde beschlossen, das alte Jugendzentrum den „Freien Künstler Peißenberg“ zu überlassen. Die Umbauarbeiten haben noch nicht begonnen. Die Bürokratie forderte ihren Tribut.

Peißenberg „Warten und Geduld ist die Mutter aller Tugenden“: Moritz Hummig, Frontmann des Vereins „Freie Künstler Peißenberg“, übt sich derzeit in Galgenhumor – es bleibt ihm auch nichts anderes übrig. Er und seine Mitstreiter hatten lange um das ausrangierte Juze am St. Georgenweg gekämpft. Im vergangenen Januar schließlich erteilte der Marktrat mehrheitlich den Zuschlag, aus der Bauruine einen Kulturtreff für Nachwuchskünstler mit Konzert- und Proberäumen zu machen. Der Verein konnte aber nicht sofort loslegen, weil er offiziell noch kein Verein war. Die bürokratischen Hürden zogen den Zeitplan in die Länge. Erst vor anderthalb Monaten wurde die Vereinseintragung fixiert. Jetzt fehlt „nur“ noch der Pachtvertrag.

Hummig hatte lange Zeit keine Möglichkeit, das alte Juze zu betreten. Erst vor kurzem hat er die Schlüssel von der Rathausverwaltung erhalten. Außen wurden zwar von der Gemeinde Pflegemaßnahmen vorgenommen – aber innen? Fehlanzeige. An den Böden, in der Küche und am Tresen hat sich Schimmel gebildet. „Das Problem ist, dass anderthalb Jahre nicht gelüftet und geheizt worden ist“, bedauert Hummig. Er hat zudem Sorge, dass die Versorgungsleitungen im Winter platzen könnten.

„Freie Künstler“ wollen Gebäude kaufen

All das hat er der Rathausverwaltung auch kundgetan: „Ich habe gefragt, was das für eine Übergabe werden soll. Wenn wir das Gebäude feierlich bekommen, aber es so vergammelt ist, dass man die Leute nicht reinlassen kann. Wie wirkt das denn?“ Er hat nach eigenem Bekunden mehrmals angeboten, sich um die Instandhaltung auf eigene Rechnung und Haftung zu kümmern – ohne Erfolg. Hummig hält sich verbal dennoch zurück. „Solange der Pachtvertrag stimmt, will ich mich nicht beschweren und nehme alles in Kauf. Dann ist mir alles wurscht.“

Ein Utensil für den künftigen Kulturtreff hat Moritz Hummig bereits ins alte Juze befördert – nämlich den Backofen des früheren Cafés „Preisinger“ in Steingaden.
Ein Utensil für den künftigen Kulturtreff hat Moritz Hummig bereits ins alte Juze befördert – nämlich den Backofen des früheren Cafés „Preisinger“ in Steingaden. © Bernhard Jepsen

Die „Freien Künstler“ wollen das alte Juze nach einer Übergangsphase kaufen – nämlich dann, wenn der Kulturtreff eröffnet und ins Laufen gebracht worden ist. Für Hummig ist das nicht verhandelbar: „Wenn ich mein ganzes Geld in die Sanierung reinstecke, will ich das Gebäude auch kaufen.“ Genauer gesagt: Der Verein wäre offiziell der Käufer – und Hummig der Geldgeber. Schon jetzt hat er 2000 Euro aus eigener Tasche investiert. Er hat vor ein paar Tagen ein Heizgebläse und einen Entlüfter aufgestellt, um das Gebäude zu entschimmeln. Auch Heizöl hat er schon bestellt. „Wenn wir loslegen, dann sollen es unsere Helfer schließlich warm haben“, sagt Hummig. Doch mehr als auf den Pachtvertrag warten, können die „Freien Künstler“ aktuell nicht tun: „Wir haben zwar die Schlüssel – aber wir dürfen nur sauber machen.“ Bauliche Sanierungsmaßnahmen hat die Gemeinde noch nicht erlaubt.

90 Jahre alter Backofen für „Pizza-Partys“

Ein paar Utensilien hat Hummig im Juze schon eingelagert – so wie den rund 90 Jahre alten Backofen des ehemaligen Cafés „Preisinger“ in Steingaden. Darin wurden früher Prinzregententorten gebacken, die „Freien Künstler“ wollen ihn für „Pizza-Partys“ nutzen. Bei sich zuhause hat Hummig „tonnenweise Zeug“ für die spätere Einrichtung des alten Juzes gesammelt. Darunter ein 200 Jahre alter Eichenschrank, ein Klavier und ein zur Sitzbank umfunktionierter halber VW-Käfer. Viel hat er gespendet bekommen: „Die Leute fragen mich, wann es endlich losgeht und ob sie mitmachen können“, erzählt Hummig. Jetzt hängt alles vom Pachtvertrag ab: „Wir stehen in den Startlöchern und warten auf das Go“, so Hummig.

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