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Bald Parteifreunde? Jürgen Forstner (links) und Susann Enders (am Tischende) bei der Bürgersprechstunde im Gasthaus „Sonne“. 

Freie Wähler schielen nach Peißenberg

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Hinter den Kulissen wurde schon länger spekuliert, nun ist es offiziell: Gemeinderat Jürgen Forstner wird bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr kandidieren – zumindest nicht für seine derzeitige politische Heimat, die Peißenberger Bürgervereinigung. Auch wenn noch nichts fix ist: Forstner liebäugelt inzwischen offen mit den Freien Wählern.

Peißenberg – Es war „nur“ eine Bürgersprechstunde, zu der Susann Enders im Namen der Freien Wählern am Montagabend ins Gasthaus „Sonne“ eingeladen hatte. Doch der für die Landtagsabgeordnete reservierte Tisch zog die Blicke auf sich – zum Beispiel von der Führungsriege der Peißenberger Energiegenossenschaft, die ebenfalls in der „Almhütte“ tagte. Am Tisch von Enders saß nämlich ein bekannter Gemeinderat – Jürgen Forstner. Wie es sich für eine Bürgersprechstunde gehört, wurde zunächst fleißig diskutiert. Enders beantwortete unter anderem Fragen zur „Strebs“ („Keine Kommune muss mehr Beiträge erheben. Da gibt es inzwischen klare Richtlinien“) und zur geschlossenen Geburtenstation in Weilheim („die war wegen Personalmangels leider nicht zu halten“).

Richtig interessant wurde es, als Forstner verkündete, bei den Kommunalwahlen 2020 „definitiv“ nicht mehr auf der Liste der Bürgervereinigung zu kandidieren. Zwischenmenschlich, das betonte der 49-Jährige Inhaber einer Maler- und Bodenlegerfirma, habe es mit den BV-Fraktionskollegen keine Probleme gegeben: „Das wird auch bis zum Ende der Wahlperiode gut klappen. Die Bürgervereinigung ist ein netter Haufen, und die Zusammenarbeit war immer super.“ Aber: „Die Ziele und Absichten passen nicht mehr zusammen. Ich habe andere Vorstellungen zur Ortspolitik.“ So müsse man inhaltlich wesentlich konkreter und mehr ins Detail gehen. „Ich bin 2014 neu in den Gemeinderat gekommen, inzwischen aber aus der Lernphase heraus.“

Forstner ärgert es, dass Peißenberg als Kommune „ohne staatliche Zuschüsse nicht handlungsfähig“ ist: „Das ist ziemlich erbärmlich“, kritisierte er. Das Problem sei: In der Gemeinde werde in vielen Themenfeldern „nur reagiert“. „Es gibt so viele Dinge in Peißenberg, bei denen man viel zu lange nur zugeschaut hat.“ Forstner nannte als Beispiel das kommunal subventionierte Eisstadion: „Das wird uns auf die Füße fallen – auch wenn der TSV der Träger ist. Es wird bei der Gemeinde hängen bleiben.“

Es war kein Zufall, dass Forstner bei Enders’ Bürgersprechstunde zugegen war. Erste Kontakte hatte es bereits Ende 2018 gegeben. Er könne sich „sehr gut mit den Freien Wählern identifizieren“, konstatierte Forstner: „Es hat mir gefallen, dass sie vor der letzten Landtagswahl gesagt haben: ,Wir wollen in Bayern mitregieren‘.“

Und wie sieht es auf lokaler Ebene aus? Geht Forstner bei den Kommunalwahlen 2020 nun für die Freien Wähler ins Rennen? Darüber hielt man sich noch bedeckt. „Natürlich sind wir bemüht, die Freien Wähler zur Kommunalwahl noch breiter aufzustellen“, erklärte Enders. Gerade in Zeiten von rechtspopulistischen Tendenzen sei es wichtig, die politische Mitte zu stärken: „Mehr Ortsverbände der Freien Wähler würden dem Landkreis sicher guttun.“ Aber im konkreten Fall seien noch keinerlei Fakten geschaffen worden. „Ich bin vorsichtig und stelle keine Hypothesen auf. Offizielles gibt es von mir erst“, so Enders, „wenn wir die Einladungen für die Nominierungsversammlung verschicken.“ Derzeit, so hieß es bei der Bürgersprechstunde, würde man sich noch in der „Kennenlernphase“ befinden. „Ich weiß es wirklich selbst noch nicht. Es müssen sich alle Beteiligten sicher sein“, beurteilte Forstner einen möglichen Einstieg bei den Freien Wählern. Zu den „Beteiligten“ gehört auch Walter Wurzinger, der sich nach seinem Austritt aus der CSU der Marktratsfraktion der Bürgervereinigung angeschlossen hat. Der frühere Ortsverbandschef der Christsozialen hatte sich ebenfalls zur Bürgersprechstunde angesagt, musste kurzfristig aber aus beruflichen Gründen absagen. Auf Nachfrage der Heimatzeitung erklärte Wurzinger, dass „noch nichts spruchreif“ sei und „alles noch in den Kinderschuhen stecken“ würde. Und wie geht es nun weiter? „Wir werden weiter im Gespräch bleiben“, kündigte Enders an: „Wir sind offen für alles. Was kommt, das kommt.“

Bernhard Jepsen

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