Veranstaltung zum Internationalen Frauentag in Peißenberg: „Für die Frau, das Leben, die Freiheit“

Den Weltfrauentag widmete die Frauen Union Weilheim-Schongau dieses Jahr der Situation im Iran. Ein bewegender Vortrag der gebürtigen Iranerin Shabnam Hellmuth erhielt stehende Ovationen. Ihr Wunsch nicht nur an die Anwesenden: Man müsse weiter hinschauen.
Peißenberg – Die Freude war groß bei den Mitgliedern der Kreis-Frauen-Union darüber, dass bei ihrer Veranstaltung anlässlich des Weltfrauentags weit mehr Gäste begrüßt werden konnten, als man erwartet hatte. Das lag sicher auch an der Gastrednerin: Um auf die Situation der Menschen im Iran aufmerksam zu machen, sprach die Iranerin Shabnam Hellmuth über die Situation in ihrem Geburtsland.
Sie berichtete im Saal der „Post“ ergriffen von der Unterdrückung, von Gewalt, von Menschen, die zu Unrecht sterben. Die bisherigen Schreckenszahlen: mehr als 600 Tote, darunter viele Kinder, tausende Inhaftierte – Dunkelziffer unbekannt.
„Es ist kein Leben, es ist ein Existieren“, sagt sie mit zittriger Stimme über die Lage im Iran. Dass die ersten inhaftierten Frauen infolge der aktuellen Proteste „Frau, Leben, Freiheit“ wieder freigelassen wurden, das stimme vorsichtig hoffnungsvoll. Es sei die öffentliche Aufmerksamkeit, die das diktatorische Regime im Iran fürchte.
Durch ihre Initiative möchte sie ihren Teil dazu beitragen, die Reichweite zu vergrößern. Letztendlich läge es aber vor allem an der europäischen Politik, dass sich wirklich etwas ändern könne. Eine immer wieder benannte Forderung: die Iranische Revolutionsgarde auf die Terrorliste der EU zu setzen.
Katrin Staffler (CDU) und Dorothee Bär (CSU) haben Patenschaften für zu Unrecht inhaftierte Iraner übernommen. Bär schaltete sich per Video aus New York zu, Staffler war persönlich anwesend. Die Proteste müssten überall stattfinden, nicht nur in den großen Städten. Das Engagement der Frauen Union und von Shabnam Hellmuth sei deshalb so wichtig.
Angelika Flock sprach im Namen der Frauen Union Weilheim-Schongau zu den Gästen: „Vielleicht macht es uns im Westen etwas demütig und dankbar für das Leben, das wir leben dürfen.“ Man sei sich sofort einig gewesen, das Thema aufzugreifen und im Rahmen der Veranstaltung zum Weltfrauentag Raum zu geben.
Auch viele Männer kämpfen für die Freiheit der Frauen in Iran. Das zeigt das Beispiel des 39-jährigen Mohammad Hosseini, der für sein Engagement in der Protestbewegung im Januar hingerichtet wurde. Hellmuth zitierte aus seinem Abschiedsbrief: „Nach Tagen und Nächten des Widerstands unter schwerer Folter zwangen sie mich, die Lüge zu gestehen, die sie hören wollten, und das Verbrechen zu bekennen, das ich nicht begangen hatte.“ „Für die Frau, das Leben, die Freiheit“, lautet auch eine der letzten Zeilen von „Baraye“, dem Lied, das die Freiheitsbewegung in Iran begleitet. Für sein Lied erhielt der Sänger Shervin Hajipour lebenslanges Berufsverbot. Es rundete Hellmuths berührende Rede an jenem Abend ab.
Shabnam Hellmuth fühle sich zwar inzwischen in Deutschland angekommen und zuhause. „Doch in letzter Zeit höre ich mein persisches Herz lauter schlagen denn je. Lasst die Menschen diesen Verrat an den Menschenrechten nicht vergessen“, bittet sie, sichtlich mitgenommen.
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Damit sich etwas ändern könne, müsse man weiter hinschauen. „Sobald der Druck weg ist, können die Mullahs ungestört weitermachen.“ Hoffnungsvoll sagt sie: „Wenn nur eine einzige Person, die diese Veranstaltung besucht hat, morgen darüber spricht, dann habe ich mein Ziel erreicht.“
Larissa Glas