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Glyphosat.

Generell bleiben Unkrautvernichter aber erlaubt

Marktrat stimmt gegen Glyphosat

Der Marktrat Peißenberg stimmte  gegen Glyphosat auf  kommunalen Flächen. Selektive Unkrautvernichter  sollen aber erlaubt bleiben.

Peißenberg – Betont sachliche und niveauvolle Debatten im Marktrat – ja, es gibt sie wirklich. Zum Beispiel in der jüngsten Gremiumssitzung, als es um ein Verbot von chemischen Pflanzenschutz- und Unkrautvernichtungsmitteln auf gemeindeeigenen Flächen ging. Die Hauptprotagonisten der Diskussion: Georg Hutter (CSU/Parteilose) und Matthias Reichhart (Bürgervereinigung). Eigentlich schien der Tagesordnungspunkt nur noch eine Formsache zu sein. Der vorberatende Bauausschuss hatte einhellig eine Beschlussempfehlung verabschiedet, wonach auf sämtlichen kommunalen Grundstücken inklusive der verpachteten Flächen, keine chemischen Unkrautvernichter mehr eingesetzt werden dürfen – und zwar ausnahmslos (wir berichteten).

Das Komplettverbot ging Georg Hutter allerdings zu weit. Er forderte im Gemeinderat, den Beschluss auf Glyphosat zu beschränken – das aber nachdrücklich: „Da gibt es keinen Zweifel. Den Einsatz von Glyphosat zu verbieten, das ist richtig und sinnvoll“, betonte der Landwirt – wobei ihm zufolge der umstrittene Unkrautvernichter in Peißenbergs Landwirtschaft ohnehin schon lange keine Rolle mehr spiele. Die Gemeinde habe etwa 59 Hektar verpachtet. Der Großteil werde zur Grünlandbewirtschaftung genutzt. Lediglich drei Bauern würden auf kommunalen Flächen Ackerbau betreiben – „aber selbst dort ist in den letzten 20 Jahren kein Glyphosat mehr verwendet worden“, erklärte Hutter.

Weil die klimatischen Anbaubedingungen in der Region nicht optimal seien, sei es jedoch „schwierig“, generell auf chemische Unkrautvernichter zu verzichten. Hutter zielte dabei auf „selektive Mittel“ ab, die im Unterschied zum Glyphosat als Breitbandherbizid „keine Totalvernichter von Grünpflanzen“ seien.

Der Gemeinderat von CSU/Parteilose brachte aber noch ein weiteres Argument ins Spiel: Auf den heimischen Grünlandflächen, so Hutter, würde sich zunehmend das hochgiftige Jakobskreuzkraut breitmachen. Eine wirksame und einfache Bekämpfung sei nur über Pflanzenschutzmittel möglich: „Wir müssen bei dem Beschluss auch an Sachen denken, die für uns künftig zum Problem werden könnten“, warnte Hutter – und: „Wenn wir alleine in Peißenberg sämtliche Pflanzenschutzmittel verbieten, dann haben wir die Welt noch nicht verändert.“ Dem widersprach Matthias Reichhart: „Das sehe ich anders. Wir können sehr wohl in kleinen Schritten anfangen.“ In Hamburg zum Beispiel seien nicht nur sämtliche chemischen Unkrautvernichter, sondern auch Insektizide verboten worden – „und dort gibt es für den Ackerbau auch kein besseres Klima“, argumentierte Reichhart: „Mir persönlich geht es um die Grundtendenz. Mir ist eine ökologische Landwirtschaft lieber als eine, die auf chemische Mittel setzen muss.“ Unkraut könne auch mechanisch entfernt werden, und der Verzicht auf die Chemiekeule würde die Landwirte auch nicht in ihrer Existenz gefährden – im Gegenteil: „Schaut euch den Sendl Michi an. Der schaut nicht so aus, als ob er verhungern würde“, sagte Reichhart und deutete auf die Besucherbänke im Sitzungssaal des Rathauses, wo „Biomichl“-Inhaber Michael Sendl die Debatte verfolgte.

Bürgermeisterin Manuela Vanni ließ schließlich stufenweise über den Beschluss abstimmen. Dabei votierten zunächst alle Gemeinderäte für das Glyphosat-Verbot. Im zweiten Schritt sprach sich eine Mehrheit von 13:8-Stimmen dafür aus, die Verwendung von selektiven Unkrautvernichtern nicht auszuschließen.

Der zweite Teil des Beschlusses wurde mehr oder weniger unter Vorbehalt gefasst. Die Bürgermeisterin will jedenfalls das Thema „Selektive Pflanzenschutzmittel“ in der nächsten Gemeinderatssitzung noch einmal auf die Tagesordnung setzen.

Bis dahin soll die Rathausverwaltung weitere Fachinformationen zusammentragen. Nicht mehr gerüttelt wird indes am Glyphosat-Verbot: „Wir wollen damit ein Zeichen nach außen setzen“, erklärte Vanni. Die Gemeinde soll laut Beschluss übrigens auch an die örtlichen Baumärkte „Dehner“ und „Hagebau“ einen offiziellen Appell richten, Glyphosat aus ihrem Sortiment zu nehmen.

Bernhard Jepsen

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