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Patrick Bastian (l.) und Ulrich Mansfeld vor der umgestalteten Trafostation an der Wilhelm-Röntgenstraße.

Ungewöhnliche Aktion in Peißenberg

Graffiti am Trafohäuschen – aber legal

  • Bernhard Jepsen
    VonBernhard Jepsen
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Narrenhände verschmieren Tisch und Wände – leider auch Trafostationen. Hauptleidtragende sind dabei die Peißenberger Gemeindewerke. Das Kommunalunternehmen (KU) hat nun ein Projekt gestartet, das die Schmierereien eindämmen soll. Das Aktionsmotto klingt zunächst widersprüchlich - nämlich: „Graffiti als Graffitischutz“.

Peißenberg – Ja, wer sprüht denn da am helllichten Tag in Peißenberg eine Trafostation an? Ist da vielleicht einer der illegalen Sprayer unterwegs, der sein Gekrakel an die Wände schmieren will? Nein, bei Patrick Bastian geht alles mit rechten Dingen zu. Der Art-Design-Künstler aus Augsburg ist im Auftrag der Gemeindewerke tätig: „Da ist alles in Ordnung“, berichtet KU-Mitarbeiter Ulrich Mansfeld und schmunzelnd: „Man sieht es auf den Rechnungen von Herrn Bastian – alles mit Steuernummer.“ Bastians Fach sind fotorealistische Wandgemälde. Die Motive sollen nicht nur die Optik der Trafostationen aufhübschen, sondern illegale Sprayer abhalten. „Die Graffiti wird dann quasi zum Graffitischutz“, erklärt Mansfeld. Und das scheint auch zu funktionieren.

In Augsburg zum Beispiel haben die Stadtwerke bereits 50 ihrer Technikgebäude durch professionelle Art-Künstler oder über Workshops und soziale Einrichtungen bemalen lassen. „Nur wenige wurden noch einmal beschmiert“, berichtet Mansfeld. Die illegalen Sprayer würden eben weiße Wände bevorzugen. Außerdem hätten sie vor den Malkünsten ihrer legalen Kollegen gleichermaßen Respekt wie vor Protagonisten aus der Szene, die ihre Werke mit speziellen Signaturen respektive territorialen Markierungen versehen. Mansfeld glaubt fest daran, dass professionelle Graffiti „effektiv“ vor Schmierereien schützen kann. Andere Möglichkeiten haben die Gemeindewerke zwar auch geprüft, aber das Auftragen von Antihaftgrund erleichtert nur die Reinigung der Trafostationen, verhindert aber nicht die erneute Verunstaltung. Auch eine Fassadenbegrünung hat ihre Nachteile: Im Boden rings um die Trafohäuschen sind Erdungsbänder eingebracht, auch würden die Kabelschächte eine Bepflanzung eher schwierig machen. Und neben der Schutzwirkung haben die professionellen Graffiti-Bemalungen laut Mansfeld eben einen weiteren großen Vorteil: „Die Trafostationen werden zu echten Blickfängen.“

Insgesamt sollen 13 Technikhäuschen ein neues Design erhalten – unter anderem mit Motiven, die einen Bezug zum Tätigkeitsfeld der Gemeindewerke haben. An der Wilhelm-Röntgenstraße wurde zum Beispiel das Thema „Trinkwasser“ mit seiner natürlichen Herkunft und seiner Bedeutung für das irdische Leben aufgegriffen. Auch an der Trafostation in der Otto-Hahn-Straße ist Patrick Bastian bereits fleißig am Sprayen. Statt auf eine weiße Wandfassade wird der Betrachter dort bald einen offenen Schaltschrank bewundern können – und einen Waschbären, der sich ins Trafohäuschen geschlichen hat. Alles täuschend echt.

Als weitere Motive stehen ein Hexenhaus und Impressionen zu den Themen „Rigi-Rutsch’n“, „Schwimmen“, „grüner Strom“ sowie „Tiere“ und „Natur“ auf dem Programm. Auch die Städtepartnerschaft mit St. Brevin soll bildlich hervorgehoben werden – ebenso wie die Knappengedächtniskapelle oder das Raumschiff Orion. Die Außenaufnahmen für die Fernseh-Kultserie aus den 1960er Jahren wurden auf der Neuen Bergehalde gedreht. Die Gestaltung von drei Trafostationen rund um das Wohnquartier in der Hans-Böckler-Straße sollen wiederum von Jugendlichen unter Anleitung eines Peißenberger Tattoo-Studio-Betreibers in Form von Jugend-Projekten entworfen und realisiert werden. In zwei Jahren, so sieht es der Zeitplan der Gemeindewerke vor, soll das Graffiti-Projekt abgeschlossen sein.

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