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Susann Enders (rote Jacke) unterhielt sich mit Landwirten über das Gewerbegebiet Ost. 

Grundstückseigentümer  sind sauer

Beim Gewerbegebiet Ost brodelt es weiter

2017 hat der Marktrat beschlossen, das Gewerbegebiet Peißenberg Ost per Umlegungsverfahren zu realisieren. Anlass dafür waren die gescheiterten Grundstücksverhandlungen. Gespräche mit den Landwirten hat es seitdem nicht mehr gegeben. Bei einem Ortstermin mit MdL Susann Enders machten die Grundeigentümer nun ihrem Ärger über die Gemeinde Luft.

Peißenberg – „Fraktion unterwegs“: Unter diesem Motto touren derzeit die Landtagsabgeordneten der Freien Wähler (FW) durch Bayern. Auch Susann Enders bemüht sich um Bürgernähe: „Es nützt nichts, wenn wir in München im Elfenbeinturm sitzen. Wir wollen wissen, wo es draußen brennt“, erklärte die Weilheimerin bei ihrem Besuch in Peißenberg. Mit dem geplanten Gewerbegebiet Ost stand dabei ein diffiziles Thema auf der Agenda.

Die Gemeinde versucht seit über zehn Jahren östlich der Umgehungsstraße zwischen Guggenberg und Pollinger Straße (B 472) ein Gewerbegebiet zu entwickeln. Immer wieder wird auf die ortspolitische Bedeutung des Projekts verwiesen. Das Gewerbegebiet, so heißt es, würde Arbeitsplätze schaffen und Steuereinnahmen generieren. Trotz der Diskussionen um den fortschreitenden Flächenfraß schließt sich generell auch Enders dieser Argumentation an: „Gewerbegebiete kann man verteufeln, aber wenn es der Wirtschaft vor Ort nicht gut geht, dann geht es auch der Gemeinde nicht gut.“ Eine Einschränkung macht Enders aber: So müsse die Flächenausweisung „sensibel und maßvoll“ erfolgen. Doch beim Gewerbegebiet Ost ging man von Seiten der Gemeinde zunächst in die Vollen.

Ursprünglich war die Ausweisung von 16 Hektar geplant. Nach massiven Protesten der Landwirte wurde das Plangebiet auf neun Hektar reduziert. Doch handelseinig wurde man sich trotzdem nicht – obwohl man „offen und marktüblich“ verhandelt habe, wie die Grundeigner beim Ortstermin unisono beteuerten: „Es ist daran, gescheitert, dass von der Gemeinde gewisse Sachen nicht eingehalten wurden“, kritisierte Landwirt Leonhard Schleich (siehe auch Artikel rechts).

Beim Geld hielten sich die Eigentümer beim Treffen mit Enders bedeckt. Konkrete Angaben darüber, so wurde befürchtet, könnten von der Öffentlichkeit falsch ausgelegt werden. Walter Wurzinger, FW-Gemeinderat, verwies bezüglich der Verhandlungen auf die Vermittlerrolle der Fraktionssprecher im Marktrat: „Es war soweit eigentlich alles klar, aber als es um den Preis ging, waren wir außen vor.“ Die Verantwortung habe dann allein bei der Gemeinde gelegen.

Nach wie vor fragen sich die Landwirte, ob das Gewerbegebiet überhaupt nötig ist. Auf der ehemaligen Friedhofserweiterungsfläche, so wird argumentiert, würde es sehr wohl Alternativflächen geben. Martin Härtle beschwor beim Ortstermin zudem den Naturschutz: „Ökologisch wäre das Gewerbegebiet der Wahnsinn. Das sind die besten landwirtschaftlichen Böden von Peißenberg“, monierte der Nebenerwerbslandwirt: „Alles redet vom Klimawandel, aber dann pflastert man in Peißenberg alles zu.“ Und: „Peißenberg werden wir mit dem Gewerbegebiet finanziell sicherlich nicht sanieren.“

Sauer stößt Härtle zudem auf, dass sich im Plangebiet offenbar keine örtlichen Betriebe ansiedeln sollen: „Frau Vanni (gemeint ist Peißenbergs Bürgermeisterin. Anm. d. Red.) hat uns gesagt, dass man die da draußen gar nicht haben will“, so Härtle. Stattdessen würden unter anderem Speditionsfirmen, eine Tankstelle und eine Fast-Food-Kette auf der Liste stehen.

Zweck eines Gewerbegebiets müsse es sein, die örtlichen Firmen zu stärken, meinte Enders. „Wir müssen auf uns schauen und nicht auf ausländische Gewerberiesen“, so Enders: „Wenn man die eigenen Leute von vornherein außen vorlässt, dann verwundert mich das.“

FW-Gemeinderat Jürgen Forstner wiederum bezeichnete beim Ortstermin das Umlegungsverfahren als „Wahnsinnsinstrument“, das gestoppt werden müsse. Ein Gewerbegebiet für die örtlichen Betriebe sei zwar nötig, „aber bitte im Einvernehmen mit den Eigentümern“. Auch Wurzinger verwies auf die Regionalität: Das Gewerbesteuersystem zwinge die Kommunen in einen Konkurrenzkampf. Doch in der Gesamtschau würde es keinen Sinn machen, wenn sich die Kommunen gegenseitig Gewerbe abziehen.

Bernhard Jepsen

Lesen Sie hier mehr über das Gewerbegebiet Ost

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