1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Peißenberg

Überraschende Entscheidung: Haberl verlässt Gemeindewerke Peißenberg

Erstellt:

Von: Bernhard Jepsen

Kommentare

Verlässt die Gemeindewerke Peißenberg: Ingrid Haberl. archiv gronau
Verlässt die Gemeindewerke Peißenberg: Ingrid Haberl. archiv gronau © Gronau

Seit gut vier Jahren ist Ingrid Haberl das Gesicht der Peißenberger Gemeindewerke, sie hat dem Kommunalunternehmen (KU) ein modernes Image verpasst und das Leistungsportfolio erweitert. Doch bald ist für die 55-Jährige Schluss. Haberl wird ihren Vertrag als KU-Vorständin nicht verlängern.

Peißenberg – Es ist eine Nachricht, mit der wohl nur wenige gerechnet haben dürften: Ingrid Haberl wird ihren Ende September 2022 auslaufenden Anstellungsvertrag als Vorständin der Gemeindewerke nicht verlängern. Vergangene Woche informierte sie den KU-Verwaltungsrat, danach die Mitarbeiter der Gemeindewerke. Bei einigen sitzt der Schock tief. Haberl hat das KU im Juli 2017 übernommen. Sie hat neuen Schwung in den Betrieb gebracht und einen Führungsstil entwickelt, der bei den Mitarbeitern ankam und motivierend wirkte. Haberl genoss ob ihrer empathischen und authentischen Art sowie ihrer fachlichen Qualitäten hohes Ansehen – auch in der Kommunalpolitik. Ihr Wort hatte Gewicht. Warum es nun zum Abschied kommt? Haberl führt ausschließlich persönliche Gründe an. Im Gespräch mit der Heimatzeitung spricht sie von einem „längeren Abwägungsprozess“. Haberl war vor ihrem Engagement bei den Gemeindewerken in der freien Wirtschaft bei einem größeren Unternehmen unter anderem als Leiterin der Geschäftseinheit für Zukunftstechnologien tätig. „In den letzten Jahrzehnten hatte ich nur in geringem Maße Zeit für mein Privatleben“, erklärt Haberl. Genau das will sie nun ändern und das „Arbeitspensum runterschrauben“.

Natürlich wird im Umfeld der Gemeindewerke dennoch spekuliert. Hätte die Verwaltungsratsspitze um Bürgermeister Frank Zellner (CSU) vielleicht früher auf Haberl zukommen müssen, um die Vertragsverlängerung zu fixieren? Oder hätte man finanziell mehr bieten müssen? Haberl winkt bei diesen Fragen ab. Finanziell, so betont sie, hätte man sich einigen können. Auch die zwischenzeitlichen Dissonanzen mit Zellner (siehe Kasten) seien keine Beweggründe gewesen. Ihr Abschied sei vielmehr eine „weitreichende Lebensentscheidung“ gewesen, bei der sie sich weder von „impulsiven Befindlichkeiten“ noch anderen Widrigkeiten hätte leiten lassen. Auch, dass man ihrer Bitte nach einer politischen Zielformulierung für die Werke nicht nachgekommen sei, habe letztlich ihren Entschluss nicht beeinflusst: „Mehr als einen Kompromiss hätte die Verwaltungsratsspitze nicht rausholen können“, erklärt Haberl. Im Klartext heißt das: Sie hätte maximal noch für ein oder zwei Jahre unterschrieben.

Haberls Abschied fällt in eine Zeit, in der sich die Gemeindewerke in durchaus schwierigem Fahrwasser befinden. Die Rahmenbedingungen für kleinere Kommunalwerke werden nicht einfacher. Die Anzahl der Regularien nimmt stetig zu, und der technologische Fortschritt bietet nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Hinzu kommt die sich rasant verändernde Arbeitswelt mit einem gravierenden Fachkräftemangel. Bei den Gemeindewerken gibt es dazu noch spezielle Baustellen. Die ambulante Reha im Gesundheits- und Bäderpark schreibt rote Zahlen, obwohl sie eigentlich einen erklecklichen Beitrag zur Finanzierung der „Rigi-Rutsch’n“ hätte beitragen sollen.

Haberl sieht die Problematik mit dem Bäderdefizit nicht als das zentrale Thema bei den Werken. Das Unternehmen müsse in Zukunft ganz andere Herausforderungen bewältigen. Ob Haberl vor den Problemen davonläuft? „Es ist ganz klar keine Flucht“, konstatiert sie energisch: „Das, was in den vergangenen Jahren geschaffen wurde, ist sehr viel – und es wirkt nachhaltig.“ Die Gemeindewerke seien ein Unternehmen, das zu keinem Zeitpunkt alle seine Aufgaben als abgeschlossen betrachten könne: „Dieser Zustand wird hier nie eintreten“, sagt Haberl. Damit gebe es aber auch logischerweise nie den richtigen Zeitpunkt für einen Abschied.

Die Mitarbeiter hätten sich während ihrer Vorstandszeit „gut emanzipiert“. Die einzelnen Sparten würden eigenständig funktionieren. „Das operative Geschäft können die Mitarbeiter gut meistern“, glaubt Haberl. Dennoch: „Der Abschied fällt mir schwer.“ Man spüre eine Verantwortung gegenüber den Werken, der Kommune, den Kunden – und vor allem gegenüber den Mitarbeitern: „Da hadert man schon“, räumt Haberl ein: „Ich mache es mir nicht leicht. Der Vorstandsjob war für mich mehr als ein Beruf.“ Aber am Beschluss, den Vertrag auslaufen zu lassen, sei nicht mehr zu rütteln: „Ich merke, dass ich an meine gesundheitlichen Grenzen komme“, erklärt Haberl. In Rente wird sie allerdings noch nicht gehen. Ihr schwebt eine freiberufliche Tätigkeit als Unternehmensberaterin vor. „Aber damit werde ich mich erst dann beschäftigen, wenn mein Vorstandsmandat endet.“

Auch interessant

Kommentare