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Der Borkenkäfer ist nur einige Millimeter groß: Das zeigte Sonja Scheurer im Peißenberger Nordholz. 

härtere Gangart bei Borkenkäfer-Befall

Jetzt drohen blaue (Käfer-)Briefe

Peißenberg - 30 Waldbesitzer kamen zu einer Begehung. Das Forstamt kündigte eine härtere Gangart bei einem Borkenkäfer-Befall im Privatwald an.

 Sonja Scheurer steht mit knapp 30 Waldbesitzern am Parkplatz an der Alten Bahn in Peißenberg. Die Försterin ist „positiv überrascht, dass so viele gekommen sind“. Gleich geht es auf Exkursionstour in das nahegelegene Nordholz.

Als sich die Gruppe zur Abfahrt bereitmacht, kramt Scheurer zur allgemeinen Verwunderung eine Schnupftabakdose aus ihrer Hosentasche hervor. Doch der Schnupftabak ist bei der Informationsveranstaltung zum Thema „Wie erkenne ich frischen Borkenkäferbefall?“ nur Anschauungsmaterial. Er soll das rotbraune Bohrmehl symbolisieren, das der Buchdrucker vorzugsweise an Fichten hinterlässt. Eingeladen zum Ortstermin im Norden Peißenbergs hatten die Waldbesitzervereinigung (WBV) Weilheim sowie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – und das aus aktuellem Anlass. Nach dem trockenen und heißen Sommer 2015 und den Waldschäden durch Sturm „Niklas“ sind die Borkenkäferpopulationen relativ hoch. Daran ändert vermutlich auch die Regenperiode der letzten Wochen nur wenig: „Der Käfer ist da“, lässt Scheurer bei den Waldbesitzern erst gar keine falschen Hoffnungen aufkommen. Wird das Wetter in den nächsten Wochen wieder heiß und trocken, sieht die Prognose nicht gut aus: „Dann wird es ganz, ganz schlimm“, so Scheurer. Das ist dann auch Problem der privaten Waldbesitzer. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, befallenes Holz aus ihren Wäldern zu entfernen. Nur so kann die Ausbreitung des Borkenkäfers wirksam eingedämmt werden: „Es geht darum, dem Käfer den Brutraum zu nehmen“, betont Scheurer: „Die chemische Keule bringt nicht viel – und man versucht sie auch zu vermeiden, weil die mechanische Bekämpfung eigentlich relativ einfach ist.“ Als Revierleiterin für „Schongau-Ost“ ist Scheurer auch für die Wälder rund um Peißenberg, Polling und Wessobrunn zuständig: „Ich kann auf dieser Fläche nicht allein den Käfer suchen. Das muss jeder von euch selber machen“, sagt Scheurer zu den Waldbesitzern.

.Doch woran erkennt man, dass ein Baum vom Borkenkäfer befallen ist? Unter anderem eben am schnupftabakähnlichen Bohrmehl. Wenn sich der Auswurf am Stammfuß, in Rindenschuppen oder auf Bodenpflanzen ablagert, dann ist für den Waldbesitzer Gefahr in Verzug. Die Vermehrung im betroffenen Forstgebiet geht über die Schwärmphasen rasend schnell. Ausgehend von einem Käfer können in einem Jahr bis zu 100 000 Nachkommen schlüpfen. Der befallene Baum muss deshalb so schnell wie möglich abgeholzt werden. „Lieber ein bis zwei Bäume mehr entfernen und ins Gesunde schneiden“, rät Scheurer. Laut Marc Euer von der Waldbesitzervereinigung (WBV) liegt der Holzpreis derzeit bei etwa 85 Euro je Festmeter. Für „Borkenkäfer-Holz“ gibt es rund 20 Euro weniger – je nach Intensität des Befalls. „Wir vermarkten euer Holz. Wir haben große Verträge bei den Sägewerken“, warb Euer für die WBV.

Und was passiert, wenn die Waldbesitzer in puncto „Borkenkäfer“ trotz Aufforderung untätig bleiben? Dann verschickt das Forstamt einen „Käferbrief“ mit einer fünftägigen Frist zur Beseitigung der befallenen Bäume.

Erfolgt daraufhin keine Reaktion, bekommt der betroffene Waldbesitzer Post vom Landratsamt. Tut sich dann wieder nichts, lässt das Forstamt auf Kosten des Forsteigentümers die Bäume beseitigen. „Das wird für den Waldbesitzer dann dreimal so teuer“, sagt Scheurer. Das Forstamt werde künftig eine härtere Linie fahren: „Das wird heuer sehr viel strenger geahndet. Wir werden wohl sehr viele ,Käferbriefe‘ verschicken müssen“, kündigt Scheurer an.

Bernhard Jepsen

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