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Handels- und Gewerbeverein Peissenberg

Das Schicksal hängt am seidenen Faden

Peißenberg - Um den Handels- und Gewerbeverein Peißenberg steht es schlecht. Findet sich kein neuer Vorsitzender, wird er aufgelöst.

 Man merkt es Manfred Fiebig an: Über die Situation beim kriselnden Handels – und Gewerbeverein zu reden, das fällt dem kommissarischen Vorstand nicht leicht. Vor gut zwei Monaten noch hatte er im Gespräch mit der Heimatzeitung betont, den Verein nicht sterben lassen zu wollen. Aber es sieht nicht gut aus: Ein Nachfolger im Amt des Vorsitzenden ist nach wie vor nicht in Sicht – schlimmer aber noch: Die Peißenberger Gewerbetreibenden zeigen keinerlei Interesse an dem Verein.

Selbst die Zeitungsberichte Anfang des Jahres über die internen Querelen haben die meisten offenbar kalt gelassen: „Das hat eigentlich keinen gejuckt. Es hat sich niemand gemeldet“, berichtet Fiebig, dessen Gemütslage entsprechend traurig aussieht: „Ich fühle mich nicht gut. Zwar habe ich keinen persönlichen Schaden, aber ich hätte gern etwas bewirkt. Mir würde die Aufgabe ja eigentlich Spaß machen.“ Doch Fiebig und seine vier Kollegen vom kommissarischen Restvorstand (Josef Habersetzer, Thomas Palmberger, Jürgen Forstner und Martina Steidl) haben nun die Notbremse gezogen. Bei einer Gremiumssitzung Mitte Februar kam man überein, dass eine Fortführung des Vereins in der jetzigen Konstellation keinen Sinn mehr macht. „Wir machen die Arbeit, und die anderen reden blöd daher. Das wäre nicht mehr gegangen“, sagt Fiebig.

Für Dienstag, den 29. März, wurde nun eine Hauptversammlung mit Neuwahlen terminiert. Sollte sich kein Nachfolger für Fiebig als Vorsitzender finden, dann wird die Auflösung des Vereins in die Wege geleitet. „Ich habe momentan keine Hoffnung, dass sich jemand meldet und den Vorsitz übernehmen will“, ist Fiebig wenig optimistisch. „Wenn nichts weitergeht, dann wird der Verein liquidiert. Dann braucht ihn offenbar auch keiner mehr.“

Der Handels- und Gewerbeverein Peißenberg wäre dann nach 108 Jahren Geschichte. Streitthema war zuletzt immer wieder die Organisation der Marktsonntage respektive deren Standort in der Schongauer Straße oder der Hauptstraße.

Aber auch sonst demonstrierte das Gewerbe selten Geschlossenheit: „Die Denkweise bei vielen war, ,ja, ich bin dabei, aber nur wenn der und der nicht mitmachen‘“, beschreibt Fiebig das Problem. Vor allem gegenüber dem Neidhart-Einkaufspark habe es immer wieder Ressentiments gegeben: „Sicher ist das ein Konkurrent, aber auch ein großes Zugpferd für Peißenberg. Das wollen die meisten Ladenbesitzer aber nicht sehen.“

Eine Spaltung der Peißenberger Geschäftswelt nach Ortsteilen wäre laut Fiebigs Meinung „das Dümmste, was man machen könnte“: „Man kann keinen Verbund nur für ein paar Einzelhändler machen. Es geht nur gemeinsam“, betont Fiebig.

Sollte der Gewerbeverein tatsächlich liquidiert werden, wollen er und seine Vorstandskollegen zunächst in kleinem Kreis im Rahmen einer Interessensgemeinschaft weiterarbeiten. Unter anderem soll es Hausmessen und Dozentenvorträge geben. „Wir fünf machen etwas für uns und schauen, wer sich dranhängt“, kündigt Fiebig an.

Bernhard Jepsen

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