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Mit Gesten, Worten, Klavier und Bass sorgte Kabarettist Han’s Klaffl für einen unterhaltsamen Abend in der Peißenberger Tiefstollenhalle.

Kabarettist Han's Klaffl in Peißenberg

In zweierlei Hinsicht atemberaubend

Peißenberg - In der Tiefstollenhalle in Peißenberg hielt Kabarettist Han’s Klaffl bei heißen Temperaturen seine Zuschauer bei Laune, doch lesen Sie selbst:

Dass die Peißenberger Feuerwehr im Einsatz ist, um des Parkplatzchaos vor der Tiefstollenhalle Herr zu werden, ist eher selten. Zum Glück musste sie nicht auch noch im Saal eingreifen, gewundert hätte es nicht. Draußen hochsommerliche 32 Grad, in der überquellenden Halle gefühlte 52. Schon vor Beginn dampfen und schwitzt die leicht bekleidete Masse. Die schweren Vorhänge sind geschlossen, die Lüftung funktioniert nicht. Ein wahrlich atemberaubender Abend kündigt sich an.

Es ist Han’s Klaffl, der das vornehmlich eher unjugendliche Publikum mobilisiert hat. Der inzwischen von grau zu weiß meliert changierte Ex-Pauker mit dem rauen Bart und der weichen Stimme hat sich zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt. Seine herzerweichende Liebenswürdigkeit, gepaart mit pfeilgenau treffender Wortgewandtheit, sein für jede Situation alltagstauglicher Humor, seine mitunter auch fallbeilscharfe Zunge haben ihn längst in den bayerischen Olymp der großen Kabarettisten gehoben. Dort ruht er sich keineswegs aus, auch wenn er inzwischen, wie er gerne stets aufs Neue betont, nun im wohlverdienten Ruhestand schwebt. Nach 40 Jahren enthusiasmierten Musiklehrerdaseins fällt der Abschied schwer, denn das Pädagogenschicksal hat sich tief in Fleisch und Blut, in Herz und Hirn gegraben. Aber „es gibt ein Leben nach dem Gong“.

Mit königlich köstlicher Redensartverdreher-Wortklauberei zitiert Klaffl Kollege Gmainwieser’s Pensionierungs-Laudatio. Klaffls Rückerinnerungen an die Schule sind nicht nur ein sprudelnder Quell der Heiterkeit, sie sorgen für fontänenartig sprühenden Witz. Jeder nörgelt und nöhlt rum, angezogen wie aus der Altkleidersammlung, und erst dieses Müffeln, jeden Morgen das Gleiche. Aber dann erreicht man ja Gott sei Dank das Klassenzimmer und erholt sich.

Klaffl ist ein brillanter Beobachter von kleinsten zwischenmenschlichen Nuancen. Geschmeidig elegant fließen da die Kalauer und Anekdoten aus Unter-, Mittel- und Oberstufe. Mit zwerchfellreizendem parodistischem Talent, herziger Ehrlichkeit, Pubertätscoolness und entnervt geduldigem Lehrerblick schaut er sie alle an, seine Zöglinge.

An Klavier und Bass zelebriert er blühende Bilder aus seiner Unterrichtslandschaft, die er mal mit Augenzwinkern, mal mit unverhohlen scharfer Sozialkritik garniert. Was für gewaltige Umwälzungen zwischen dem einst harmlosen Kinderlied, durch die Kuckucksterz eingeleitet und in jeder Volksschule geträllert, und der heutigen Wahrnehmung Zehnjähriger liegen, bringt den Saal gleich in Wallung. Als flexibler Pädagoge kreiert er flugs die Sexbomb-Terz. Hin und her geworfen zwischen brüllender Komik und bitterer Realsatire, kichert und prustet man, könnte nicht nur sich, sondern glatt auch noch dem Nachbarn auf die Schenkel klopfen vor Vergnügen.

Ob Klaffl sich aufs rutschige Parkett der allzu gern diagnostizierten Hochbegabung wagt, regnerische Bundesjugendspiele organisiert oder frühmorgendliche Parkplatzkämpfe bis zum letzten Zentimeter ausficht, ob er in Arztpraxis, „Aldi“ und Baumarkt zu Feldforschung und Lernzielkontrolle aufbricht, sein pädagogischer Eros ist nicht kleinzukriegen. Zu nochmals gesteigerter Höchstform läuft er auf, wenn es um das „Flexijahr des neunjähri0gen, gedeckelten G8“ geht. Das Kultusministerium wird von Klaffls beißendem Spott geradezu versenkt. Citius – altius – stupidius, Herr Dr. Spaenle! Mit in den Abgrund reißt er auch Bushido, Seehofer und Helene Fischer. Klaffl feuert auf leisen Sohlen. Drei Stunden vergehen wie im Flug. Wie schön muss es sein, wenn man ein Lehrer ist wie er. Es war ein großer Abend.

Von Dorothe Fleege

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