Unterschriften über Unterschriften: Die vorgegebene Bürokratie am Impfzentrum Peißenberg stört auch die Betreiber – bei den Hausärzten soll es einfacher gehen.
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Unterschriften über Unterschriften: Die vorgegebene Bürokratie am Impfzentrum Peißenberg stört auch die Betreiber – bei den Hausärzten soll es einfacher gehen.

Im Landkreis Weilheim-Schongau

Ab April sollen Hausärzte gegen Corona impfen: Erleichterung über einfachen Impf-Nachweis

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
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Die Hausärzte sollen nun doch schon Anfang April eingreifen und gegen Corona impfen. Impfzentrums-Leiter Christian Achmüller hat die Hoffnung auf zusätzliche Standorte dennoch nicht aufgegeben.

Landkreis – So viel zum Thema Verlässlichkeit: Hieß es vor mehr als einer Woche noch, Anfang April werde mit dem Impfen bei den Hausärzten begonnen, wurde das wenige Tage später optimistisch auf Mitte März vorgezogen. Anfang der Woche war plötzlich von Mitte April die Rede, jetzt doch wieder Anfang April – Hausarzt Martin Kayser aus Schongau, ärztlicher Koordinator im Landkreis Weilheim-Schongau für alle niedergelassenen Ärzte, muss selber schmunzeln. „Ich war selbst überrascht, als ich das heute im Radio gehört habe, aber es ist super“, freut er sich.

Auch für Christian Achmüller, Leiter des Peißenberger Impfzentrums, ist das eine gute Nachricht. Schließlich sollen, wie berichtet, ab April täglich 1200 Impfdosen für den Landkreis zur Verfügung stehen. „Zumindest ist uns das so zugesagt worden, wobei es ständig unterschiedliche Äußerungen gibt.“ Höchstens 400 tägliche Impfungen sind in Peißenberg möglich, der Rest müsste an die Hausärzte gehen. Nachdem es ursprünglich hieß, die sollen erst Mitte April starten, und überraschend auch die Schaffung von Impf-Zweigstellen ad acta gelegt worden ist, wäre eine riesige tägliche Lücke entstanden, Hunderte Dosen hätten in den ersten Wochen nicht verimpft werden können.

Doch bei den Impfzentrums-Zweigstellen ist für Achmüller das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Ich warte auf den Widerruf des Widerrufs. Warten wir das nächste Ministerpräsidententreffen ab“, sagt er. Denn er ist überzeugt, dass es neben den Hausärzten auch noch mehr Kapazitäten in Impfzentren braucht, um alle Dosen zügig zu verarbeiten. „Zumindest zu Beginn werden sicher nicht alle Hausärzte gleich voll loslegen können“, glaubt Achmüller.

Alle Informationen zum Coronavirus und den Entwicklungen im Landkreis Weilheim-Schongau finden Sie hier in unserem News-Ticker.

Hausärzte wollen sich weitgehend an vorgegebene Impfreihenfolge halten

Das bestätigt Kayser. Er selbst hat in seiner großen Praxis zwei Ärzte und zwei Arzthelferinnen für das Thema Corona vorgesehen, die zu einem Extra-Termin impfen. Das ist natürlich nicht jedem Hausarzt möglich. Kayser schätzt, dass sich 80 bis 90 Prozent seiner Kollegen beteiligen werden, und rechnet vor: „Wenn man die 800 Impfdosen auf 100 Hausärzte verteilt, kann man sich ausmalen, dass nicht jeden Tag riesige Personenzahlen bei uns geimpft werden können.“

Zumal vorgesehen ist, anfangs vor allem bettlägerige Personen daheim zu versorgen. „Deshalb sollten sich die Bürger zu Beginn nicht zu große Hoffnungen machen, gleich Anfang April bei uns eine Impfung zu bekommen“, sagt Kayser.

Er will sich auch weitgehend an die vorgegebene Impfreihenfolge halten, also erst ältere Personen. „Das kann natürlich nicht ganz streng gehandhabt werden. Weil wir unsere Patienten kennen, wird sicher eine Person in den 60ern mit mehreren Vorerkrankungen vor einem fitten 71-Jährigen geimpft. Aber ein 30-Jähriger sollte sich keine schnellen Hoffnungen machen“, dämpft Kayser allzu große Erwartungen.

Registrierung für Impfung wichtig

Wichtig sei vor allem, dass sich die Über-80-Jährigen auch für eine Impfung anmelden. „Wir haben eine Helferin im Impfzentrum Peißenberg, deren Eltern sich noch gar nicht registriert hatten. Als das passiert ist, haben die gleich am nächsten Tag einen Termin bekommen“, sagt Kayser. Es sei wichtig, bis Ende März mit den Älteren weitgehend durch zu sein.

Eine große Hilfe ist die beschlossene vereinfachte Dokumentation für die Hausärzte. „Wir müssen tagesaktuell nur mitteilen, wie viele Personen wir mit welchem Impfstoff geimpft haben. Alles andere können wir nachliefern.“ Wenn alles unter der Aufsicht von Mitarbeitern des Impfzentrums passieren müsste, wo ein Arzt sieben Mal unterschreiben muss und der Patient drei Mal, wäre das nicht machbar gewesen, ist sich Kayser sicher. „Allein das Einscannen der Dokumente dauert ewig, die Bürokratie ist wirklich Wahnsinn.“

Das weckt natürlich Begehrlichkeiten auch bei Achmüller. „Wenn die Hausärzte die vereinfachte Dokumentation nutzen können, wollen wir das natürlich auch.“ Dann seien noch viel mehr Termine auch im Impfzentrum machbar.

Von wegen Skandal

„Skandal am Impfzentrum Peißenberg“, lautet die Betreffzeile einer anonymen Mail, die gestern in der Redaktion einging. Tenor: In Peißenberg würde der Impfstoff AstraZeneca bei über 65-Jährigen ohne rechtliche Zulassung verimpft. Ein 87-jähriger Verwandter sollte am Dienstag, 9. März, damit geimpft werden, „hätten wir nicht reagiert und den Termin wieder abgesagt“, schreibt der Unbekannte. Das Bundesgesundheitsministerium habe nach einem Telefonat am selben Tag bestätigt, dass keine Zulassung zur Impfung von AstraZeneca bei über 65-Jährigen in Bayern vorliege. „Es ist rechtswidrig, was dort passiert“, so die Meinung des Mail-Schreibers.

Christian Achmüller, Leiter des Impfzentrums, kann die Aufregung nicht verstehen. Ja, es werde AstraZeneca an über 65-Jährige verimpft, weil das seit dem Abend des 6. März erlaubt sei. In einer Mail der Regierung von Oberbayern, die der Redaktion vorliegt und die an alle Impfzentren in Oberbayern ging, steht gleich zu Beginn: „Die Altersbeschränkung für AstraZeneca nur für Personen, die nicht älter als 65 Jahre sind, entfällt. Bei der Terminvergabe werden Personen über 65 Jahre nun alle Impfstoffe angeboten. Gleichzeitig erfolgt für Personen unter 65 Jahre keine prioritäre Zuweisung von Terminen mit AstraZeneca mehr.“ Dieser Beschluss erfolge aufgrund der aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. „Es ist also alles ordnungsgemäß gelaufen“, betont Achmüller.

Dass es bei der Akzeptanz von AstraZeneca nicht reibungslos läuft, ist kein Geheimnis. Wobei die Ablehnungsquote im Landkreis ebenso wie im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu den niedrigsten Oberbayerns gehört, wie der Garmischer Landrat Anton Speer am Donnerstag in seinem Kreistag sagte. Seit diesem Tag nehme die Kritik aber auch bei Patienten in Peißenberg wieder zu wegen der Todesopfer, die angeblich mit der Impfung in Verbindung stehen können und zum Aussetzen des Mittels in mehreren Ländern geführt hat.

„Bei uns erfährt man bei der Terminvergabe, mit welchem Mittel man geimpft wird, da gibt es bei uns nur wenig Reklamationen“, bestätigt Achmüller. Wer eine Impfung mit AstraZeneca ablehne, könne beim Termin nur in absoluten Ausnahmefällen mit einem anderen Mittel versorgt werden. „Das ist problematisch, weil der natürlich dann jemand anderem fehlt“, so Achmüller.

Lesen Sie auch: Mit einer „SCHAU FENSTER FENSTER SCHAU“ startet am Sonntag der Kunst-März Schongau. Nach dem Peitinger Vorbild, wo bereits in den vergangenen Wochen viele Künstler ihre Bilder zeigten, geht es nun in der Lechstadt weiter. Bis Ende März sind die Werke an 27 Stationen in der Altstadt zu sehen.

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