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Ein Ensemble, das seine Aufgabe mit viel Humor angeht: die Kolpingtheaterer aus Peißenberg, die aktuell das Stück „Alois, wo warst du heute Nacht?“ auf die Bühne bringen.

Kolpingtheaterer Peißenberg

Hinter den Kulissen bei der Premiere: Wenn die Regisseurin zur „Baldrian-Zeit“ ruft

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Am Freitag startete die Theatergruppe der Peißenberger Kolpingsfamilie ihre heurige Spielsaison. Ein Blick hinter die Kulissen verrät, welche Rituale das Ensemble pflegt und welcher Aufwand hinter den Auftritten steckt.

Peißenberg – Freitag, 18.30 Uhr: Eigentlich sollte es für die Kolpingtheaterer langsam ernst werden. In anderthalb Stunden beginnt die Premiere für das Bühnenstück „Alois, wo warst du heute Nacht?“ Doch von „Ernst“ ist in den Katakomben der Tiefstollenhalle nichts zu spüren. Es wird gewitzelt und gelacht, vor allem im Schminkraum. Dort kümmern sich Heidi Völk (Maske) und Gisela Holzer (Frisuren) vornehmlich um das Outfit der Darstellerinnen.

Aber auch das männliche Geschlecht darf – oder muss – Platz nehmen: „Die Männer bekommen von mir Streicheleinheiten, auch wenn sie wenig Haare haben“, scherzt Holzer, die mit Leib und Seele dabei ist – und viel Haarspray versprüht: „Die Frisuren müssen schließlich drei Akte überstehen.“ Selbst auf der Bühne steht Holzer nicht: „Das wäre für mich der Albtraum.“

Wie bei den Schauspiel-Profis: Vor dem Auftritt geht es für die Laiendarsteller bei Heidi Völk in die Maske.

Seinen persönlichen Alptraum erlebt derweil das bekannteste Gesicht der Kolpingtheaterer, Peter Butz sen. Das Ensemble-Urgestein tigert in der Garderobe auf und ab. Er ist der Einzige, der sein Lampenfieber nicht verbergen kann: „Er macht wieder seine Kilometer“, sagt Ehefrau und Regisseurin, Hedi Butz, schmunzelnd: „Jetzt ist er 54 Jahre dabei und immer noch nervös, aber wenn es losgeht, dann steht er da.“ Der Gatte lächelt gequält. Am Nachmittag ist er noch seinen Text durchgegangen.

Butz sen. spielt den „Alois“, die männliche Hauptrolle. Der Lernaufwand dafür ist enorm. Überhaupt klingt es fast ein bisschen untertrieben, wenn man die Kolpingtheaterer als Laienspielgruppe bezeichnet. Das Bühnenbild – eine Bauernstube – ist von Anderl Mayr, Ludwig Bauer und Hans Beyer professionell gestaltet und von einem Dutzend Helfern unter der Woche aufgebaut worden. Um die Technik kümmern sich Alex Ehle und Erwin Steininger. Alles rein ehrenamtlich versteht sich. Die Theaterer sind eine eingeschworene Gemeinschaft.

Hilft bei Texthängern: Souffleuse Maria Fischer.

Die Abläufe stimmen – und es gibt feste Rituale: Pünktlich um 19.30 Uhr ruft Hedi Butz die Schauspieler und Souffleuse Maria Fischer zur „Baldrian-Zeit“. Wer keinen Löffel des Elixiers nehmen will, der muss zumindest dran riechen. Das ist ehernes Kolpingstheatergesetz. Die Regisseurin gibt dazu noch letzte Anweisungen: „Wenn die Leute lachen, dann lasst sie auslachen. Und wenn Ihr einen Hänger habt, versucht ihn zu übergehen.“

Mut-Elixier von „Edelfan“ Donata Seebauer

Dann geht es zum zweiten Ritual: Hinter der Bühne steht schon das nächste Elixier bereit. „Edelfan“ Donata Seebauer hat wie jedes Jahr eine Flasche „Ramazzotti“ spendiert – und an dem wird nicht nur gerochen. Ritual Nummer drei folgt sogleich: Auf der Bühne – der Vorhang ist noch geschlossen – spucken sich die Schauspieler gegenseitig über die Schultern. Das soll Glück bringen. Und Anneliese Bauer, die weibliche Hauptdarstellerin, „schaut noch einmal, wie’s Wetter draußen ist“ – sprich, sie geht eine rauchen.

Hauptdarsteller Peter Butz sen. gibt Baldriantropfen an Lorenz Sailer aus.

Kurz nach 20 Uhr ist es dann soweit: Der Vorhang geht auf. Im Vorverkauf gingen über 200 Karten weg – und das Publikum geht von Anfang an mit. Schauspiel-Novizin Melanie Böhm heimst gleich die ersten Lacher ein. In ihrem „Kohlhiesels-Töchter“-Look spielt sie die Dienstmagd „Urschl“ – und das witzig und souverän. Böhm hat kurz vor 20 Uhr übrigens auch noch „nach dem Wetter geschaut“ – was bei der Regisseurin Bestürzung ausgelöst hat: „Was, Du rauchst?“

Für die größte Heiterkeit auf der Bühne sorgt natürlich der Publikumsliebling. Als der „Alois“ seine durchzechte Nacht im „Roten Kater“ mit einer „starken Gehirnmatratzenverwicklung“ zu erklären versucht, brüllt der Saal vor Lachen. Butz sen. hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Egal, ob mit seiner Gestik, Mimik oder Sprache, er kommt beim Publikum an.

Nach dem letzten Vorhang warten Sekt und Geschnetzeltes

Doch nicht nur die etablierten Ensemblemitglieder mit Butz sen., Bauer, Völk (genial als „Afra“), Meinrad Mastaller (Co-Regisseur) und Lorenz Sailer tragen das Stück. Auch die jungen Darsteller um Böhm, Peter Butz jun., Julian Hörbrand, Ronja Ebentheuer sowie Michaela Groll, die in ihrer Rolle gleich zwischen mehreren Charakteren und Sprachen wechseln muss, zeigen ihr schauspielerisches Talent. Die Mischung passt.

Und das abwechslungsreiche und turbulente Stück passt zur Kolpingtheatergruppe. Das meint auch Manuela Vanni, die im Publikum sitzt: „Ich fand es sehr nett und richtig unterhaltsam“, resümiert die Bürgermeisterin nach knapp drei Stunden Theaterspaß.

Das Publikum spendet reichlich Applaus. Und auf der Bühne – der Vorhang ist inzwischen geschlossen – fällt die Anspannung ab. Nach einem Gläschen Sekt tischt Tiefstollenhausmeister Gregor Christner spät am Abend für die Theaterer noch Geschnetzeltes auf.

Karten

für die Aufführungen am Freitag, 8. (20 Uhr), Samstag, 9. (20 Uhr), und Sonntag, 10. November (16 Uhr), gibt es im „Kaufland“-Lottoladen und unter Telefon 08803/9009200 (am Veranstaltungstag aber nur an der Abendkasse in der Tiefstollenhalle).

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