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Um den Hochwasserschutz ging es bei einer Marktratssitzung, die in der Tiefstollenhalle stattfand.

Hochwasserschutz für 18,4 Millionen Euro für Peißenberg

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Es war nicht anders zu erwarten: Der Hochwasserschutz für Peißenberg wird aufwendig und teuer. Das ist das Ergebnis der Vorplanung, die im Marktrat für den nördlichen Ortsteil vorgestellt wurde. Gewässerausbauten, Bypassverrohrungen und ein Regenrückhaltebecken am Fendter Bach werden vermutlich 18,4 Millionen Euro verschlingen. Aussagen zum Zeitplan gab es nicht.

Peißenberg Wegen des Aufreger-Themas „Hochwasserschutz“ hatte die Rathausverwaltung extra die Tiefstollenhalle reserviert, doch entgegen der Erwartungen hielt sich die Resonanz mit rund 50 Besuchern in Grenzen. Überraschung Nummer zwei: Nicht Bürgermeisterin Manuela Vanni (Peißenberger Liste) leitete die Sitzung, sondern Stellvertreterin Sandra Rößle (CSU/Parteilose). Die Rathauschefin lag nach einer kurzfristig notwendig gewordenen Zahnbehandlung flach.

In knapp zweieinhalb Stunden stellte Armin Binder vom Stuttgarter Ingenieurbüro Winkler die Konzeption für den Hochwasserschutz „Peißenberg-Nord“ vor. Das Wesentliche: In der Vorzugsvariante findet sich nur noch ein Regenrückhaltebecken (RÜB), nämlich am Fendter Bach. Ursprünglich war man von vier Becken ausgegangen, unter anderem am Sulzer Bach und am Michelsbach. Auch am Buchaugraben soll auf ein RÜB verzichtet werden. Von den Kosten her günstiger und technisch einfacher zu realisieren wäre eine Überleitung vom Buchaugraben in das geplante RÜB am Fendter Bach.

Die Konzeptvariante ist eine Idee von Bauamtsmitarbeiter Thomas Schamper – und auch Binder favorisiert die Variante: „Das empfehlen wir.“ Neben kleineren Hochwasserschutzmaßnahmen am Sulzer- und Michelsbach müssen am Wörthersbach im großen Stil Gewässerausbauten vorgenommen werden, um die Grundstücke an der Bachstraße hochwassersicher zu machen. Östlich des Rigi-Centers soll der Bach um das ehemalige Gärtnereigelände zunächst umgeleitet werden. Danach folgen Gewässerausbauten mit vergrößertem Fließquerschnitt.

Natürliche Böschungen wird es bis zur Leitenwegbrücke, die eine Bypassverrohrung erhält, auf weiten Strecken nicht mehr geben. Stattdessen soll die Bachumrandung mit Blocksteinen „relativ massiv“, wie Binder sagte, ausgebaut werden. Ab der Brücke an der Forster Straße wiederum soll der Wörthersbach neben seinem angestammten Bachbett in eine weitere Bypassverrohrung über die Schellhammergasse und Iblherstraße fließen.

Das Gesamtvolumen der Baumaßnahmen inklusive dem Hochwasserschutz für „Peißenberg-Süd“: 18,4 Millionen Euro. „Das ist eine gehörige Summe“, konstatierte Binder. Dennoch sei das für die Bezuschussung der Maßnahmen wichtige Schaden-Nutzen-Verhältnis in Peißenberg gegeben. Bei den Hochwasserereignissen 2016 sei die Schadenssumme noch um rund zehn Millionen Euro höher gelegen. Der Fördersatz dürfte im Falle Peißenbergs als finanzschwache Kommune bei 65 Prozent liegen. Basis dafür sind allerdings nur die förderfähigen Kosten.

Mit Krediten und Rücklagenentnahmen „durchfinanziert“ ist laut Marktkämmerer Michael Liedl bislang nur das geplante RÜB westlich des Recyclinghofs. Auf Nachfrage von SPD-Fraktionschef, Robert Halbritter, ob der Hochwasserschutz für die Kommune finanziell „überhaupt machbar“ sei, richtete Liedl einen Appell an den Gemeinderat: „Wir müssen uns auf die Pflichtaufgaben konzentrieren.“ Keine konkreten Auskünfte gab es in der Sitzung über den zeitlichen Rahmen. Binder schlug vor, mit dem Hochwasserschutz „aus hydraulischer Sicht von unten nach oben zu beginnen“. Hochwasserschutzmaßnahmen in Oberläufen sind nur genehmigungsfähig, wenn sie die Situation an den Unterläufen nicht verschlechtern. Soll heißen: Die Bypassverrohrung und die Querschnittsaufweitung am Wörthersbach haben wohl Priorität. Doch der Zeitplan ist vage: Neben dem wasserrechtlichen Verfahren müssen entlang der Bachstraße auch noch Grundstücke erworben werden. Bis zum Baubeginn werden laut Halbritter wohl Minimum vier bis fünf Jahre vergehen. Binder und Martin Mühlegger vom Landratsamt widersprachen dem nicht.

Beschlossen wurde in der Ratssitzung übrigens nichts. Die Entscheidung soll erst in der nächsten Ratssitzung am 7. August fallen. Aus Reihen der SPD und der Freien Wählern wurde moniert, dass die Rathausverwaltung den Gemeinderäten keinerlei Unterlagen zur Einsicht zugestellt hat. Sandra Rößle sprach von einer „internen Entscheidung“: „Man war der Meinung, dass eine Herausgabe der Unterlagen nur im Zusammenhang mit der Erklärung in der Sitzung Sinn macht.“

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