Das frühere Holzlager des Eberlhofs soll zu einem Hofladen umfunktioniert werden.
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Das frühere Holzlager des Eberlhofs soll zu einem Hofladen umfunktioniert werden.

Diskussion im Bauausschuss

Eberlhof: Hofladen erwünscht - aber ist er auch erlaubt?

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Er ist über 500 Jahre alt: der Eberlhof. Nun soll an dem Kleinod ein Holzlager zum Hofladen werden. Planungsrechtlich ist das nicht unproblematisch, aber die Kommunalpolitik ist höchst angetan.

Peißenberg – Meist haben es die Mitglieder des Bauausschusses mit planerischem Alltag zu tun – wie Genehmigungen von zunehmend uniform wirkenden Wohnhäusern oder Befreiungsanträgen von irgendwelchen Bebauungsplänen. Begeisterung kommt da eher selten auf. In der jüngsten Gremiumssitzung jedoch war alles ganz anders. Als über den Tagesordnungspunkt „Antrag auf Baugenehmigung zur Nutzungsänderung eines Holzlagers als Hofladen mit Terrasse auf dem Grundstück Fl.Nr. 884 Gemarkung Ammerhöfe, Rapoltskreut 1“ debattiert wurde, gerieten einige Ausschussmitglieder sogar regelrecht ins Schwärmen. Patricia Punzet (CSU/Parteilose) zum Beispiel bezeichnete das vom „Instandsetzungs- und Erhaltungsverein Eberlhof“ angepeilte Vorhaben als „Mega-Bereicherung für Peißenberg“.

Zufahrt sorgt für Zündstoff

Auch von Bauamtsleiter Bernhard Schregle kam zunächst Lob. Es würde sich jedenfalls um ein „interessantes Projekt“ handeln, „das gut in die Zeit passt“. Immer mehr Leute würden auf gesunde Ernährung und regionale Lebensmittel Wert legen. Auch spielte Schregle auf den Antrag der Peißenberger Liste (PL) an, wonach der Tourismus angekurbelt werden soll. Doch dann kam das „Aber“: Der Eberlhof, der seit 2015 an eine Familie verpachtet ist, liegt im Außenbereich. Die Zufahrt verläuft von der Sulzer Straße aus über einen öffentlich gewidmeten Forstweg und daran anschließend über einen nicht ausgebauten Privatweg. Die Erschließung ist damit nicht gesichert. Ein Kriterium, das 2016 bereits zur Ablehnung eines Vorbescheidantrags zur Umnutzung der Tenne in eine Versammlungsstätte führte. „Die Zufahrt sorgt für viel Zündstoff“, verwies Schregle auf Rückmeldungen von Anliegern: „Da brodelt’s.“ Das Problem will der Antragssteller jedoch umschiffen: Die Umfunktionierung des Holzlagers zu einem Hofladen –selbiger würde von der Pächterfamilie geführt – soll nach Intention des Erhaltungsvereins Wanderern dienen. Ausschließlich sie sollen die Dienstleistungen des Hofes und die Terrasse als Rastplatz in Anspruch nehmen können. Motorisierten Kundenverkehr sieht das Konzept ausdrücklich nicht vor.

Auf dem Eberlhof hergestellte Lebensmittel sollen verkauft werden.

Doch es gibt eine weitere Hürde: Schregle und sein Bauamt tun sich mit der landwirtschaftlichen Privilegierung als Voraussetzung für die Umnutzung „hart“: „Bauplanungsrechtlich haben wir da ein schlechtes Prüfergebnis“, so der Bauamtschef. Voraussetzung für die Zulassung von Verkaufsstellen im Außenbereich sei, dass die Vermarktung der Erzeugnisse in einem räumlichen und produktionstechnischen Kontext mit der Betriebsstätte steht. „Der Eberlhof als solches ist aber keine eigene Betriebstätte, er ist das Projekt einer Weidegenossenschaft“, konstatierte Schregle. Das Landratsamt werde die Angelegenheit wohl kaum anders beurteilen: „Das Ergebnis der Prüfung ist nicht ganz offen, sondern zu erwarten“, mutmaßte Schregle.

Kaufen im Hof, Essen daheim

Dennoch: Der politische Wille ist eindeutig. Der Bauausschuss erteilte einhellig sein gemeindliches Einvernehmen zur beantragten Nutzungsänderung. Und die Politik kann sich sogar noch mehr als einen reinen Hofladen vorstellen. Stefan Rießenberger (Bürgervereinigung) sprach von einem Verzehrbereich auf der Terrasse für Kaffee, Kuchen oder eine auch „halbe Bier“: „Bei uns verdursten und verhungern die Wanderer. Da gibt es in Peißenberg nichts.“ Doch beim Stichwort „Jausenstation“ ging Schregle dazwischen: „Das ist auf gar keinen Fall zulässig.“ Der Antrag beziehe sich explizit auch nur auf einen Hofladen – ohne Verzehrbereich: „Das sollte man ganz isoliert betrachten.“ Doch Rießenberger blieb bei seiner Meinung: Eine kleine Verzehrterrasse würde das Umfeld in Rapoltskreut durchaus vertragen. Außerdem: Wenn man den Tourismus ankurbeln wolle, müsse man den Leuten auch etwas bieten. „Das hat einfach Charme da oben“, so Rießenberger. Ins gleiche Horn blies Jürgen Forstner. Der Fraktionssprecher der Freien Wähler verwies auf Beispiele im Allgäu. Dort würde es auf Almhütten unter anderem Selbstbedienungskonzepte geben: „Dann ist der Verzehr auch ohne Gaststätte möglich. Wir sollten das auf alle Fälle prüfen.“ Natürlich müsse man darauf achten, dass kein Verkehrschaos entsteht. „Eine zweite Schönegger Käsealm wird es aber nicht werden“, so Forstner: „Ich habe keine Angst, das das da oben ausarten würde.“

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