Frank Zellner vor dem neuen Bürgerhaus respektive Jugendzentrum. Das „Flöz“ zu beleben, ist eine der Aufgaben, die sich der Bürgermeister auf die Fahnen geschrieben hat. Im Wechsel mit Vize-Rathauschef Robert Halbritter (SPD) wird er im Bürgerhaus künftig Bürgermeistersprechstunden abhalten. Foto:jepsen
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Frank Zellner vor dem neuen Bürgerhaus respektive Jugendzentrum. Das „Flöz“ zu beleben, ist eine der Aufgaben, die sich der Bürgermeister auf die Fahnen geschrieben hat. Im Wechsel mit Vize-Rathauschef Robert Halbritter (SPD) wird er im Bürgerhaus künftig Bürgermeistersprechstunden abhalten.

„Ich würde wieder antreten“

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Die Corona-Pandemie hat die bisherige Amtszeit von Peißenbergs Neu-Bürgermeister Frank Zellner (CSU) geprägt. Der studierte Jurist arbeitet sich aber auch immer tiefer in die Schwerpunktthemen der Marktgemeinde ein.

Peißenberg – Dass er auf der Straße mit „Herr Bürgermeister“ angeredet wird, daran muss sich Frank Zellner erst noch gewöhnen. „Herr Zellner würde auch reichen“, gibt sich der Rathauschef bescheiden. Bislang waren es ausschließlich herzliche Begegnungen mit den Bürgern. Die großen Aufregerthemen (Was zum Beispiel wird aus dem alten Jugendzentrum? oder Wie geht es mit dem Eisstadion unabhängig von Corona weiter?) standen bislang noch nicht auf der politischen Agenda.

Das Klima im neuen Gemeinderat ist bislang weitestgehend harmonisch. Das hilft Zellner natürlich: „Die bisherigen Sitzungen“, so analysiert er, „sind gut und konstruktiv verlaufen. Die Diskussionen sind vom Willen getragen, eine Einigung zu erzielen.“ Nur eines findet der Neu-Bürgermeister, der im Marktrat bislang eine moderierende Rolle einnimmt, schade: „Die Geselligkeit nach den Sitzungen kann leider nicht gepflegt werden.“

Die Pandemie hat in Zellners bisheriger Amtszeit den Takt vorgegeben. Im Zuge des Lockdowns mussten die öffentlichen Einrichtungen geschlossen – und später peu á peu unter Berücksichtigung der Hygiene- und Abstandsregeln wieder geöffnet werden. Zellner spricht in dem Zusammenhang von einer „neuen Normalität“.

Welche Auswirkungen die Pandemie auf die Kommunalfinanzen haben wird, kann er noch nicht detailliert beantworten. „Der Kassensturz kommt erst im dritten Quartal“, kündigt Zellner an. Man müsse aber wohl mit 20 Prozent weniger Einnahmen rechnen. Ob ein Nachtragshaushalt für 2020 nötig wird? „Das ist noch ungewiss“, erklärt der Rathauschef. Eine Priorisierung von Vorhaben, das weiß Zellner, wird wohl unvermeidlich sein. Gewisse Institutionen und Pflichtaufgaben sind für ihn jedoch unantastbar: „Kindergärten, Schulen, Hochwasserschutz und die Rigi-Rutsch’n dürfen von der finanziellen Lage nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.“

Von der Finanzlage dürfte auch das „Ob“ und „Wie“ der geplanten Bauhofsanierung abhängen. Demnächst soll eine Arbeitsgruppe die grobe Linie festlegen. Das Problem: Die Sanierung des bestehenden Standorts an der Forster Straße würde nach Meinung der Fachleute von der räumlichen Kapazität her nur mit Fokussierung auf den kommunalen Bauhof Sinn machen. Der gemeindewerkseigene Bauhof müsste dann ausgelagert werden. Doch mit zwei Standorten gehen Synergieeffekte verloren, auch sind separate Bauhöfe der Öffentlichkeit nur schwer zu vermitteln. Doch für einen gemeinsamen Standort und Neubau auf grüner Wiese dürfte das Geld fehlen. Trotzdem: Laut Zellner soll in der Bauhoffrage - wenn möglich – noch heuer eine Entscheidung fallen.

Ein wichtiges Thema für den Bürgermeister, das er schon im Wahlkampf propagiert hatte, ist der Ausbau der Digitalisierung – und zwar nicht nur an Schulen, sondern auch im Rathaus. Online-Gebührenbezahlsysteme sind ebenfalls in Vorbereitung wie die digitale Datenübermittlung über Online-Formulare. Ebenfalls auf der Agenda hat Zellner die Sicherung von heimischen Arbeitsplätzen (Stichwort „Gewerbegebiet-Ost“; demnächst soll das Umlegungsverfahren eingeleitet werden), den Ausbau des örtlichen Radwegenetzes und den Hochwasserschutz. Vermutlich im November soll in einer Sondersitzung des Marktrats die konkrete Planung für den Hochwasserschutz „Peißenberg-Nord“ vorgestellt werden. In Kontakt steht der Bürgermeister auch mit dem Wasserwirtschaftsamt. Die Behörde will nun die Treibholzsperren an den Zuläufen zum Wörthersbach in Etappen realisieren. Bereits im kommenden Winter, so berichtet Zellner, sollen zwei davon errichtet werden.

Trotz der vielfältigen Herausforderungen und der schwierigen Rahmenbedingungen durch Corona: Zellner macht der Bürgermeisterjob Spaß – „auch wenn der Tag komplett voll ist“. Der ehemalige Leiter des Jobcenters in Weilheim vertraut nach eigenem Bekunden auf ein „gutes Team um mich herum – im Rathaus, im Gemeinderat und auch bei den Gemeindewerken“. Bereut hat Zellner seinen Wechsel in die Gemeindeverwaltung jedenfalls nicht. Wenn morgen Kommunalwahl wäre, dann gäbe es für Zellner keinen Zweifel: „Ich würde wieder antreten.“

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