Der Kampf mit Impfstofflieferungen und Terminvergaben – für den Verwaltungsleiter des Impfzentrums in Peißenberg, Christian Achmüller, ist es tägliches Geschäft. Und ab April wird es noch stressiger.
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Der Kampf mit Impfstofflieferungen und Terminvergaben – für den Verwaltungsleiter des Impfzentrums in Peißenberg, Christian Achmüller, ist es tägliches Geschäft. Und ab April wird es noch stressiger.

Vorbereitungen für die Impfstoffflut im April

Bald 1200 Impfungen pro Tag: Wo sollen die Impfzentren entstehen?

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Auch wenn Corona-Impfstoffe nach wie vor Mangelware sind – das Impfzentrum in Peißenberg arbeitet bereits jetzt zeitweise an der Kapazitätsgrenze. Der notwendige massive Ausbau des Angebots ist ein logistischer und finanzieller Kraftakt.

Landkreis – Beate Zoller aus Peißenberg ist richtig sauer, als sie bei der Redaktion anruft. Am Samstagvormittag, berichtete sie, sollte ihr 88-jähriger Mann in Peißenberg geimpft werden. Und geriet mitten ins Chaos: „Draußen vor der Tür wartete ein Dutzend hochbetagter Menschen bei vier Grad unter freiem Himmel, drinnen im Vorraum, wo eigentlich nur einzeln Fieber gemessen werden soll, drängten sich 17 Menschen.“ In Zeiten der Corona-Pandemie sei das unverantwortlich, meint sie.

Der Verwaltungsleiter des Impfzentrums in Peißenberg, Christian Achmüller, bestätigt die Beobachtungen Zollers. „Das kommt immer mal wieder vor, wir suchen die Ursachen dafür, sind aber noch nicht fündig geworden“, sagt er. Die Termine seien vor- und nachmittags gleich verteilt. Vormittags komme es immer wieder zu Gedränge, am Nachmittag bleibe das in der Regel aus. Warum das so ist: „Wir suchen noch“. Ihm bleibe nur, noch einmal eindringlich darum zu bitten, pünktlich zu kommen: „Die Security hat Anweisung, die Leute erst zehn Minuten vor dem Impftermin hereinzulassen.“ Zudem weist Achmüller noch eindringlich darauf hin, dass nur eine Begleitperson pro Besucher erlaubt sei.

Kapazitätsgrenze in Peißenberg fast schon erreicht

Eines wird aber schon jetzt deutlich: Die Kapazitäten am Impfzentrum in Peißenberg sind nicht beliebig erweiterbar. „Wir arbeiten hier nahe an der Kapazitätsgrenze“, sagt Verwaltungsleiter Achmüller. Diese liege bei rund 300 Impfungen pro Tag. In der kommenden Woche soll ein drittes Impfzimmer in Peißenberg in Betrieb gehen, in dem vor allem AstraZeneca an diejenigen aus der Prioritätsgruppe 1 verimpft werden soll, die jünger als 65 Jahre sind. Dann könne man bis zu 400 Impfungen täglich durchführen – auch wenn es dadurch nicht nur auf dem Parkplatz eng wird.

Das alles wird sich aber ab Anfang April drastisch ändern. Denn dann sollen deutschlandweit eine Million Menschen pro Tag geimpft werden. Für den Landkreis bedeutet das rund 1200 Impfungen – Tag für Tag. Nur mit dem Impfzentrum in Peißenberg ist das nicht zu erreichen (wir berichteten). Bereits vor einigen Wochen war klar geworden, dass die bisher geplanten Außenstellen an den Krankenhäusern in Penzberg und Schongau nicht ausreichen werden.

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Deswegen wurde fieberhaft nach Alternativen gesucht. „Wir planen mit drei Außenstellen des Impfzentrums Peißenberg – in Penzberg, in Schongau und aller Voraussicht nach in Weilheim“, sagt der stellvertretende Kreiskämmerer Matthias Brugger, der sich um das Thema kümmert.

Besonderes Augenmerk lege man dabei auf die ausreichende Verfügbarkeit von Parkplätzen an den jeweiligen Standorten. Die Verhandlungen seien bereits weit gediehen, mit dem Abschluss der jeweiligen Mietverträge rechne man in Kürze. Dabei handele es sich nicht zwangsläufig überall um feste Gebäude, in denen die Außenstellen des Impfzentrums eingerichtet werden sollen. „Es kann sich teilweise auch um Zelte handeln“, so Brugger gestern weiter.

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Das größte Problem sei, dass die Mietverträge – genau wie der Betreibervertrag mit den Johannitern – vorerst nur bis Ende Juni befristet würden. Dennoch suchen auch die Johanniter bereits jetzt nach Personal, um die Außenstellen zu besetzen, wie Verwaltungsleiter Achmüller berichtet. Denn wenn ab Anfang April tatsächlich Tag für Tag 1200 Impfdosen geliefert werden, müssen diese auch zeitnah verimpft werden. Die Hausärzte sollen nicht sofort ins Impfkonzept eingebunden werden, so Achmüller: „Der Bundesverband geht derzeit davon aus, dass ab Mitte Mai Impfungen in den Hausarztpraxen angeboten werden können.“ Will meinen: Zumindest im April müssen die Impfzentren die gesamte Last bewältigen.

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Das hat auch finanzielle Auswirkungen auf den Landkreis. Zwar hat der Freistaat Bayern angekündigt, die Kosten für die Impfungen komplett übernehmen zu wollen. Überwiesen hat er bislang aber noch nichts. Zudem gibt es, wie Kreiskämmerer Norbert Merk bestätigt, genau definierte Grenzen, was der Freistaat übernimmt und was nicht. Derzeit gebe es die Zusicherung für 300 Impfungen pro Tag, für die die Regierung neben dem Impfstoff auch für die Kosten für Personal, Miete und Ausstattung aufkommt. Eine schriftliche Zusage, dass diese Kosten auch für die 1200 Impfungen ab April übernommen werden, gibt es bislang nicht.

„Es hieß nur, dass übernommen werde, was ,wirtschaftlich geboten’ ist“, berichtet Merks Stellvertreter Brugger. Und weil dies eine watteweiche Aussage ist, habe man sicherheitshalber die gesamte Kalkulation eingereicht. Da bislang keine Kritik von der Regierung übermittelt wurde, geht man nun davon aus, dass das dann auch so passt.

Kosten ab April: Bis zu zwei Millionen Euro pro Monat

Es geht um immense Beträge. Derzeit kostet der Betrieb des Impfzentrums rund eine halbe Million Euro pro Monat. Ab April rechnet Kreiskämmerer Merk mit „1,3 bis maximal 2 Millionen Euro pro Monat“. Geld, das der Landkreis bislang vorstreckt. „Aber wenn der Freistaat nicht spätestens im zweiten Halbjahr Abschlagszahlungen überweist, werden wir nicht drumherum kommen, massiv mehr Kredite aufzunehmen, als im Haushalt 2021 vorgesehen sind“, so Merk. Er verlasse sich aber darauf, dass der Landkreis am Ende „plusminus null“ aus der Massenimpfung herauskomme.

Eine Unwägbarkeit bleibt aber, wie die vergangenen Monate zeigten: Es wird nun alles vorbereitet, um ab Anfang April 1200 Menschen pro Tag im Landkreis impfen zu können. Dafür muss allerdings auch verlässlich eine ausreichende Menge Impfstoff geliefert werden.

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