Christoph Wittermann ist Ärztlicher Leiter des Impfzentrums.
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Christoph Wittermann ist Ärztlicher Leiter des Impfzentrums in Peißenberg.

Start am Sonntag

Impfzentrum Peißenberg: Leiter kontern Kritik

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
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Mit massiver Kritik vieler Bürger hat das Impfzentrum im Landkreis Weilheim-Schongau seine Arbeit aufgenommen. Die Leiter reagieren nun darauf.

Landkreis – „Ab dem 27. Dezember sind telefonische Terminvereinbarungen unter Tel. 08803/4929700 möglich“, hatte das Landratsamt am vergangenen Dienstag in einer Pressemeldung mitgeteilt, die Nummer extra gefettet. Das Problem: Offenbar kam man am Sonntag gar nicht durch, war zum Teil ewig in der Warteschleife oder wurde vom Anrufbeantworter auf Montag oder E-Mail verwiesen. So schilderten es uns zahlreiche Leser.

Laut Christian Achmüller, Verwaltungsleiter des von den Johannitern betriebenen Impfzentrums, sei das Anruferaufkommen „unerwartet hoch“ gewesen, allein am Sonntag waren es 600. „Das hat uns überrascht“, so Achmüller. Die ersten 25 Anrufer erhalten einen Hinweis, dass die Leitungen belegt sind, die restlichen Anrufer bekommen das Besetztzeichen. „Wir arbeiten an einer besseren Lösung“, versprach Achmüller. „Eine Online-Terminvergabe ist erst Mitte Januar vom Freistaat angedacht.“

Impfung ist kompliziert

Christoph Wittermann, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums, hat die Probleme natürlich mitbekommen: „Ich verstehe, wenn die Leute enttäuscht sind. Wir konnten auf den Anrufbeantworter nichts draufsprechen, weil wir nichts wussten. Denn alles steht und fällt mit der Lieferung des Impfstoffs – ich kann schlecht Termine vereinbaren, wenn ich nicht weiß, wie viel ich wann bekomme“, so Wittermann.

Für ihn sei erst einmal wichtig gewesen, mit seinem Team die Impfung einüben zu können. Die sei nämlich extrem kompliziert, sagt der 72-jährige Mediziner, der jahrzehntelange Erfahrung hat. Mit dem vorsichtigen Hin- und Herbewegen der Flasche werde die Impfung vorbereitet, danach sei das Serum quasi nicht mehr transportabel: „Sie müssen also die fünf Impfungen, die in ein Fläschchen passen, ohne Transport an Ort und Stelle verbrauchen“, sagt Wittermann. Damit sind auch einzelne Hausbesuche in Privatwohnungen mit diesem sensiblen Impfstoff unmöglich, weil dann stets einige Dosen nicht zu verwenden seien.

Darum wurden Krankenhaus-Mitarbeiter geimpft

Wittermann war deshalb froh, am Sonntag in kleinem Rahmen starten zu können. Dabei wurden auch hochrangige Krankenhaus-Mitarbeiter geimpft, was ebenfalls für Verwunderung bei einigen Lesern sorgte. „Der Ärztliche Direktor und die Pflegedirektorin haben sich quasi als Testperson zur Verfügung gestellt“, betonte Krankenhaus-Chef Thomas Lippmann. Es habe nur drei Impfungen gegeben, er selbst sei nicht darunter gewesen. „Es ging auch darum, die Impfbereitschaft der Krankenhaus-Mitarbeiter zu stärken, die Resonanz war sehr positiv“, sagte Lippmann.

Die restlichen der 100 Impfdosen, die am Wochenende angekommen waren, wurden gestern im Schongauer Heiliggeist-Heim und im Impfzentrum an Bürger verabreicht, die trotz Problemen einen Termin ausmachen konnten. Ohne Termin am Impfzentrum am ehemaligen Peißenberger Krankenhaus vorbeizukommen, wie es gestern auch passiert ist, sei sinnlos, sagte Achmüller, da werde man von der Security immer weggeschickt.

Impfzentrum Peißenberg: Schwierige Planungen

Wittermann sagt, dass am heutigen Dienstag 500 Impfdosen und vor Silvester 500 weitere kommen sollen. 2500 seien innerhalb der ersten drei Wochen versprochen, wobei jeder doppelt geimpft werden muss. Fünf Ärzte seien von 8 bis 18 Uhr verfügbar, dazu drei weitere in mobilen Teams für Pflegeheime. „Ich habe 100 Ärzte auf meiner Liste, die sich zur Hilfe bereit erklärt haben“, sagt Wittermann erfreut.

Am liebsten sind ihm pensionierte Ärzte mit Praxiserfahrung, die auch terminlich flexibel sind. Denn er hatte bereits einen fertigen Dienstplan in der Schublade, der obsolet war, als er von der mickrigen 100er-Startlieferung erfahren hatte. So ähnlich wird es weitergehen, vermutet Wittermann: „Uns ist zugesagt, dass wir künftig einmal pro Woche beliefert werden. Aber wann?“ Das sei entscheidend: Komme der Impfstoff etwa am Mittwoch, müsse bis Sonntag durchgehend geimpft werden, weil er nur fünf Tage haltbar ist – Montag und Dienstag seien dann freie Tage. Und die Woche drauf kann alles wieder anders sein. „Deshalb bitte ich um Geduld. Wir tun, was wir können“, sagte Wittermann.

Lesen Sie auch: Es knallte gehörig im Kreisausschuss – auch ohne Feuerwerk. Die Bürgermeister von Schongau und Peiting gerieten in der Frage aneinander, wie man nun in Sachen Silvesterfeuerwerk verfahren soll. Der Landkreis hat dazu eine eindeutige Meinung.

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