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Die Zuhörer waren gefesselt vom Auftritt des „Johannes Enders Quartetts“ in der Tiefstollenhalle. 

„Johannes Enders Quartett“ in Peißenberg  

Jazz wie eine kurvige Strecke mit  Ausblicken

Das Foyer reichte nicht fürs Konzert: Zum Auftritt des „Johannes Enders Quartetts“ war am Freitagabend auch der Hauptraum der Tiefstollenhalle gut gefüllt. Der aus Weilheim stammende Jazzer sorgte mit einer internationalen Formation für gefesselte Zuhörer.

Peißenberg –Das wilde, freie Jazzen stand oft als Möglichkeitsstufe zum Greifen nah im Raum, etwa beim Stück „Hometrainer“. Enders hatte zumeist aber anderes vor: Er fährt seinen musikalischen Sportwagen, der den Zuhörer auch in die Sitze drücken könnte, eher kultiviert um die Kurven. Und so ist es auch ein Genuss, dass das Enders-Quartett genau diese kurvigen Straßen auswählt: Kompositionen, die sich zwischendurch scheinbar auf Abwege verlieren, dabei aber schönste Ausblicke eröffnen.

Howard Curtis, der in Österreich lebende US-Drummer, klöppelt zunächst auf Holz, auch danach ist sein Drumming wunderbar gepflegt angelegt. Melodiöse, weit ausgreifende Piano-Lines kommen vom Schweizer Pianisten Jean Paul Brodbeck. Johannes Enders lässt sich Zeit mit dem Einstieg am Tenorsaxofon, formuliert Triller und Modulationen. Der Saxofon-Klang erscheint weder besonders eng festgelegt noch besonders scharf unterkühlt. Enders erspielt eine ungestresste Coolness, die – als Verbindung zweier Welten – vom warmen Herzen kommt, und die im Maximalfall auch schon einmal knapp 15 Minuten durch ein einziges Stück trägt.

Wiederholungshörer von Enders – keine Seltenheit in der Herkunftsregion des Saxofonprofessors – konnten sich besonders wertgeschätzt fühlen, denn der Kanon an Stücken umfasste einige brandneue Kompositionen, darunter „Aquador“. Das dem Leben in den lateinamerikanischen Tropen gewidmete Stück ließ durch ein Motiv aufhorchen, das wie ein paar dreifach beschleunigte Tangotakte durchs Sopransaxofon lief, bevor ein melodiöses Piano-Intermezzo ins Träumen führte. Tänzelnd-farbvoll kehrte Enders’ Sopranino zurück und streute dabei das eingangs markierte Leitmotiv nur homöopathisch ein – aber umso mehr den Hörnerv kitzelnd.

Bei den „Passi silenziosi“, den leisen Schritten, stellte der britische Kontrabassist Phil Donkin sein so nachdrückliches wie melodiöses Kontrabass-Spiel als Solo in den Raum. Nach einem Zwischenapplaus setzte Enders auf dem Tenorsaxofon beinahe magisch verschwebende Töne hinzu.

Eine charakteristisch stoische Rhythmusfigur markierte den Beginn der „Mall People“ (Leute im Einkaufszentrum). Feinnerviges Drumming, stolze Tenorsax-Lines – eine Komposition, deren Auftakt der junge Franz Enders erdachte, wie Vater Johannes Enders ohne großes Aufhebens anmerkte. Groß an die Glocke gehängt wurde hingegen das angeblich letzte Stück – doch danach ging es noch lange weiter, denn auch wenn die Peißenberger Zuhörerschaft sich in puncto Zwischenapplaus eher zurückhielt, lagen die Latten für Aufmerksamkeit und Begeisterung doch zurecht ganz oben.

Nächste Veranstaltung

des Kulturvereins Peißenberg (in Zusammenarbeit mit der Vhs): Nicola Förg liest aus ihrem neuen Alpenkrimi „Scharfe Hunde“ – am Donnerstag, 6. April, 19 Uhr. Vorverkauf: „PeissenBuch“ in Peißenberg und Ticketservice in der Sparkasse am Marienplatz Weilheim.

Andreas Bretting

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