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Drei junge Einbrecher zeigten vor Gericht Reue. (Symbolbild)

Gerichtsverhandlung

Junge Einbrecher zeigen vor Gericht Reue

Wiederholte Einbrüche in das Außenlager des „Kaufland“ in Peißenberg sorgten im August 2019 für Aufregung. Nachdem sich die Polizei auf die Lauer gelegt hatte, konnten die Täter gefasst werden. Drei Burschen im Alter von zur Tatzeit 16 und 18 Jahren mussten sich nun vor dem Jugendgericht Weilheim verantworten.

  • Im August 2019 sorgten Einbrüche in Peißenberg für Aufregung
  • Betroffen war das dortige „Kaufland“-Außenlager
  • Die drei Täter konnten gefasst werden und mussten sich jetzt vor Gericht verantworten

Peißenberg – „Es ist schon ein Unterschied, ob man im Supermarkt etwas mitgehen lässt oder gezielt einen Einbruch begeht“, machte die Vorsitzende Richterin Claudia von Hirschfeld den jungen Männern klar. Der Haupttäter, ein heute 19-Jähriger, hatte das nicht gut einsehbare Gelände um das Außenlager des Supermarkts ausspioniert und einen Plan gemacht, um hineinzugelangen. Der 19-Jährige überstieg einen gesicherten Zaun, gelangte über eine Treppe aufs Dach und darüber in das Lager hinein.

Beim ersten Versuch löste er Alarm aus, er schaffte es aber noch, mehrere Sechserpacks Bier auf die angrenzende Wiese zu werfen und dann unerkannt zu verschwinden. Beim zweiten Mal entwendete der Mann einige Tüten Kartoffelchips, die er unter dem Zaun durchschob. „Es war nur der Nervenkitzel“, sagte der 19-Jährige auf Nachfrage der Richterin, warum er wiederholt in das Außenlager eingebrochen sei.

Polizei lag auf der Lauer

Auf großes Diebesgut war man auch nicht aus, als sich ein paar Tage später der 19-Jährige vor seinen beiden Freunden damit brüstete, ein „paar Bier und Chips“ auf illegalem Weg besorgen zu können. „Ja, ich habe die beiden angestiftet“, sagte der Angeklagte, der den gesamten Tatvorwurf einräumte. Seine Freunde standen folglich am Zaun Schmiere, er stahl ein paar Flaschen Bier. Jedoch lag die Polizei auf der Lauer, die zwei der Täter sofort fasste, der dritte konnte fliehen, wurde durch die Aussage seiner Kumpane aber doch noch festgenommen. Bei der Verfolgung stürzte ein Polizist und verletzte sich.

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Alle drei zeigten bei Gericht Reue. „In dem Moment habe ich gar nicht nachgedacht“, sagte ein Mittäter, dem es gar nicht um das Trinken gegangen war, sondern um das Dabeisein. Stocksauer seien seine Eltern gewesen, als die Sache ans Tageslicht kam. Auch der weitere Mittäter war geständig. „Es war eine total dumme Aktion“, sagte er nun.

Urteile fielen unterschiedlich aus

Die Urteile fielen unterschiedlich aus. Die beiden jungen Männer, die „nur“ Schmiere gestanden, sich jedoch dadurch der Mittäterschaft zu verantworten hatten, kamen glimpflich weg. Gegen einen Burschen wurden das Verfahren gegen eine Auflage von 250 Euro eingestellt. Er war noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Der zweite junge Mann, der schon einmal vor dem Jugendgericht stand, erhielt eine Verwarnung und eine Auflage von 400 Euro. „Das nächste Mal gibt es einen Arrest“, machte die Richterin deutlich.

Der Haupttäter, der noch nicht vorbestraft ist, muss einen viertägigen Jugendarrest absitzen, 300 Euro an die „Brücke Oberland“ zahlen und 40 Stunden am Projekt „Hofzeit“, einer Therapieeinrichtung der „Brücke Oberland“, mitarbeiten. Da der 19-Jährige, der sich laut seiner anwesenden Betreuerin in den letzten Monaten sehr positiv entwickelte, einen Arbeitsplatz hat und derzeit weder Drogen noch Alkohol konsumiert, jedoch im letzten Jahr mit Suchtmitteln Probleme hatte, verordnete die Richterin zudem vier therapeutische Beratungsgespräche und zwei Drogenscreenings. „Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser“, so von Hirschfeld.

VON REGINA WAHL-GEIGER

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