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Da bekamen einige ihr Fett weg: Helmut Schleich in der ausverkauften Tiefstollenhalle.

Kabarettist in Peißenberg

Der Schleich zieht an

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Wovon andere nur träumen können, das schafft Helmut Schleich mit Leichtigkeit: so viel Publikum anzuziehen, dass der Saal der Tiefstollenhalle in Peißenberg komplett gefüllt ist.

Peißenberg – Und Schleich  schafft es auch, rund 500 Zuschauer so zu unterhalten, als wäre es eine Leichtigkeit, einen Abend lang als Solist auf der Bühne zu stehen und dabei von Charakter zu Charakter, von Dialekt zu Dialekt zu wechseln.

Da ist in seinem Programm „Ehrlich“ zum Beispiel die „Bestie von Doddlbach“, ein im Gefängnis sitzender, fränkelnder Massenmörder: Er spricht mit einer derartig gestörten Selbstwahrnehmung darüber, wie er einen nach dem anderen – den Bauarbeiter wie den Wirt – erschoss, dass er einem fast schon sympathisch wird. Dann gibt es den bisweilen stotternden „Heinrich von Horchen“, Lehrer des als „jungen Gesangseleven“ verstorbenen Jopi Heesters. Ihn lässt Schleich auch über die Geschichte der Spionage referieren. Bis zurück ins alte Ägypten führt er die Zuhörer – in eine Zeit, in der Spione das Gesagte noch (nicht ganz unauffällig) in Stein meißeln mussten, so zumindest von Horchens Vermutung.

Und natürlich ist einer dabei: Franz Josef Strauß – quasi „posthum und ad hoc“. Dieser nimmt nicht nur die bayerische Politik nach seinem Tod kritisch ins Visier. Er erzählt auch davon, wie er „eigenhändig im Schneesturm nach Moskau“ flog und dabei „eine größere Gefahr für den internationalen Luftverkehr“ war, „als es jeder islamistische Terrorist jemals sein kann“. In seiner Paraderolle glänzt Schleich selbstverständlich, doch unbedingt braucht er sie in seinem Programm eigentlich gar nicht – so ausgefeilt und unterhaltsam sind die anderen Charaktere.

Auch die Politik außerhalb des Freistaats und die Wirtschaft kriegen im Laufe des Abends ihr Fett ab. „Schwarz-Grün, das ist so, wie wenn man mit 40 wieder daheim einzieht“, sagt Schleich. Und zu Autos, die sich an der Ampel von selbst abschalten, fällt ihm – zum Amüsement des Publikums – ein: „Mein erstes Auto vor 25 Jahren, das ist auch schon an jeder Ampel ausgegangen.“

Schleich hätte eigentlich nicht erst am Samstag, sondern schon im Februar nach Peißenberg kommen sollen, doch sein Auftritt fiel damals krankheitsbedingt aus. Drei Monate musste sich das vor allem der Generation „50 plus“ entstammende Publikum also gedulden. Doch eines ist klar: Das Warten hat sich gelohnt. Dieser große Unterhalter, der auch mit der einen oder anderen lokalen Anspielung aufwarten kann, darf sehr, sehr gern wiederkommen. Stephanie Uehlein

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