Kommende Woche wird es vorübergehend noch mal voll im Impfzentrum. Dann stehen zahlreiche Termine zur Zweitimpfung an.
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Kommende Woche wird es vorübergehend noch mal voll im Impfzentrum. Dann stehen zahlreiche Termine zur Zweitimpfung an.

Impfzentrum Peißenberg

Bald kleines Geschenk nach dem Piks? Kampf um jeden einzelnen Impfling

  • Sebastian Tauchnitz
    VonSebastian Tauchnitz
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Die Zahl der Besucher im Impfzentrum in Peißenberg geht immer weiter zurück. Nicht das einzige Problem, mit dem sich Verwaltungsleiter Christian Achmüller herumschlagen muss.

Peißenberg/Landkreis – Am Mittwoch war der vorläufige Tiefpunkt erreicht: Gerade einmal 25 Impfungen wurden an diesem Tag im Impfzentrum verabreicht: „Die Lage als ruhig und überschaubar zu bezeichnen, wäre vielleicht etwas beschönigend“, sagte Achmüller.

War noch vor wenigen Wochen der fehlende Impfstoff das dominierende Problem, ist momentan immer genug vorrätig. „Wenn wir jetzt leerlaufen, haben wir es verdient, weil wir falsch geplant haben“, sagt Achmüller. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt „tendiert aber gegen Null“.

Es fehlt also nicht mehr an Impfstoffen, sondern an Leuten, die sich impfen lassen wollen. Die Neuregelung, die ab dieser Woche gilt, wonach man keinen Termin und keine vorherige Registrierung braucht, um sich im Impfzentrum in Peißenberg impfen zu lassen, hat auf alle Fälle nicht den gewünschten Erfolg gebracht. „Drei oder vier Leute kommen ohne Termin pro Tag vorbei, um sich ihre Impfung abzuholen – mehr sind das nicht“, räumt Achmüller ein.

Kleines Geschenk nach dem Piks?

Deswegen grübelt man gerade im Impfzentrum, wie man vielleicht doch noch den einen oder anderen anlocken könnte. „Wir denken darüber nach, ob wir in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Gewerbetreibenden vielleicht ein kleines Dankeschön organisieren können, wenn sich jemand impfen lässt“, so Achmüller. Er befindet sich in dieser Frage in einer Zwickmühle: Einerseits fordern viele, dass das Impfzentrum schnellstmöglich dafür sorgen soll, dass die Herdenimmunität erreicht wird und sich möglichst viele impfen lassen. Auf der anderen Seite lehnen viele – gerade die, die schon geimpft sind, Prämien und Geschenke für Impfwillige rundweg ab. „Wenn wir uns dafür entscheiden sollten, dann wird das wirklich nur eine kleine Aufmerksamkeit“, so Achmüller. Stattdessen will er lieber die Erreich- und Verfügbarkeit des Impfzentrums für die „Zielgruppe“ verbessern: die Berufstätigen. „Die haben oftmals gar keinen Hausarzt und wollen nur mal schnell und unkompliziert zwischendurch ihre Impfung abholen“, berichtet er.

Abendtermin soll Berufstätige anlocken

Deswegen startet das Impfzentrum am kommenden Mittwoch, 28. Juli, den nächsten „Testballon“. Dann soll eine Impfaktion in den Abendstunden angeboten werden. „Von 18 bis 21 Uhr kann sich dann jeder, der mindestens 16 Jahre alt ist, ohne Voranmeldung impfen lassen“, verspricht Achmüller. Verimpft werde „alles, was offen ist“. Denn auch die Verpackungsgröße der Impfstoffe stelle zunehmend ein Problem dar. In einem Fläschchen Biontech befinden sich sechs Impfdosen, in einem Viole „Moderna“ sogar zehn.

„Es gibt mittlerweile Praxen niedergelassener Ärzte im Landkreis, die Impfstoffe entsorgen müssen, weil sie sie nicht rechtzeitig verimpft bekommen“, sagt der Chef des Impfzentrums. Einige Praxen würden deswegen mittlerweile sogar gar keine Corona-Impfungen mehr anbieten.

Vertrag läuft aus: „Wir suchen alle schon nach neuen Jobs“

Derweil rückt auch der Moment, an dem im Impfzentrum in Peißenberg keine Erstimpfungen mehr angeboten werden, näher. „Nach derzeitigem Stand läuft der Vertrag mit den Johannitern, die das Impfzentrum im Auftrag des Freistaats Bayern betreiben, Ende September aus“, berichtet der Leiter der Einrichtung. Das habe schon jetzt Auswirkungen: „Wir schauen uns alle schon nach neuen Jobs um.“

Was passiert, wenn vierte Welle oder dritte Impfung kommen?

Achmüller hofft immer noch, dass der Vertrag noch einmal verlängert wird: „Die Impfkampagne ist noch nicht beendet.“ Wenn im Herbst wie befürchtet die Inzidenzwerte wieder stark ansteigen, wenn man sich wieder testen lassen muss, um ins Restaurant oder Kino gehen zu dürfen, weil man nicht geimpft ist, „dann rechne ich damit, dass viele sich doch noch impfen lassen wollen“. Wenn dann doch noch eine Drittimpfung bei bereits Geimpften fällig wird, um sich gegen mögliche neue Mutationen des Corona-Virus zu schützen, „dann stoßen wir schnell an Kapazitätsgrenzen, wenn es keine Impfzentren mehr gibt“.

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