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Dank der Erfindung eines Sandschlauch-Befüll- und Verlegesystems können die heuer stark vom Hochwasser betroffenen Gemeinden wie Peißenberg und Polling beim nächsten Mal schnell reagieren. 7

Erfindung Peißenberger Bauhof-Mitarbeiter

Kein Sandsäcke-Schleppen mehr

Peißenberg -  Vier Männer des Peißenberger Bauhofs haben eine revolutionäre Erfindung gemacht.  Sie entwickelten ein Sandschlauch-System zum Schutz vor Hochwasser. 

Eine Weltpremiere konnten die geladenen Gäste am Wochenende auf dem Gelände des Peißenberger Bauhofes erleben. Bauhof-Leiter Roman Bals hatte mit Unterstützung des Sachbearbeiters für Katastrophenschutz am Landratsamt, Walter Weber, zur Erstpräsentation des „Sandschlauch-Befüll- und Verlegesystemes BDRK-2016“ geladen. Vor allem die Bauhöfe und Feuerwehren des Landkreises waren angeschrieben worden, denn es ging um ein Thema, das besonders in diesem Jahr mehrere Kommunen hart getroffen hat. Peißenberg wurde heuer gleich drei Mal hintereinander Opfer eines Hochwassers, bei dem der Wörthersbach über seine Ufer trat. „Die Schlepperei ist zu heftig“, berichtete Bals und erklärte, wie es zu der nun präsentierten Erfindung kam.

Viele Helfer könnten nach den anstrengenden Einsätzen „keine Sandsäcke mehr sehen“. So habe er gemeinsam mit seinen Kollegen Hermann Deutschenbaur, Wolfgang Reichhart und Georg Kergl „getestet und gebastelt“, wie er sagt, um künftig einen schnellen und effizienten Hochwasserschutz zu ermöglichen. Grundlage für die Überlegungen sei die Technik einer bereits vorhandenen Sandschütte gewesen, die man wegen der ebenfalls hochwasserbedingten, massiven Bankettschäden angeschafft habe. Es sei schließlich gelungen, diese mit einer neu konzipierten Haltevorrichtung zu kombinieren, auf die innerhalb von Sekunden so genannte KG-Rohre montiert werden können, über die ein reißfestes, netzartiges Gewebe gespannt ist. Fährt der Frontlader an und aktiviert die Schütte, wird der Sandschlauch automatisch befüllt und verlegt. Ist ein Schlauch nach gut 50 Metern Verlegelänge befüllt, wird das Ende abgebunden und das bereits fertig bestückte, nächste Rohr montiert. Dass das Ganze nicht nur bestens funktioniert, sondern auch konkurrenzlos schnell abläuft, wurde nach dem „Theorie-Teil“ eindrucksvoll demonstriert. Noch während der Lader einen um den anderen Schlauch befüllte, wurde mittels Feuerwehrschlauch eine Fläche geflutet und somit auch die Dichtigkeit des Systemes bewiesen, das auch eine Pyramidenverlegung problemlos ermöglicht.

Bilder vom Hochwasser im Altlandkreis Weilheim

Um die Vorteile des Systems im Einsatzfall gut ausspielen zu können, ließen sich Bals und seine Kollegen vom Schreiner eine fahrbare Box bauen, die mit 52 fertig bestückten Wechsel-Rohren gefüllt ist. Auch was die Kosten angeht, bringen die Sandschläuche klare Vorteile. So koste ein Sandsack zwischen 30 und 60 Cent, und der Meter Schlauch, der vom Volumen her etwa fünf Sandsäcken entspreche, koste nur einen Euro. Nach dem Einsatz werde der Schlauch aufgeschnitten, der Sand zusammengeschoben und könne beispielsweise im Straßenbau wieder eingesetzt werden, wenn keine Kontaminierungen vorlägen. Walter Weber vom Landratsamt ist begeistert: „Man hat bei dem System nur Vorteile und der Personaleinsatz ist äußerst gering“, sagte der Katastrophenschützer und verwies besonders auf das stimmige Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ein Schutz-System, nach dem man sich bereits erkundigt hatte, hätte 500 000 Euro für nur 400 Meter gekostet, „die Bürgermeisterin kann stolz darauf sein, solche Mitarbeiter zu haben“, sagte Weber. Und das war Manuela Vanni auch, sie war voll des Lobes für das Erfinder-Team. Man habe sogar erwogen, das System patentieren zu lassen, sei aus Kostengründen aber davon abgekommen. Ihr gehe es vor allem darum, dass alle Kommunen davon profitierten. Huglfings Bürgermeister Bernhard Kamhuber und ein Vertreter der heuer besonders geschädigten Gemeinde Polling haben genau hingeschaut und waren sichtlich beeindruckt. Für was aber steht das ominöse Kürzel BDRK? Es ist ganz einfach eine Aneinanderreihung der Nachnamen der Erfinder: Bals, Deutschenbaur, Reichhart, Kergl. Allerdings gibt es ein ähnliches  System schon. Der THW Ortsverband München-Ost hat während den "FireTagen" auf der Theresienwiese im Frühjahr diesen Jahres sein  System vorgestellt. Anfang Oktober präsentierten die THWler dann ihr System Hochwasserexperten des Landkreises Weilheim-Schongau. 

Emanuel Gronau

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