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Auf das Dach der St. Johann-Turnhalle in Peißenberg werden keine Solarmodule gebaut werden - zumindest vorerst.

Erneuerbare Energien

Nur eine schöne Idee: Solarstrom vom Turnhallendach wird doch nichts

Aus der geplanten Photovoltaikanlage auf dem Dach der St. Johann-Turnhalle in Peißenberg wird nichts – zumindest vorerst. Der Marktrat hat das Projekt aus wirtschaftlichen Gründen auf Eis gelegt. Jetzt werden Alternativstandorte gesucht.

Peißenberg – „Das Dach wäre eigentlich schon geeignet, es rechnet sich nur nicht.“ Bürgermeisterin Manuela Vanni redete in der Marktratssitzung am Mittwochabend nicht lange um den heißen Brei herum, als die von der Bürgervereinigung (BV) beantragte PV-Anlage auf dem Dach der St. Johann-Turnhalle zur Sprache kam.

Anders als im vorberatenden Bauausschuss gab es diesmal zu den Ausführungen der Rathauschefin keinen Widerspruch – auch nicht von der BV. Vanni berichtete von einem Gespräch mit Vertretern der Gemeindewerke und der Rathausverwaltung.

Dabei sei man übereingekommen, dass die Errichtung der 31 000 Euro teuren PV-Anlage „derzeit wirtschaftlich nicht darstellbar“ sei. Die Rathauschefin verwies auf einen seit 2011 bestehenden Gestattungsvertrag mit den Gemeindewerken, der die Nutzung von fünf gemeindlichen Liegenschaften zur Montage von PV-Anlagen regelt.

In das Vertragswerk sollte auch das Projekt an der St.-Johann-Turnhalle aufgenommen werden. Laut den Konditionen würde der Markt im Gegenzug zur Überlassung der Dachfläche sechs Prozent der Einspeisevergütung erhalten und zudem keinerlei Kosten für etwaige Statikprüfungen oder Umrüstungen zahlen müssen. Den Aufwand müssten also die Gemeindewerke selbst tragen. Und das ist im konkreten Fall genau der Knackpunkt. Für das Flachdach der St.-Johann-Turnhalle steht in ein paar Jahren nämlich eine Sanierung an, das heißt, die PV-Anlage müsste abmontiert und wieder aufgebaut werden. Entschließt sich die Gemeinde, das Flachdach durch ein Satteldach zu ersetzen, müssten die Werke für die Module sogar eine komplett neue Unterkonstruktion errichten. Das alles kostet Geld und schränkt die Wirtschaftlichkeit der Anlage ein.

Ohne jegliche Zusatzkosten würde sich die PV-Anlage laut den Berechnungen der Gemeindewerke bei einem jährlichen Überschuss von knapp 2000 Euro nach 16,5 Jahren amortisieren. „Die Zeit wäre zwar schon relativ lang, die Gemeindewerke könnten das aber noch wirtschaftlich darstellen“, erklärte Vanni.

Doch inklusive Auf- und Abbaukosten im Falle einer Dachsanierung würde sich die Amortisationszeit auf 20,5 Jahre hochschrauben. Mit neuem Satteldach und neuer Unterkonstruktion würde es sogar noch länger dauern, bis die PV-Anlage die Gewinnschwelle erreichen würde. Und dass die Kommune und nicht die Gemeindewerke die Kosten trägt, darauf ließ sich die Rathausverwaltung offenbar nicht ein. Der Marktrat beschloss nun einhellig, dass die St.-Johann-Turnhalle erst nach einer Dachsanierung mit einer PV-Anlage bestückt werden soll. Den Fokus wollen die Werke und die Gemeinde stattdessen auf die neue Ablagerungshalle am Friedhof richten. Auch andere Liegenschaften sollen geprüft werden – mit dem formulierten Ziel, „wirtschaftliche PV-Anlagen anzubringen“.

„Ich finde es sehr schade, wie das gelaufen ist“, kritisierte Jürgen Forstner (BV): „Die Gemeindewerke haben sehr viel Zeit in die Planung investiert – und jetzt erst stellt sich heraus, dass das Dach irgendwann saniert werden muss.“ Es sei „schlimm“, dass die Gemeinde nicht über den baulichen Status ihrer Gebäude Bescheid wisse: „Da müssen wir uns für die Zukunft etwas einfallen lassen“, so Forstner. Die Gemeindewerke reagieren derweil auf die neue Lage verhalten: „Ich will jetzt keinen Wind machen“, erklärt Werkleiterin Ingrid Haberl auf Nachfrage der Heimatzeitung: „Es geht mir um die Sache. Wir müssen schauen, dass wir inhaltlich weiterkommen und nun an anderer Stelle weitermachen.“

Bernhard Jepsen

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