Auflösung beschlossen

Kein Ziel, kein Gewerbeverein mehr

Peißenberg -  15 Mitglieder waren zur Versammlung des Peißenberger Gewerbevereins gekommen. Sie beschlossen die Auflösung.

Aus und vorbei. Der Peißenberger Handels- und Gewerbeverein wird künftig nur noch in den Geschichtsbüchern zu finden sein. Am Dienstagabend wurde – erwartungsgemäß – die Auflösung der 108 Jahre alten Interessensvertretung beschlossen. Für den zuletzt nur noch kommissarisch tätigen Vorsitzenden Manfred Fiebig hat sich auch bei der einberufenen „Sonderjahreshauptversammlung“ kein Nachfolger mehr gefunden. Bei drei Enthaltungen stimmten 12 der 15 anwesenden Mitglieder im Gasthof „Zur Post“, der Geburtstätte des Vereins, für die Liquidation. Das Votum war letztlich eine logische Konsequenz: Peißenbergs Gewerbe verfügte de facto schon seit längerer Zeit über kein politisches Sprachrohr mehr. „Der Auflösungsbeschluss war unausweichlich. Es hat keiner mehr ein Ziel gesehen – und es gibt keine Gemeinsamkeiten mehr“, bilanziert Manfred Fiebig im Gespräch mit der Heimatzeitung das Ergebnis der Mitgliederversammlung.

Schon seit Jahren brodelten im Verein interne Querelen. Dabei ging es vor allem um die Standortfrage bezüglich der Marktsonntage und die Aufteilung zwischen den beiden Ortsteilen. Aber selbst bei der Gewerbeschau „Komm 2012“ zogen nicht alle Peißenberger Geschäftsleute mit. Das Interesse am Verein sank immer mehr. Als Fiebig aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug ankündigte, suchte er vergeblich einen Nachfolger.

Das Paradoxe: Im Rahmen der Sondermitgliederversammlung scheint man sich nach den Streitereien wieder angenähert zu haben. „Das war seit Jahren das beste Gespräch, das wir geführt haben“, berichtet Fiebig. Man sei sich auch einig darüber gewesen, dass Peißenbergs Gewerbe dringend eine Interessensplattform benötige. Allerdings: „Ich habe alle Anwesenden gefragt, ob sie den Vorsitz übernehmen wollen, doch jeder hat ,nein‘ gesagt“, resümiert Fiebig. Die Geschäftsleute seien zu sehr mit ihrem eigenen Betrieb beschäftigt und hätten lediglich in zweiter Reihe im Verein mitarbeiten wollen: „Der Tenor der Mitglieder war, dass das Amt des Vorsitzenden einfach ,zu viel Arbeit‘ bedeutet“, erklärt Fiebig, der nun die Liquidation des Vereins in die Wege leiten muss. Ein halbes Jahr, so schätzt der selbständige Finanzbuchhalter und Unternehmensberater, wird das Verfahren dauern.

Und wie geht es mit Peißenbergs Gewerbe weiter? Gründet sich eine neue Initiative? „Das weiß man noch nicht. Ich werde jedenfalls nicht der Antreiber sein“, sagt Fiebig – wobei er auch betont: „Ein Sprachrohr brauchen wir. Sonst wäre es eine zähe Angelegenheit, im Gemeinderat für das Gewerbe etwas umzusetzen.“

Und wie kommentiert man im Rathaus das Ende des Vereins? „Für uns ist das nicht gut. Ich empfinde schon Bedauern“, sagt Bürgermeisterin Manuela Vanni – auch wenn die Entwicklung für sie „nicht mehr überraschend“ kam. Eine Vermittlerrolle seitens der Gemeinde sei nicht mehr möglich gewesen.

Vanni verweist darauf, dass auch in anderen Orten Gewerbevereine Probleme hätten, zum Beispiel in Peiting und Hohenpeißenberg. Unter Umständen sei die Organisationsform nicht mehr ganz zeitgemäß: „Jeder schaut erst einmal auf sich und sieht vielleicht nicht mehr so sehr das große Ganze“, mutmaßt Vanni. Für die Kommune sei es aber wichtig, eine Interessensplattform als Ansprechpartner parat zu haben. „Nicht sofort“, vermutlich aber nach den Sommerferien will Vanni deshalb zu einem gemeinsamen Treffen mit den örtlichen Geschäftsleuten einladen: „Der Gemeinderat muss wissen, was das Gewerbe will“, betont die Rathauschefin.

Bernhard Jepsen

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