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Norbert Kunz in der Kletterhalle in Weilheim.
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Die letzten Arbeiten vor der Wiedereröffnung laufen: Norbert Kunz, Chef der Weilheimer Kletterhalle „Under the roof“, und seine Mitarbeiterin Stephanie Rosenberg, am neu gestalteten Bistro-Bereich.
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Das DAV-Kletterzentrum in Peißenberg (hier eine Archivaufnahme) bot vor Corona regelmäßig Kurse an. 
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Das DAV-Kletterzentrum in Peißenberg (hier eine Archivaufnahme) bot vor Corona regelmäßig Kurse an. 

Landkreis

Kletterhallen-Öffnung: Freude in Weilheim, Zurückhaltung in Peißenberg

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Die Serie an Lockerungen in Sachen „Corona“ geht weiter – und sie betrifft nun auch Liebhaber des Indoor-Kletterns. Den Kletterhallen-Betreiber in Weilheim freut’s, das Team des DAV-Kletterzentrums in Peißenberg wartet noch ab

Landkreis - Die einen Klettergriffe sind pink, die anderen gelb oder blau, und wieder andere grün. Jeder hat eine andere Form und ein spezielles Profil. Doch gemein ist ihnen, dass sie gegenüber vielen anderen Griffen an der grauen Wand regelrecht leuchten. Spuren der Benutzung? Fehlanzeige. „Es ist ja auch noch niemand daran hochgeklettert“, sagt Norbert Kunz.  In den vergangenen Wochen wurden rund 50 Kletter- und 60 Boulder-Routen neu geschraubt.

Der Betreiber des „Under the roof“ an der Weilheimer Trifthofstraße hat nach der corona-bedingten Schließung Mitte März nicht lange lamentiert, sondern gesagt: „Okay, dann machen wir halt Ramba-Zamba.“ Kunz hat die Zeit des Lockdowns für eine Sanierung genutzt: Böden, Sanitäranlagen, der Bistro-Bereich und die Fenster – alles wurde auf Vordermann gebracht. Jetzt fiebert der Chef der Wiedereröffnung entgegen. Ab dem 8. Juni, so hat es die bayerische Staatsregierung verlauten lassen, dürfen bestimmte Indoor-Einrichtungen wieder öffnen. 

Indoor-Klettern: „Under the roof“ wurde umfassend saniert

Kunz hat die Pressekonferenz gesehen. Und als tatsächlich auch das Wort „Kletterhallen“ fiel, „da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen“. Er wird denn auch am 8. Juni öffnen, auch wenn gemäß seinem Sommer-Fahrplan da eigentlich der montagliche Ruhetag wäre. „Geschlossen hatten wir genug“, sagt Kunz mit einem Schmunzeln. 

Mit dem Stichtag hat die Kletterhalle, die es seit 1998 gibt, zwölf Wochen geschlossen. „Wirtschaftlich ist das eine heiße Kiste“, sagt Kunz. Drei Monate ohne Einnahmen – „das ist schon heftig“. Immerhin: Eine sehr gute Auslastung im Winter und die staatliche Soforthilfe boten eine Unterstützung, mit der es Kunz „bisher gerade so geschafft“ habe. Auch wenn es jetzt wieder losgehen kann, erwartet er, dass er insgesamt heuer nur auf die Hälfte des Umsatzes vom Vorjahr kommen wird. „Das ist nicht unbedingt wirtschaftlich.“

Indoor-Klettern: Kunz setzt auf die Vernunft der Kletterer 

Was ihn freute, war der Zuspruch seitens der Kundschaft. Einige Stammkletterer hätten angeboten, Karten im Voraus zu kaufen. Auch die DAV-Sektion Weilheim – mit dem Alpenverein besteht eine Kooperation – habe einen Vorschuss ins Spiel gebracht. „Es tut gut, wenn man merkt, dass die Leute an der Situation teilhaben“, sagt Kunz. Die Angebote musste er bislang nicht annehmen. Gegenüber dem bisherigen Betrieb wird sich corona-bedingt einiges ändern. Der Kletterhallen-Verband „Klever“ und auch der Alpenverein haben einen Maßnahmen-Katalog erstellt. „Wir sind dabei, ihn umzusetzen“, sagt Kunz. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Leute mitmachen.“

Nötig ist künftig eine Voranmeldung via Internet (https://kletterhalle-weilheim.de), buchbar sind Slots, die zwei Stunden Kletterzeit umfassen. In der Halle darf sich nur eine bestimmte Anzahl an Kletterern gleichzeitig aufhalten. Kurse in Kleingruppen sind möglich, Kindergeburtstage und größere Gruppenveranstaltungen können noch nicht angeboten werden. Zwischen zwei Kletterern muss immer eine Sicherungslinie frei bleiben. Die Griffe müssen nicht nach jeder Tour gereinigt werden, allerdings müssen die Kunden die Hände desinfizieren. Kunz legt den Besuchern ein flüssiges Magnesia ans Herz – das „Liquid Chalk“ hat einen hohen Alkoholanteil und wirkt so desinfizierend. Ob und in welchem Umfang der Gastro-Bereich benutzt wird und ob auch Speisen angeboten werden können, das will der Hallenbetreiber in den kommenden Wochen entscheiden. „Viel wichtiger ist zunächst, dass der Ablauf beim Klettern funktioniert.“ Duschen und Umkleiden bleiben geschlossen. 

Indoor-Klettern: Verständnis für harte Corona-Beschränkungen

Für die harten Maßnahmen mit Schließungen ganzer Geschäftszweige über Wochen hinweg hat Kunz Verständnis – zumal er die Gefährlichkeit des Virus vorgeführt bekam. Zu seinem Stammkundenkreis gehörte ein Mittfünziger, der an Corona starb. Umso wichtiger ist dem Kletterhallen-Chef, dass in seinem Betrieb ab 8. Juni „alles sauber läuft“. Die Hygiene-Vorgaben bedeuten für ihn Zusatzkosten, die er aber nicht weitergeben will. „Wir werden unsere Struktur beibehalten.“ Die aktuellen Jahres-Abos lässt er drei zusätzliche Monate laufen; damit kommen die Kunden auf die vollen zwölf Monate. Auf der anderen Seite wird Kunz die Preise nicht reduzieren. Er erwarte, „dass die Leute akzeptieren, dass ich den Umsatz benötige“. 

Indoor-Klettern: Zurückhaltung im DAV-Kletterzentrum

Etwas anders als im „Under the roof“ stellt sich die Lage in der DAV-Kletterhalle in Peißenberg dar – eine baldige Öffnung ist wohl unwahrscheinlich. Hallenreferent Herbert Fischhaber und sein Team befindet sind derzeit im regelmäßigen Austausch mit dem Vorsitzenden der Sektion, Ronald Bauer. „Es geht auch darum, was verantwortet werden kann“, sagt Fischhaber. 

Die Peißenberger Halle ist mit einer Grundfläche von 100 m² und einer Kletterfläche von 400 m² „sehr klein“, so Fischhaber. Der Deutsche Alpenverein hat für Kletterhallen eine Liste an Vorschlägen unterbreitet, wie ein Betrieb unter Corona-Auflagen möglich sein könnte. Doch mehrere Bedingungen darin „können wir nicht erfüllen“, so Fischhaber. Größere Hallen „tun sich da leichter.“ Gemäß der Fläche und der Anzahl der Sicherungslinien, so hat das Team ausgerechnet, könnten sich sechs Seilschaften gleichzeitig in der Halle aufhalten.

Indoor-Klettern: DAV-Halle wohl nur für interne Gruppen zugänglich

Sollten die derzeitig gültigen Auflagen jedoch nicht weiter gelockert werden, „dann ist es wahrscheinlich erst mal so, dass wird nicht für die Öffentlichkeit aufmachen werden“, sagt Fischhaber. Maximal könnten DAV-interne Kleingruppen hinein. In Normalzeiten können in der DAV-Halle Kletterkurse (an Wochenenden) gebucht werden. Obendrein finden Klettertherapie (unter anderem für Bewohner der Herzogsägmühle-Einrichtungen) und Besuche von Schulen statt. Die Sektion beteiligte sich auch am Ferienprogramm der Marktgemeinde.

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Kletter-Kabarett im „Under the roof“ - Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Kletterhalle Weilheim trat Kletterkabarettist „Erbse“ auf. Trefflich nahm er den Sport in der Vertikalen und dessen Protagonisten aufs Korn.

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