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„Klopapiereffekt“ bestimmte Holzmarkt

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Durch Sturmschäden wie die in Eglfing kam heuer wieder viel Holz auf den Markt, was die Preise drückte.
Durch Sturmschäden wie die in Eglfing kam heuer wieder viel Holz auf den Markt, was die Preise drückte. © wbv Weilheim

Die Waldbauern stehen vor vielen Problemen. Sturmschäden sorgen für Preisdruck, und unter der Borke lauert der Käfer. Hinzu kommt der Klimawandel, der einen radikalen Waldumbau erfordert.- Trotz aller Probleme gab es für die zwölf Waldbauern, die zur Versammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Weilheim in Peißenberg gekommen waren, auch eine gute Nachricht.

Peißenberg – Die gute Nachricht war: Der Holzpreis ist momentan gerade wieder etwas besser, nachdem er kurzzeitig im Keller war. Aber sonst hatten Marc Euer und Georg Goldhofer von der WBV und Sonja Scheurer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim nicht viel Gutes zu berichten.

Der Holzmarkt ist laut Goldhofer im vergangenen Jahr durch den „Klopapiereffekt“ bestimmt gewesen. Aufgrund von Befürchtungen, dass die Corona-Pandemie zu Lieferengpässen führen könnte, hätten die Abnehmer „Panik- und Hamsterkäufe“ getätigt. Dies habe den Endverbraucher-Preis für einen Kubikmeter Schnittholz von 250 auf 700 Euro hochgetrieben. Davon hatten die Waldbesitzer aber nichts. Im Gegenteil: Aufgrund der Sturmschäden und des Käferbefalls gab es viel Holz und so seien die Preise gedrückt worden. In der Gegend um Eglfing seien 40 000 Festmeter Holz zusätzlich angefallen, im Rosenheimer Raum waren es 200 000 Festmeter. Dazu kam viel Käferholz aus Mitteldeutschland auf den Markt.

Inzwischen hätten die Preise zwar wieder ein fast normales Niveau, allerdings würden die „übervollen Sägewerke“ nicht mehr viel abnehmen, und die Tatsache, dass die Säger keine langfristigen Verträge mehr abschließen deute darauf hin, dass die Preise wieder sinken werden, sagte Goldhofer. Gut zu verdienen ist dem WBV-Vertreter zufolge noch bei der Submission (Verkauf an Meistbietende). Eiche, Bergahorn und Raritäten wie Kirsche erzielten hier hohe Preise. Den höchsten Preis habe ein gut zwei Festmeter großer Bergahorn erzielt, für den 28 000 Euro gezahlt wurden.

Laut Euer sind die aktuellen Kalamitäten im Wald keine Neuheit. Es habe sie auch schon in den vergangen Jahren gegeben, wie er anhand einer 2015 beginnenden Auflistung zeigte. Neben Borkenkäfern, Stürmen und Hagel setze 2016 auch Starkregen dem Wald zu.

Scheurer rechnet damit, dass sich das Klima in unserer Region deutlich verändern wird. Mit steigender Temperatur werde es aber „kein Klima wie in Spanien“ werden. Es werde weiterhin Schnee und Frost im Winter geben sowie Trockenheiten und Starkregen im Sommer, „aber es wird alles krasser“. Deshalb müsse jetzt mit dem Waldumbau begonnen werden. Mischwald sei sehr stabil, darin habe auch die Tanne nach den derzeitigen Klimamodellen gute Wachstums-chancen.

In einen Punkt sind sich die Forstexperten dabei einig. Es werde keinen Wunderbaum geben. Waldbauern müssten auch den Mut haben, neue Baumarten zu pflanzen, die zum Standort passen. Das Problem, dass langfristig das Bauholz ausgeht, sehen die Experten nicht. Tanne könne jetzt schon am Bau Fichte ersetzen, später könnten es auch Laubhölzer sein, die Industrie werde dafür Lösungen finden.

Aktuelle Tipps für die Waldbauern gab es in Peißenberg auch. Sie sollten ihre Bestände auf Bohrmehl von Schädlingen kontrollieren und befallene Bäume schnell entfernen, sonst könnte das nächste Jahr problematisch werden. Wer höhere Erlöse will, sollte sich um eine PEFC-Zertifizierung kümmern, da so zertifiziertes Holz besser bezahlt werde.

Aber auch schlechtes Holz bringt gutes Geld. Wer stehendes oder liegendes Totholz, in dem Insekten leben, oder Bäume mit Nisthöhlen nicht entnimmt, kann für die Förderung der Biodiversität Geld bekommen. Weitere Ökotrends im Wald sind der Einsatz von kunststofffreiem Verbissschutz und die Verwendung von Topfpflanzen bei Neupflanzungen, da diese besser anwachsen.

Von Alfred Schubert

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